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Geldern
Radboud und AOK kooperieren

Geldern: Radboud und AOK kooperieren
Das ist der Kooperationspartner: Das Radboud University Medical Center (Radboudumc). FOTO: Franssen
Geldern. Die Krankenkasse und die Universitätsklinik Nimwegen haben einen gemeinsamen Vertrag unterzeichnet. Patienten in der Region Rhein-Waal, die komplexe Krankheiten haben, können sich nun auch jenseits der Grenze behandeln lassen. Von Marc Cattelaens

Kleve Die AOK Rheinland/Hamburg und die Universitätsklinik Nimwegen (Radboudumc) gehen neue Wege in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung. Der AOK-Vorstandsvorsitzende Günter Wältermann und Leon van Halder, der Vorstandsvorsitzende des Radboudumc, haben eine Kooperationsvereinbarung für das deutsch-niederländische Grenzgebiet unterzeichnet. Durch die enge Zusammenarbeit ist es nun möglich, dass sich die AOK-Versicherten aus der deutschen Grenzregion bei komplexen Krankheitsbildern wie beispielsweise einem Schlaganfall auch in der Radboud-Klinik behandeln lassen können.

Die größte gesetzliche Krankenversicherung in Nordrhein-Westfalen und das niederländische Medizinzentrum arbeiten zwar seit fast 20 Jahren zusammen, doch entscheiden sich bislang vergleichsweise wenige Deutsche für eine Behandlung im Ausland. Laut Hans-Willi Schemken, Vorstandsbeauftragter der AOK Rheinland/Hamburg, lassen sich jährlich 500 bis 600 Versicherte aus Deutschland, davon ein Drittel aus der Region Rhein-Waal, in der Radboud-Klinik behandeln, meist wegen Rheuma, Nierenkrebs oder schweren Kinderkrankheiten. Die Kosten für die erbrachten ärztlichen Leistungen betragen, so Schemken, rund 500.000 Euro pro Jahr. Der Experte kennt auch die Vergleichzahlen: So erhalten pro Jahr etwa 7000 Belgier und noch mal so viele Niederländer in Deutschland ärztliche Leistungen im Wert von jeweils sechs bis sieben Millionen Euro.

Deutsche Patienten mit bestimmten schweren Krankheiten könnten enorm vom Wissen der Ärzte und Studenten des Radboud University Medical Center profitieren, betont Barbara Nickesen, Regionaldirektorin der AOK Rheinland/Hamburg im Kreis Kleve. So sei die Uniklinik Spitze bei der Schlaganfallversorgung, speziell beim Untersuchungsverfahren PET/CT. Während in der Vergangenheit die Eingriffe an Deutschen Patienten in der Radboud-Klinik meist Notfälle betrafen, habe der Patient durch den Kooperationsvertrag jetzt eine echte Wahl. "Die Besonderheit ist, dass wir hier über die planmäßige Versorgung reden. Der Patient erhält genau die Behandlung, die er will", sagt Schemken.

Die Beratung der deutschen Patienten übernimmt dabei eine Kontaktstelle der AOK. "Auch die Ärzte in der deutschen Grenzregion sind bereits sensibilisiert. Sie kennen die Stärken der Radboud-Klinik und können den Patienten, die von einer Behandlung dort profitieren könnten, eine entsprechende Empfehlung geben", erläutert Schemken. Voraussetzung für eine Behandlung im Ausland ist, dass der Versicherte die kostenlose "eGesundheitscard International" besitzt. Die erhält er auf Anfrage bei der AOK.

Der AOK-Vorstandsvorsitzende Günter Wältermann (r.) und Leon van Halder, Vorsitzender des Vorstandes von Radboudumc, bei der Unterzeichnung, FOTO: privat

Dass die AOK mit ihrer Kooperationsvereinbarung den hiesigen Kliniken und Krankenhäusern die Kunden wegnimmt, sei nicht zu befürchten, sagt Schemken. Denn bestimmte Behandlungen würden im deutschen Grenzgebiet so nicht angeboten. Als Beispiel nennt der AOK-Referent eine Verstopfung in Gehirngefäßen, die in Nimwegen mit der so genannten endovaskulären Endoskopie aufgelöst werden kann.

Letztlich zähle auch, dass der Patient vom unteren Niederrhein zeitnah behandelt werden kann und seine Angehörigen für einen Besuch keine weiten Wege zurücklegen müssen, betont Nickesen. Außerdem müssten deutsche Patienten für die Behandlung in Nimwegen nichts zuzahlen, so die Regionaldirektorin.

Derzeit ist die AOK dabei, die Verträge mit weiteren ausländischen Vertragspartnern auszubauen. Seit Anfang des Jahres gebe es beispielsweise Vereinbarungen mit Privatkliniken in ganz Spanien über die Behandlung von deutschen Patienten zu Pauschalpreisen über die deutsche Versichertenkarte, so Schemken abschließend.

Quelle: RP
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