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Geldern
Radeln auf den Spuren der Boxteler Bahn

Geldern. Der Abschnitt des interkommunalen Radwegeprojekts zwischen Xanten und Sonsbeck wurde offiziell eröffnet. Von Bernfried Paus

Das niederrheinische Radwandernetz ist um ein Juwel reicher geworden. Da, wo einst Kaiser und Zaren in den gelben Wagen der ersten Klasse, gezogen von Lokomotiven mit dem stolzen Namen "Blauer Brabant" auf der "Boxteler Bahn" unterwegs waren, können Radler jetzt ganz offiziell zwischen Xanten und Labbeck die malerische, in diesen Tagen in satten Grünetönen daliegende niederheimische Parklandschaft genießen und sich dabei königlich fühlen. Mit einer Sternfahrt nahmen Radteams - eins aus der Römerstadt und eins aus der Grünen Perle - zwei weitere Abschnitte des neuen Radweges auf der historischen Bahntrasse offiziell in Betrieb. Selbst der Regen vermochte die gute Stimmung im Tross, die von den Bürgermeistern - Heiko Schmidt aus Sonsbeck und Thomas Görtz aus Xanten - angeführt wurden, nicht zu trüben.

"Ein schöner Tag", befand Thomas Görtz beim Zieleinlauf auf dem "Landgut Hochwald", wo das Peleton mit einem Gläschen Sekt anstieß. Auch Uedems erster Bürger, Rainer Weber, trank ein Schlückchen auf eine gelungene nachbarschaftliche Leistung. Uedem hatte vor zwei Jahren für den Einstieg in das vom Land geförderte interkommunale Radwegeprojekt gesorgt, das auf niederländischer Seite fortgeführt wird und somit euregionalen Charakter hat. Xanten folgte im vorigen Jahr am anderen Ende und stellte das rund zwei Kilometer lange Teilstück vom Fingerhutsweg bis zum Campingplatz Bremer fertig. Dann stieg im Tandem Sonsbeck mit in den Sattel - bis zur Marienbaumer Straße. Auf glattem Asphalt - ideal auch für Inlineskater - geht's von Xantens Ortsgrenze durch den Wald auf einer rund drei Meter breiten Piste von Ost nach West.

Der Weg, bislang für Radler und Wanderer nicht existent, eröffnet nicht nur an den Aussichtspunkten ganz neue Blickwinkel. Und: Auf 1,8 Kilometern des insgesamt 4,5 Kilometer langen Doppelabschnitts liegt parallel auch ein Reitweg.

Die Piste erfordert durchaus Puste oder einen geladenen E-Bike-Akku. Denn es geht bisweilen bergauf. Die meisten Brücken, die einst den blauen Loks auf gleichbleibendem Niveau eine durchgängig rasante Fahrt durch hügelige Landschaft ermöglicht haben, stehen nicht mehr. So sind drei Rampen gebaut worden, um Höhenunterschiede zwischen drei und zehn Metern zu bewältigen. Barrierefreiheit war dabei Thema. Die Steigung ist nie höher als sechs Prozent. Zudem gibt es Podeste zum Ausruhen.

Rund zwei Millionen Euro hat der Kommunalgrenzen überschreitende Radwege-Abschnitt gekostet. 1,5 Millionen zahlt das Land, Xanten steuert 400.000 Euro, Sonsbeck 100.000 Euro aus dem Gemeindesäckel bei. Gut angelegtes Geld finden die Bürgermeister. Görtz sprach im Ziel von einem "Vorzeigeprojekt" und einem hervorragenden Beispiel für gelungene interkommunale Zusammenarbeit: "So muss gute Nachbarschaft funktionieren." Er betonte, dass nicht nur für Touristen ein erheblicher Mehrwert geschaffen worden sei, die so einen zusätzlichen Reiz hätten, in die Stadt zu kommen. Auch die eigene Bevölkerung, insbesondere Schüler von außerhalb, die mit dem Rad zur Schule fahren, profitierten von einem satten Plus an Sicherheit.

Sonsbecks Bürgermeister betonte den ökologischen Aspekt des Radwege-Projektes. Nicht nur, dass die ehemalige Bahntrasse nachhaltig gesichert sei und Radlern den Niederhein erlebbar mache, freue ihn. Es würden für den Eingriff in die Natur auf einem Hektar im Tuschenwald 4500 Bäume gepflanzt. Und entlang des Radweges, "der sich als zukunftsorientierte Form der Mobilität sehr schön einfügt in die Landschaft", seien Brutkästen für Fledermäuse aufgehängt worden.

Sonsbeck startet im nächsten Frühjahr mit der nächsten Teiletappe über 1,2 Kliometer bis zur "Villa Reichswald" an der Grenze zu Uedem. Die Ausschreibung, so Schmidt, laufe. Dafür müssen rund 200.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden.

Wenn die Radler auch hier strampeln, fehlt nur noch ein kleiner Lückenschluss. Das Finale ist wie der Start in Uedem. Bürgermeister Weber glaubt, dass er bei den Grundstücksverhandlungen nun bald den Durchbruch schafft.

Quelle: RP
 
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