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Geldern
Schlüsseldienst-Betrug: Es soll um Millionen gehen

Geldern. Beim Schlag gegen mutmaßlich betrügerische Schlüsseldienste in Geldern haben Polizei und Staatsanwaltschaft am vergangenen Donnerstag neben Beweismaterial eine Reihe von Luxuskarossen beschlagnahmt (die RP berichtete). Insgesamt wurden 15 Autos sichergestellt, darunter sechs Porsche und eine Corvette.

Es handele sich um eine Maßnahme zur Vermögenssicherung, erklärt Günter Neifer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve. Die beschlagnahmten Wagen könnten verkauft werden. Aus dem Erlös könne dann "ein Pool eingerichtet werden, aus dem Ansprüche möglicher Geschädigter befriedigt werden können". Hintergrund ist ein juristischer Grundsatz: "Ein Täter soll den durch eine Straftat erzielten Gewinn nicht behalten dürfen", so Neifer.

Es gibt allerdings keine automatische Wiedergutmachung für betrogene Schlüsseldienst-Kunden. Die Opfer müssen dafür selbst tätig werden und ihre Ansprüche zivilrechtlich geltend machen.

Gegen die beiden Hauptbeschuldigten im Verfahren, einen 56-Jährigen aus Geldern und einen 37-Jährigen aus Weeze, wird ferner nicht nur wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges ermittelt, sondern auch wegen Steuerhinterziehung. Nach Informationen der Rheinischen Post sollen sie den Fiskus um Millionenbeträge gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte allerdings lediglich den Tatvorwurf. Einzelheiten wurden mit Blick auf die laufenden Ermittlungen und auf das Steuergeheimnis nicht genannt.

Der Vorwurf des banden- und gewerbsmäßigen Betruges betrifft nicht nur die beiden mutmaßlichen Drahtzieher: Wie berichtet wird gegen 75 mögliche Mittäter ermittelt. Darunter sind nicht nur Monteure, die im Einsatz bei Kunden verbrecherisch gehandelt haben sollen, sondern auch Kräfte hinter den Kulissen, die beispielsweise Telefondienste übernahmen. Immer geht es um die Frage, ob die Betreffenden Mitglieder der "Bande" waren und auf ihre Weise bei unsauberen Geschäften mitgemacht haben.

Der Zugriff der Behörden erfolgte am vergangenen Donnerstag. Seitdem sitzen der 56-jährige Gelderner und der 37-jähriger Weezer in Unterusuchungshaft. Sie sollen Menschen in ganz Deutschland mit ihren Schlüsseldiensten betrogen haben, indem Monteure bei "Notöffnungen" von Türen überhöhte Rechnungen schrieben, unnötige Arbeiten durchführten und Schlösser zerstörten, um sie überteuert wieder instand zu setzen. Auch sollen Kunden über weite Anfahrtswege getäuscht worden sein.

(szf)
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