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Geldern
Ruwel im Aufwind - Haustarif gilt ab sofort

Geldern. Geschäftsführer Gerard van Dierendonck begründet die Kursänderung unter anderem mit der guten Auftragslage. Die Gewerkschaft IG Metall zeigt sich befriedet: "Dann haben wir uns wieder lieb." Von Sina Zehrfeld

Das Gelderner Unternehmen Ruwel wird seinen 2015 geschlossenen Haustarifvertrag ab sofort in vollem Umfang erfüllen. Das kündigt Geschäftsführer Gerard van Dierendonck an. "Es wird alles so umgesetzt, wie im Tarifvertrag festgelegt", sagt er, und fügt bekräftigend hinzu: "Komplett."

Dass dies zunächst mal nicht geschehen war, hat im Frühjahr zu ernster Verstimmung in der Belegschaft des Leiterplatten-Herstellers geführt. So zahlte Ruwel vereinbarte Lohnerhöhungen in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres lediglich im Nachhinein aus. Die Geschäftsführung wollte die Zahlung zudem grundsätzlich nur dann leisten, wenn die wirtschaftliche Lage es hergeben würde - so war das natürlich nicht abgesprochen. Der Ärger zwischen Mitarbeiterschaft und Gewerkschaft auf der einen Seite und der Unternehmensspitze auf der anderen Seite gipfelte in einer Betriebsversammlung im April.

Seitdem habe sich viel getan, sagt Firmenchef van Dierendonck. "Eigentlich hat sich alles viel besser entwickelt, als man jemals hätte erwarten können", stellt er fest. "Die Auftragslage ist gut", mehrere bedeutende Anfragen habe man akquirieren können, und die Produktion habe man immer besser unter Kontrolle. Der Kurs, den die Geschäftsführung im Frühjahr eingeschlagen habe, sei damals durchaus richtig gewesen, meint Gerard van Dierendonck. Nun aber sei man ein halbes Jahr weiter: "Jetzt geht es uns einfach besser."

Die Gewerkschaft IG Metall wurde gestern durch den Betrieb von der Entwicklung unterrichtet. Genau genommen wäre es verfehlt, sich "erfreut" zu zeigen, kommentierte Ralf Claessen von der IG Metall die Angelegenheit. "Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein", sagte er: "Verträge werden dazu gemacht, dass man sie einhält." Die Idee der Ruwel-Leitung, das nicht zu tun, habe er schon im Frühjahr überhaupt nicht nachvollziehen können.

Aber die Hauptsache sei, dass nun wieder Ruhe ins Unternehmen einkehren könne. "Wenn wir die Kuh so vom Eis kriegen, ist alles gut", befindet Ralf Claessen: "Dann haben wir uns wieder lieb."

Mit der Entscheidung vermeidet das Unternehmen auch gerichtliche Auseinandersetzungen. Die IG Metall hat nämlich nach eigenen Angaben mehr als 80 Klagen von Mitarbeitern auf den Weg gebracht, die derzeit beim Arbeitsgericht anhängig sind. Sollte sich das Problem erledigen, werden sie fallengelassen.

Den Ruwel-Verantwortlichen war ihre rechtlich wacklige Position zu jeder Zeit klar. "Ich weiß, dass ich einen Vertrag habe", verdeutlichte Geschäftsführer van Dierendonck selbst noch im April. "Wenn wir vor Gericht gehen, verliere ich." Dazu wird es nun voraussichtlich nicht kommen.

Das Unternehmen Ruwel am Holländer See beschäftigt derzeit 241 festangestellte Mitarbeiter, hinzu kommen zurzeit 100 Kräfte von Zeitarbeitsfirmen. Bürgermeister Sven Kaiser zeigte sich angesichts dessen froh über die Erfolgsmeldung. "Selbstverständlich freut mich diese Entwicklung eines für Geldern wichtigen Arbeitgebers sehr, nicht zuletzt, weil eine positive Geschäftsentwicklung auch gut für die Sicherung der Arbeitsplätze ist", teilte er mit.

Als Hersteller von Leiterplatten steht die Firma von Geldern aus in globaler Konkurrenz. Der Mutterkonzern ist die Unimicron-Gruppe aus Taiwan.

Quelle: RP
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