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Geldern
Schlüsseldienst-Prozess: Monteur täuschte Anruf bei Polizei vor

Geldern. Im Klever Landgericht ist gestern der Prozess gegen zwei Schlüsseldienst-Unternehmer aus Geldern und Weeze fortgesetzt worden. 17 Zeugen standen auf der Tagesordnung, darunter wieder zahlreiche ehemalige Monteure und Kunden der Deutschen Schlüsseldienst-Zentrale (DSZ). Von Jens Helmus

So berichtete eine Bürokauffrau, die 2015 aufgrund eines Türdefektes ihre Wohnung nicht mehr verlassen konnte, dass ihre Rechnung etwa viermal so hoch ausgefallen sei, wie der Monteur ihr ursprünglich gesagt habe. "Am Telefon ist mir gesagt worden, dass der Einsatz etwa 300 Euro kosten würde, und auch der Monteur nannte mir diesen Preis. Die Rechnung betrug dann am Ende aber um die 1200 Euro", so die Zeugin. Als sie sich weigerte, die hohe Rechnung zu bezahlen, habe der Monteur vorgetäuscht, die Polizei anzurufen. "Der angebliche Polizist am Telefon sagte mir dann, ich solle zunächst bezahlen und auf der Rechnung den Vermerk ,Unter Vorbehalt' ergänzen", erinnerte sich die Bürokauffrau. Als sie am nächsten Tag zur Wache ging, um wegen der hohen Rechnung Anzeige zu erstatten, sagte die Polizei jedoch, dass kein solcher Anruf auf der Wache eingegangen sei.

Mehr Glück hatte mit seinem Protest angesichts einer hohen Rechnung ein 30-jähriger Mann aus Essen, der für seinen ausgesperrten Vater den Schlüsseldienst nach Gelsenkirchen rief. 554 Euro sollte er für die Türöffnung bezahlen - als er sich weigerte und die Polizei rief, senkte der Monteur den Preis auf 224 Euro. Ein weiterer Schlüsseldienst, der im Anschluss anrückte, weil der Vater des Zeugen in Aufregung über die hohe Rechnung die Tür gleich wieder zufallen ließ, habe hingegen nur 90 Euro für die Türöffnung verlangt, so der 30-Jährige.

Ein ehemaliger DSZ-Monteur, der gestern als Zeuge aussagte, vermittelte derweil einen Eindruck von seinen Umsätzen: 900 000 Euro Einnahmen erwirtschaftete er in vier Jahren, 60 Prozent gingen an die DSZ. In einem Prozess gegen den Zeugen hatte dieser 2014 eingestanden, dass seine Rechnungsposten teilweise ungerechtfertigt oder überzogen gewesen seien.

Der Prozess wird am Dienstag, 10. April, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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