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Gelderland
Runterkommen in Kapellen

Gelderland: Runterkommen in Kapellen
FOTO: Mathias Bothor
Gelderland. Sänger Johannes Oerding hat mit seinem vierten Album "Alles brennt" im vorigen Jahr einen Erfolg gelandet. Immer wieder zieht es ihn in die Heimat. 2017 sind eine neue CD und eine neue Tournee geplant. Von Michael Klatt

In einer Hinsicht ist Johannes Oerding wohl ein "echter Niederrheiner": Seine Bindung zur Heimat verliert der Sänger aus Kapellen nicht. Ob er als Zuschauer die Arminia anfeuert, im Freundes- und Familienkreis den Grill anschmeißt oder sich mit seinen einstigen musikalischen Mitstreitern von "Groovekeller". "Hörzu'n'Groove" oder "High Fidelity" trifft: Immer wieder zieht es ihn aufs flache Land.

"Ich habe ja bekanntlich eine sehr große Familie, und da gibt es fast wöchentlich was zu feiern beziehungsweise einen Grund, an den Niederrhein zu fahren", sagt der 34-Jährige. Wenn die Zeit es zulässt, ist er immer wieder gerne da, "allein schon, um wieder runterzukommen". Und wenn er es nicht schafft, bekommt er auch oft in seiner Wahlheimat Hamburg oder auf Tour Besuch von seinen Liebsten.

Hügeliger als der Niederrhein ist Hamburg nicht. Doch bietet die Metropole an der Waterkant Künstlern sehr viel mehr Möglichkeiten, den Durchbruch von Provinzbühnen in große Arenen zu schaffen. Bei Oerding hat's geklappt. Sein viertes Album "Alles brennt", Anfang 2015 erschienen, führte nicht nur zu einer Mammut-Tournee, sondern auch zu vielen Auftritten in bundesweit ausgestrahlten Fernsehsendungen. Der Titelsong gehörte zu den Liedern des Jahres und wurde im Radio rauf und runter gespielt.

Ganz klar, dass Oerdings Tourplan die Heimat nicht aussparte. Im März 2015 spielte er in der ausverkauften Straelener Stadthalle, im Juni 2016 ließ er auf dem Marktplatz der Blumenstadt einen, ebenfalls ausverkauften, Auftritt vor 2500 Fans folgen. Seine Bodenständigkeit zeigt sich nicht zuletzt bei solchen Gelegenheiten. Da holt er einen ehemaligen Mitmusiker auf die Bühne. Da erfüllt er unzählige Autogramm-Wünsche und lässt Selfies mit sich machen. Und zieht nach der Show durch die Kneipen, nicht selten mit den alten Kumpels. Er lässt fühlen, wie sehr er es genießt, mal wieder in der Gegend zu sein. "Alles ist wie früher. Das ist echt toll", urteilte er einmal bei einer solchen Gelegenheit. Und während seines bisher letzten Konzerts in Straelen sagte er, dass seine Arbeit hier anders sei, "weil ich die Geschichten, die ich auf der Bühne erzähle, natürlich an meine Heimat anpasse. Da kann ich so richtig schön Dönekes erzählen". Gerne schwelgt er in Erinnerungen, zum Beispiel, wenn er nach Karnevalsveranstaltungen in Straelen fragt, in die er früher nie reingekommen sei. Dafür habe er fürs Skateboardfahren seinen ersten polizeilichen Platzverweis kassiert.

Seine Heimat sei da, "wo meine liebsten Menschen um mich rum sind", sagte der 34-Jährige in einem RP-Interview. Ihm gehe es beim Schreiben um kleine Geschichten, nicht um große Gesellschaftsprobleme. Hilfreich sei, dass "ich die Sachen tatsächlich erlebt habe, über die ich schreibe". Dann habe man die Bilder klarer vor Augen. Eine festgelegte Arbeitsweise oder einen bestimmten Ort dafür hat Oerding nicht. "Wenn mir etwas einfällt, schreibe ich es sofort auf. Mich kann auch das Konzert eines anderen Künstlers inspirieren."

Rund 250 Shows hat Oerding in den vergangenen zwei Jahren auf der "Alles brennt"-Tournee gespielt. Jetzt werde es für die Band auf der Bühne mal Zeit, neue Musik zu spielen. "Ich freue mich schon auf die kommenden Songs." Das letzte Album hat Oerding eine Menge Türen geöffnet und "mich extrem bestärkt in dem, was ich mache und liebe". Der Kapellener berichtet von einem großen und tollen Feedback. "Es fühlt sich gut an, soviel Unterstützung für meine Leidenschaft zu bekommen." In den vergangenen Jahren sei alles gesund und stetig gewachsen, "so dass wir alle überzeugt waren, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der nächste Schritt passiert". Aber es gehe dennoch immer weiter: "Nach dem Album ist vor dem Album, und nach der Tour ist vor der Tour."

Wird es nach dem Erfolg von "Alles brennt" eher schwieriger, oder gibt es jetzt mehr "kreative Narrenfreiheit"? Er habe sich künstlerisch immer schon austoben dürfen, verrät Oerding. "Mein Team bei der Plattenfirma, mein Management, meine Musiker und Freunde vertrauten mir schon immer. Ein gutes Gefühl." Natürlich steige bei ihm selber auch der Druck, genug Output zu haben, neue Musik zu erschaffen. "Und es wird nicht leichter, da ich mich ja nicht wiederholen möchte. Aber auch das gehört eben dazu."

Quelle: RP
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