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Wachtendonk
Schüler erforschen das Leben auf Geld

Wachtendonk: Schüler erforschen das Leben auf Geld
Auf einem Plakat haben die Schüler die Forschungsergebnisse festgehalten. Im Beisein der Bürgermeister fand die Übergabe an Daniel Maas (l.) statt. FOTO: bimo
Wachtendonk. Dank Elterninitiative gab es ein naturwissenschaftliches Pilotprojekt an der Sekundarschule Straelen-Wachtendonk. Von Bianca Mokwa, Nele Aßmann und Dana Fiedler

Geld zum Leben oder Leben auf dem Geld, was stimmt denn nun? Die Schüler der Sekundarschule Straelen-Wachtendonk wollten es ganz genau wissen und machten sich bei einem Pilotprojekt auf die Suche.

Der 13-jährige Cadric Daamen erklärt die Entwicklung des Geldes, vom Ochsentausch zu Münzen und Scheinen als Tauschmittel. Mitschüler Benedikt Richter nimmt die Zuhörer in der Wachtendonker Sparkassenfiliale, in der auch geforscht wurde, mit auf eine Zeitreise durch die Deutsche Währungsgeschichte. Der Euro wurde wann bar ausgezahlt? 2002 lautet die richtige Antwort. Rene Gorres geht viel weiter zurück in die Geschichte, in die Jahre 69 bis 79 nach Christus. Da lebte ein römischer Kaiser, "der wollte viel Geld verdienen", beginnt der Schüler dessen Geschichte. "Wer auf Toilette ging, musste bezahlen", nennt er die Idee des Kaisers. "Das ist auf Autobahnen immer noch so", wirft einer der Zuhörer ein. Kaiser Vespasian prägte allerdings das Stichwort "Geld stinkt nicht", als er seinen Sohn davon zu überzeugen suchte, dass die Münzen keinesfalls den Geruch der Stätte annahmen, für dessen Gebrauch sie bezahlt wurden. "Wir wollten sehen, ob Geld wirklich nicht stinkt", sagt Tom Pooth. "Geldscheine sind Textilien", erklärt Jan-Alexander Brandes. Und an denen bleibt jede Menge haften. Was, das sahen sich die Schüler im Deutschen Textilforschungszentrum genauer an und wurden fündig. "Salbenrückstände der Nutzer und Ausdünstungen der Farben", nennt Tom Pooth Spuren, die sie auf den Geldscheinen gefunden haben. Ihre Ergebnisse haben sie auf einem Plakat zusammengefasst, das sie Daniel Maas, dem Geschäftsstellenleiter der Sparkassenfiliale in Wachtendonk, übergaben. Teil des Teams war auch Pia Budinger, sie hat mitgeforscht, war aber bei der Verleihung nicht da.

Vorsichtig wird eine Probe von der Materialoberfläche der Geldscheine genommen. Mikroorganismen können auf dem Geld leben. FOTO: Dr. Buschmann

Begleitet hat die Schüler bei ihrem Projekt Jörg Brandes. Auf die Frage nach seinem Beruf sagt er spontan: "Vater." Er ist der Vater einer der Schüler, aber auch Diplom-Chemieingenieur. Dass er acht Wochen lang die Achtklässler begleitet hat, ist für ihn Ehrensache. "Wir haben in letzter Zeit viel über Unterrichtsausfall an der Schule gehört. Man sucht nach einem Schuldigen. Dass es zu wenig Lehrer gibt, ist aber ein gesellschaftliches Problem. Lehrer wachsen nicht auf Bäumen", sagt Brandes und holt die Eltern mit ins Boot. "Einige von uns sind selbstständig, haben ein bisschen Zeit. Wir haben Expertenwissen und die Möglichkeit praxisnahes Wissen zu vermitteln", zählt er auf.

Und das kommt bei den Schülern an. "Es hat sich wirklich gelohnt", sagt Cadric Daamen. "Durch die geringere Schülerzahl war das Arbeiten in der AG intensiver und spannender, da es über den Klassenraum hinausging", lobt Benedikt Richter. "Ich bin jederzeit wieder bereit dazu, für so ein Projekt meine Freizeit zu opfern", sagt Tom Pooth. Die AG rund ums Geld fand jeden Donnerstag, nach der offiziellen Schulzeit statt. Vater Jörg Brandes ist begeistert von der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Textilforschungszentrum in Krefeld und der örtlichen Sparkasse. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass so ein renommiertes Forschungsinstitut und die Sparkasse sich so einsetzen. Eine tolle Leistung." Die Begeisterung gilt übrigens auch den Schülern. "Wenn das unsere Zukunft ist, können wir getrost in die Zukunft schauen", sagt er. Und die Erfolgsgeschichte geht noch weiter, aus dem Projekt sind zwei Praktikumsstellen am Deutschen Textilforschungszentrum hervorgegangen.

Quelle: RP
 
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