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Erlebnisbericht
Presse muss leider draußen bleiben

Erlebnisbericht: Presse muss leider draußen bleiben
FOTO: Seybert Gerhard
Geldern. Wie die CDU in Issum versehentlich beinahe ihre möglichen Bundestagskandidaten der Öffentlichkeit vorgestellt hätte - dann aber doch lieber schnell noch die Presse rauswarf. Ein sehr persönlicher Erlebnisbericht einer RP-Redakteurin. Von Sina Zehrfeld

ISSUM/kreis Kleve Es regnet Bindfäden zum Start der CDU-Veranstaltung am Montagabend. Nass wie die Katzen retten sich die letzten Besucher in den Issumer Bürgersaal, unter anderem ich. Gut, fürs Wetter kann die Partei natürlich nichts. Für alles andere, was danach kommt, aber schon.

Die CDU-Verbände in Issum, Kerken und Rheurdt hatten zu einer öffentlichen Vorstellungsrunde der vier Männer geladen, die gerne nächster Bundestagskandidat der CDU für den Kreis Kleve werden würden. Etwa 60 Interessierte füllen die Sitzreihen vor der Bühne.

Kaum im Raum, empfangen mich zwei übellaunige Journalistenkollegen mit der Botschaft, die Presse sei bei der Sache aber nicht erwünscht. Der Issumer CDU-Vorsitzende Klaus Viefers turnt in verantwortungsvoller Position vor der Bühne herum. Ob das wahr sei, wüsste ich gerne. Das hier sei doch wohl eine öffentliche Veranstaltung. Viefers druckst: Nein, ja, gewissermaßen, es tue ihm leid. Er zuckt hilflos mit den Achseln. Er könne das ja auch nicht rechtfertigen: "Ich bin hier ja auch nur ein einfaches CDU-Mitglied", sagt er.

Die vier Kandidaten in spe stehen im Rudel direkt daneben und sind konzentriert darum bemüht, von der Diskussion nichts mitzubekommen. Klaus Viefers fasst sich ein Herz. "Wissen Sie was: Setzen Sie sich einfach in die letzte Reihe." Nach dem Motto: nicht so ganz raus, aber schon mal möglichst nah an die Tür.

Na schön. Soll mir recht sein. Letzte Reihe. Da ist ein Platz frei neben dem Gelderner CDU-Stadtverbandschef Stefan Wolters.

Dann geht's los auf dem Podium. Der Moderator spricht, Zeit verstreicht. Es folgt die Vorstellung der Bewerber, der erste fängt an: Das Rentensystem, da passt ihm so einiges nicht. Und Infrastruktur, dazu hat er auch was zu sagen.

Was genau? Ich werde es nicht erfahren. Denn von da an wird's merkwürdig im Saal. CDU-Mitglieder gehen raus und kommen wieder rein. Blicke werden gewechselt, Köpfe drehen sich, Blickkontakt wird vermieden. Und dann bittet mich die christdemokratische Security in Gestalt des Kreistagsmitglieds Paul Düllings vor die Tür.

Dort wartet bereits ein weiterer Journalist, der ein paar Minuten zuvor vom anderen Ende des Saales aus rauskomplimentiert wurde.

Draußen hebt Düllings zur Erklärung an. "Mitglieder und alle interessierten Bürger" seien eingeladen, hatte es in der Ankündigung geheißen, die die CDU verbreitet hatte. Nur: Das stimme leider gar nicht. Die Interessierten, die seien nicht eingeladen. Und schon gar nicht die Presse. Das solle eine interne Veranstaltung sein, nur für Parteimitglieder.

"Aber das ist sie jetzt nun mal nicht", lege ich Protest ein. "Sie haben öffentlich eingeladen." Stimmt. Hubertina Croonenbroeck, Kerkens CDU-Vorsitzende, springt Düllings hilfreich zur Seite: Das sei ein Versehen gewesen. "Ich kann mich nur entschuldigen", sagt sie. Es sei ganz allein ihr Fehler.

"Die ganzen Gäste da drin, die sind doch jetzt auch nicht alle CDU-Mitglieder", versuche ich es weiter. Croonenbroeck und Düllings überlegen. Also - so weit man die Leute kenne, seien das Parteimitglieder, sagen sie. (Was natürlich nichts über die Gäste sagt, die sie nicht kennen. Offenbar sind sogar SPD-Mitglieder im Raum.)

"Der Vorstand des Kreisverbandes hat das beschlossen", beharrt Croonenbroeck. Ein zunehmend hektischer Paul Düllings lässt wissen, dass ihm das alles nicht gefalle, und fängt zu telefonieren an. Anruf beim CDU-Kreis-Geschäftsführer Manfred Lorenz: Ob man sich nicht über den Beschluss hinwegsetzen könne...? Nein, offenbar nicht.

Anruf beim Kreisvorsitzenden Günther Bergmann: Was das eigentlich soll? Bergmann erläutert, bei Vorgänger-Veranstaltungen wie in Straelen und Kleve habe man auch nur Mitglieder reingelassen.

Der "Fehler" mit der öffentlichen Einladung war der CDU Samstag aufgefallen. Warum wurde das dann nicht korrigiert? Das habe man vergessen, sagt Croonenbroeck.

Am Ende bleibt es dabei: Die CDU beraumt eine öffentliche Veranstaltung an und wirft dann - mit dem Ausdruck des Bedauerns - die Presse raus. Ich stelle mir vor, das passierte bei irgendeiner anderen Partei. Vorzugsweise bei einer von weit rechts oder weit links. Das wäre aber sehr unschön. Fände auch die CDU.

Quelle: RP
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