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Gelderland
Prozess gegen Marihuana-Züchter neu aufgerollt

Gelderland. Auf der Anklagebank wurde es eng: Gleich sechs Angeklagte nebst Anwälten nahmen im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Platz, wo ihre im vergangenen Jahr verhängten Freiheitsstrafen neu verhandelt wurden. Die aus Geldern, Straelen, Kerken und Grefrath stammenden Angeklagten sollen zwischen Ende 2002 und Sommer 2015 in unterschiedlichem Umfang am Betrieb von Marihuanaplantagen und dem Verkauf des Betäubungsmittels beteiligt gewesen sein.

Den Angeklagten wurde bereits im vergangenen Jahr der Prozess gemacht, die 2. Große Strafkammer hatte die Männer und Frauen zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und zehn Jahren verurteilt. Dass das Urteil nun neu verhandelt werden muss, liegt an einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH): Dieser hatte im Oktober vergangenen Jahres das Urteil aus 2016 im Strafausspruch aufgehoben, da aufgrund einer Gesetzesnovellierung mitunter ein anderer Strafrahmen zugrunde gelegt werden hätte müssen.

An der Feststellung der Straftatbestände wird jedoch nicht gerüttelt, weswegen die 1. Große Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Jürgen Ruby gestern zunächst das Urteil aus 2016 verlas. Demnach sollen die Angeklagten von 2002 bis 2015 in erheblichem Umfang Marihuana gezüchtet und - teils bandenmäßig - verkauft haben. Von insgesamt zehn, teilweise parallel betriebenen Plantagen in Straelen, Geldern und Wachtendonk geht das erste Urteil aus. Dabei sollen mehrere 100 Kilogramm der berauschenden Pflanze geerntet worden sein.

Die Angeklagten machten am gestrigen ersten Verhandlungstag Angaben zur eigenen Person. Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 46-jähriger Mann aus Geldern, wurde bereits 2008 in vier Fällen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Von den Erträgen aus dem angeklagten Rauschgifthandel kaufte er sich unter anderem ein Ferienhaus, das er ebenfalls für die Aufzucht von Marihuana ausrüstete. Die fünf weiteren Angeklagten sollen in unterschiedlichem Umfang am Betrieb der in verschiedenen Objekten installierten Plantagen, außerdem an logistischen Aufgaben bis hin zum Verkauf beteiligt gewesen sein. Aufgeflogen war die Marihuanazucht aufgrund eines anonymen Hinweises bei der Polizei.

Fortgesetzt wird die Verhandlung im Klever Landgericht am Mittwoch, 22. November, um 10 Uhr. Nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist am kommenden Mittwoch mit dem Urteil zu rechnen.

(jehe)
 
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