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Wachtendonk
Rotbuche in Wachtendonk muss weg

Wachtendonk: Rotbuche in Wachtendonk muss weg
FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Wachtendonk. Bereits im Herbst wurde einer dieser Bäume am Fliethweg gefällt. Nun droht einem Exemplar in der Nähe das gleiche Schicksal. Auch Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt versuchte, den 120 Jahre alten ortsbildprägenden Baum zu retten. Von Michael Klatt

Die Wachtendonker lieben ihre Bäume. Das wurde deutlich, als im vergangenen Herbst eine Rotbuche am Fliethweg gefällt werden sollte. Anwohner protestierten dagegen und wollten das etwa 80 Jahre alte Gehölz retten. Doch dem war nicht zu helfen. Inzwischen ist, wie Franz-Josef Delbeck als zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus mitteilte, das gesamte Erschließungs- und Vertragsgebiet gerodet. Und damit auch die Rotbuche.

Nun bangen die Wachtendonker um eine weitere ortsbildprägende Rotbuche, nur einige Meter weiter am Fliethweg, allerdings laut Delbeck außerhalb des Erschließungsgebietes. Auch sie, rund 120 Jahre alt, wird wohl die längste Zeit am Rande des historischen Ortskerns gestanden haben. Sie soll Wohnhäusern weichen.

Erneut regte sich bei den Wachtendonkern Protest angesichts der drohenden Fällaktion. Nicht nur bei Anwohnern. "Bei uns melden sich immer wieder besorgte Bürger zu dem Thema", teilte Ludwig Ramacher von den Wachtendonker Grünen mit. Auch Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt schaltete sich ein. Er lud den Investor und den Projektentwickler ins Rathaus ein, wo er gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter Delbeck versuchte, diese Rotbuche zu erhalten.

Das Problem laut Aengenendt: Es handelt sich um einen Flachwurzler. Das heißt, die Wurzeln erstrecken sich weit um den Baumstamm herum. Und entsprechend viel Platz benötigt das Gehölz.

"Durch ein daneben stehendes Haus sind die Wurzeln schon beschädigt", beschreibt der Bürgermeister die Situation. Um die Wurzeln auf der anderen Seite zu schonen, müsste ein Abstand von zehn Metern eingehalten werden. Dann verblieben auf dem Areal für die geplanten Häuser noch fünf Meter. "Auf diese fünf Meter bekomme ich keinen Baukörper gesetzt", äußert der Rathaus-Chef Verständnis auch für die Interessen des Investors. Ein Versetzen des Baukörpers sei nicht machbar.

Die Rotbuche befindet sich schon in Schräglage auf das bereits stehende Nachbarhaus hin. Der Bürgermeister gab die Argumentation des Investors aus der Rathaus-Gesprächsrunde wieder. Demnach könne der keine Garantie dafür übernehmen, dass bei den Bauarbeiten die Wurzel nicht so beschädigt wird, dass der Baum umkippt. Delbeck wies auf eine weitere Schädigung hin, die das Einsickern von Feuchtigkeit fördere und eventuell zu Kernfäule führe. Und da der Wald ringsherum gerodet sei, ist die Rotbuche dem Wind ungeschützt ausgesetzt.

Beim Kreis Kleve als Unterer Landschaftsbehörde erkundigte sich Aengenendt nach der Schutzwürdigkeit der Rotbuche. Die sei nicht gegeben. Da es sich laut Delbeck um eine Lückenbebauung handle, könne der Baum ohne weiteres gefällt werden, und sei er noch so schön und markant. Auch gibt es laut Bürgermeister Aengenendt in Wachtendonk keine Baumschutzsatzung.

Was deren Beantragung angeht, fühlen sich die Wachtendonker Grünen laut Ramacher hin- und hergerissen. "Sollte solch eine Satzung vorbereitet werden, besteht die Gefahr, dass bestimmte Bäume verschwinden, bevor die neue Regelung in Kraft tritt." Bürgermeister Aengenendt sieht das ähnlich.

Er ist, wie viele andere Wachtendonker, traurig, dass die Rotbuche nach Abwägung aller Interessen nicht stehen bleiben kann. Doch dafür habe der Investor eine Neupflanzung als Ausgleich zugesagt. Und das soll keine kleine Jungpflanze werden, sondern ein kräftiger Baum an prägnanter Stelle. Laut Delbeck hat der Investor Baumspenden auch für andere Stellen in der Gemeinde signalisiert. Mit dem Fällen der alten Rotbuche am Fliethweg sei in den nächsten Tagen zu rechnen.

Quelle: RP
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