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Geldern
Romantische Klänge in der Heilig-Geist-Kirche

Geldern. Knapp 50 Besucher begrüßte Pfarrerin Sabine Heimann zu einem Konzert am Ewigkeitssonntag unter dem Motto "Romantischer Herbst" in der Heilig-Geist-Kirche. Der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ist in den evangelischen Kirchen in Deutschland ein Gedenktag für die Verstorbenen. Er ist der letzte Sonntag vor dem ersten Adventssonntag und damit der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Youngseo Kim (Violine) und Jeehyun Park (Klavier) vermittelten in einem abwechslungsreichen Programm einen Einblick in beschauliche Werke des Musikstils des 19. Jahrhunderts.

Zwei Minuten der Stille gab es zu Beginn der Musikaufführung zu hören. Der Autor des "Trauermarsches für die Beerdigung eines tauben Mannes", Alphonse Allais, französischer Schriftsteller und Humorist, hat sich in seiner an den Dadaismus angelehnten Komposition von dem akzeptierten Prinzip inspirieren lassen, dass großer Schmerz schweigt. Eine Darbietung, die beim Publikum für leichte Verunsicherung sorgte. In drei südamerikanischen Werken der Komponisten Heitor Villa-Lobos, Manuel Ponce und Astor Piazzolla hörte man die folkloristischen Wurzeln. Die unprätentiöse Interpretation ließ jedoch die sinnliche Leidenschaft, durch die sich beispielsweise Piazzollas Spiel auszeichnet, und damit die Faszination des Tangos vermissen. Ostasiatische Musiktraditionen mit Techniken westlicher Avantgarde vermischten sich in dem sehr anspruchsvollen Geigensolo "Die hungrige Katze aus Li-Na im Garten" des deutschen Komponisten koreanischer Abstammung Isang Yun. Hierbei kam Youngseo Kims solide Virtuosität zum Ausdruck. Die Suite "The Gadfly" von Dimitri Schostakowitsch beherrscht eine durchdachte und vor allem gefühlvolle Tongebung. Aus einem kleingliedrigen Monolog entwickelt sich elegisch eine an Intensität gewinnende Romanze.

Friedrich Nietzsches "Silvesternacht", das musikalische Werk eines nicht unumstrittenen Philosophen, spiegelt eine von Wagner beeinflusste Persönlichkeit. Ausschweifend, auf wenig Themen aufgebaute Musik, fordert sie förmlich in der Tonfarbe nach orchestraler Umsetzung und erzeugt nachdenkliche und manchmal turbulente Gefühle. Dagegen wirkten das "Lied an den Mond" von Antonín Dvorák und die "Legende Op.17" von Henryk Wieniawski eher kunstvoll stilisiert. Die Violine klang warm und voll, aber dennoch angenehm schlicht. Ohne Schärfe formte Youngseo Kim seinen Part in den höheren Tonlagen. Mit dem "Deep River" Op. 59 Nr. 10 von Samuel Coleridge-Taylor endete ein überaus reizvolles Konzert, das ganz im Zeichen vorbildlicher Balance der Interpreten stand.

(usp)
 
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