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Geldern
Ratlos wegen Gelderner Schul-Dilemma

Geldern: Ratlos wegen Gelderner Schul-Dilemma
Die Realschule an der Fleuth ist bei Eltern und Kindern beliebt. Im Frühjahr vergangenen Jahres mussten hier vier statt der erwarteten drei Eingangsklassen gebildet werden. FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Geldern. Klar ist: Die Schullandschaft ändert sich. Unklar ist, wie. Eigentlich weiß niemand so richtig, welchen Bedarf an Schulraum es in Zukunft gibt, welche Schulen mehr, welche weniger Zulauf haben werden. Die Politik hängt in der Luft. Von Sina Zehrfeld

Wohin mit Gelderns Schülern? Soll man nun für circa 7,6 Millionen Euro einen Neubau zwischen Sekundarschule und Realschule an der Fleuth setzen? Und dass angesichts der Haushaltslage und obwohl es leerstehende Gebäude in Geldern gibt? Nur leider an anderen Standorten?

Die Politiker im Gelderner Rat und die Verwaltung hatten die Sekundarschule am Niederrhein ins Leben gerufen. In anderen Orten wurden Gesamtschulen favorisiert. FOTO: markus van Offern

Derzeit melden bekanntlich sowohl die Realschule an der Fleuth als auch die nach und nach wachsende Sekundarschule am Niederrhein, die in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, weiteren Raumbedarf an. Das lieferte den Anstoß zum Neubau, den die Schulen sich irgendwie teilen könnten. Nur: Wie sich die Anmeldezahlen an den beiden Einrichtungen in Zukunft wirklich weiter entwickeln werden, das scheint derzeit kaum vorhersehbar zu sein.

"Was das unkalkulierbar macht, ist das Wahlverhalten der Eltern. Das kann man nicht vorhersehen", befand zuletzt im Schulausschuss die Grünen-Politikerin Martina Wolters. Schließlich hatte man sich da in jüngster Vergangenheit schon verschätzt. Im Frühjahr 2015 waren für das Schuljahr ab dem Sommer so viele angehende Fünftklässler an der Realschule angemeldet worden, dass vier statt, wie eigentlich geplant, drei Eingangsklassen gebildet wurden. Das geschah übrigens auf Druck der vielen betroffenen Familien. Politik und Verwaltung hatten vielmehr damit gerechnet und sich gewünscht, dass die neue Sekundarschule breiter aufgestellt wird.

Die Politik stellt den Schul-Neubau, wie berichtet, bereits auf breiter Front infrage - entweder komplett oder zumindest in den angedachten Dimensionen. Aber: Wenn nicht neu gebaut wird, dann müssten bestehende Schulen entweder umziehen oder "Teilstandorte" auslagern. Und die sind von solchen Vorschlägen wenig begeistert.

So ist die Idee, die Realschule an der Fleuth könne in die frei werdenden Räume der auslaufenden Realschule am Westwall umziehen, schon Anfang des Jahres 2015 diskutiert worden. Gegenargument der Schule: Die Räume seien gar nicht gut geeignet und für die pädagogische Arbeit einschränkend. Gleichzeitig ließ die Sekundarschule schon mal wissen, dass gerade sie als Schule des "längeren gemeinsamen Lernens" sich keineswegs die Aufteilung auf einen Haupt- und einen Teilstandort vorstellen könne.

Jetzt soll erst einmal ein Gutachten klären, welche Lösungen für Geldern Sinn machen und welche nicht. Der Schulausschuss des Rates hat eine so genannte "anlassbezogene Schulentwicklungsplanung" angestoßen. Man müsse den gesamten Schulraum in Geldern noch mal betrachten, "ohne Scheuklappen", lautet eine Forderung aus den Reihen der SPD. "So wenig wie möglich, so viel wie nötig" wolle man bauen, lautet es aus der CDU.

Das kostet natürlich Zeit - ebenso, wie jegliche Bautätigkeit nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen ist. In der Zwischenzeit entwickeln sich die Schulen aber weiter. Das heißt: Provisorische Lösungen müssen zumindest für Übergangszeiten ins Auge gefasst werden.

Darauf bereitete der zuständige Dezernent Helmut Holla die Politik schon mal vor. Es sei möglich, deutete er an, dass die Sekundarschule mittelfristig Räume der Realschule an der Fleuth nutzen müsste, während die Realschule weiterhin auf die Gebäude am Westwall ausweichen müsse.

Quelle: RP
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