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Geldern
Schulgründung: Viele enttäuschte Bürger

Geldern: Schulgründung: Viele enttäuschte Bürger
Die Sitzung des Schulausschusses im Bürgerforum. Vorne an den Tischen die Politiker und Vertreter der Stadt, in den Zuschauerreihen die Bürger. FOTO: Prümen
Geldern. Der Saal war voller Menschen - und voller Unzufriedenheit. Kinder, Eltern, Lehrer waren bei der Sitzung des Schulausschusses. Aus ihren Fragen sprach vielfach ein Vorwurf: Politik und Stadt hätten für die Sekundarschule nicht genug getan. Von Sina Zehrfeld

Erst tagte der Schulausschuss des Stadtrates, dann begann die eigentliche Debatte: die Fragestunde für die Bürger. Und dabei kam eine Frage immer wieder aufs Tapet: Ob man der Sekundarschule jetzt nicht noch ein Jahr Zeit geben könne, sich zu entwickeln und erfolgreich zu werden, damit sie nicht aufgegeben werden muss.

Die Bezirksregierung lehnt wie berichtet ab, dass die Sekundar- in eine Gesamtschule "umgewandelt" wird. Das heißt: Sie muss "auslaufen", wenn eine Gesamtschule gegründet wird. Das wollen Schüler und Eltern nicht hinnehmen. "Wir haben doch jetzt ein Jahr Luft, um den Ruf der Sekundarschule zu stärken", wandte eine Zuhörerin ein, und ein anderer hakte nach: "Warum wird jetzt nicht versucht, die Sekundarschule zu pushen?"

Aber das habe man getan, hielt Doris Keuck (SPD) dagegen, die als Vorsitzende des Schulausschusses die Antworten zu liefern hatte. "Wir haben wirklich alles versucht, die Sekundarschule zu pushen", sagte sie. "Es ist uns nicht geglückt."

Immer wieder stellte sie sich gegen die Idee, die Gründung der Gesamtschule vorläufig auszusetzen. "Einen Entwicklungsprozess zu stoppen an einer Stelle, an der er deutlich Früchte trägt, heißt, ihn kaputt zu machen", sagte sie. Und: Hunderte Bürger hätten in der Elternbefragung die Gesamtschule gewünscht und erwarteten, dass sie kommt. Was solle man denen sagen?

Schüler und Lehrer der verschiedenen Schulformen meldeten sich zu Wort, und auch aus ihren Fragen sprachen Zukunftsängste und das Gefühl, übergangen zu werden. Mario Schelbergen, Pflegschaftsvorsitzender der Sekundarschule, fragte angesichts der großen Widerstände: "Halten Sie das selber denn für eine langfristig tragfähige Lösung, jetzt noch eine Schule zu gründen?" Ja, erwiderte Doris Keuck: Das halte der Schulausschuss für sinnvoll.

Zweites großes Ansinnen der Bürger: Könnte es nicht doch noch eine Chance geben für die Umwandlung der Sekundarschule? Könnten die Verantwortlichen der Bezirksregierung "es nicht irgendwie schaffen, ihre Entscheidung noch mal zu überdenken", fasste es eine Mutter in Worte.

Wiederholt verneinten das Bürgermeister Sven Kaiser und Schuldezernent Helmut Holla. Sie würden mit der Bezirksregierung sprechen, alle Kritik übermitteln, sagten sie zu. Aber Hoffnung wollten sie keine aufkommen lassen: "Die Entscheidung - wenn die einmal steht, dann steht die aus deren Sicht", sagte Holla. "Ich glaube nicht, dass wir da irgendwo noch einen Zentimeter Spielraum haben werden." Sein Fazit: "Es ist leider so, wie es ist."

Größtes Hindernis für die Umwandlung: Man hält die heutigen Jahrgänge fünf und sechs für zu klein, um später eine Oberstufe zu bilden. Aber da gehe es doch nur um zwei kritische Jahre, hielten Eltern vor Augen: Ob die Stadt sich nicht um eine Ausnahmegenehmigung bemühen wolle? Man habe das thematisiert, antwortete Helmut Holla. Die Bezirksregierung betrachte das als nicht möglich. Bei Privatschulen sei das zwar erlaubt worden, aber die hätten einen anderen Status.

Die Bezirksregierung habe auch klar festgelegt, dass die Fleuth-Realschule im Gründungsjahr der Gesamtschule nur zwei Eingangsklassen haben dürfe, die Gymnasien sechs, so Bürgermeister Kaiser.

Geldern sei nicht frei, sich aus eigenem Willen dagegen zu stellen, betonte Doris Keuck. "Wir haben im Grunde nur die Wahl, im Gründungsjahr den Vorgaben der Bezirksregierung zu folgen, oder die Gesamtschule sein zu lassen."

Es war deutlich: Für die vielen Bürger waren die Antworten dieses Abends nicht befriedigend.

Quelle: RP
 
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