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Rp-Serie Netzwerk Gesundheit (2)
Schutz vor Multiresistenten Erregern (MRE)

Rp-Serie Netzwerk Gesundheit (2): Schutz vor Multiresistenten Erregern (MRE)
Hygienefachkraft Michael Kouker zeigt Kollegin Sina Kaysers die korrekte Desinfektion der Hände. FOTO: Seybert
Geldern. Auf Initiative des Gelderner St.-Clemens-Hospitals hat sich das Hygiene-Netzwerk Niederrhein gegründet. Besucher und Beschäftigte werden dauerhaft für das Thema sensibilisiert. Von Monika Kriegel

GELDERN Der so genannte "Krankenhauskeim" ist ein Mythos. "Multiresistente Erreger (MRE) ausschließlich mit dem Krankenhaus in Verbindung zu bringen, ist nicht ganz gerechtfertigt", erklärt Michael Kouker, Hygienefachkraft im St.-Clemens-Hospital. "MRE entwickeln sich in allen Bereichen, in denen Antibiotika verabreicht werden, so auch in der ambulanten medizinischen Versorgung oder Veterinärmedizin. Dadurch sind viele Menschen generell Träger von MRE. Die Keime werden aber erst bei der stationären Aufnahme entdeckt. Und zwar, weil wir Patienten aus definierten Risikogruppen standardmäßig darauf testen."

Wer gescreent wird, gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) vor. Derzeit fallen beispielsweise Patienten aus Senioreneinrichtungen und Personen, die unlängst in einem Krankenhaus verweilten, unter diese Vorgabe. "Risikopatienten werden isoliert, bis ein Befund vorliegt", beschreibt Hygienefachkraft Heiko Ender die Abläufe. "Das Ergebnis aus unserem eigenen Labor liegt meist innerhalb von 24 Stunden vor. Fällt es positiv aus, werden unverzüglich gezielte Maßnahmen ergriffen. Zusätzliche Hygiene-Maßnahmen wie Schutzkleidung oder erweiterte Desinfektionsmaßnahmen werden erst nach drei negativen Proben aufgehoben."

Ender weist darauf hin, dass es prinzipiell keine absolute Keimfreiheit geben kann. Schon deshalb, weil der Mensch so genannte endogene, physiologische Keime in und an sich trägt, die unter bestimmten Voraussetzungen auch Infektionen verursachen können. Er denke da zum Beispiel an die gesunde Darmflora, die unsere Verdauung reguliert. Was jedoch durch gezielte Hygienemaßnahmen zu vermeiden gilt, ist die Übertragung exogener, krankmachender Keime. Jene Erreger, die aus der Umgebung stammen und überwiegend über die Hände verbreitet werden. Deshalb lautet die Devise: Vorbeugen, besonders durch die hygienische Händedesinfektion, die erwiesenermaßen eine der wirksamsten Methoden zur Vermeidung einer Übertragung von Krankheitserregern ist. Und da sind alle Beteiligten angesprochen. Mit der jüngsten, landesweiten Kampagne "Keine Keime" wollen Hygiene-Experten Besucher, Patienten und Beschäftigte in den Krankenhäusern dauerhaft sensibilisieren. "Bei uns findet man in den Eingangsbereichen und vor den Patientenzimmern Spender mit einer Anleitung zur Händedesinfektion", rät Kouker zum Gebrauch. Die Mitarbeiter im St.-Clemens-Hospital werden sowieso regelmäßig auf die Aspekte der Themen Hygiene und Infektionsschutz geschult.

Die Abläufe müssen in "Fleisch und Blut" übergehen, so Kouker und Ender. Denn Hygiene schütze nicht nur die Patienten, sondern auch die eigene Gesundheit. Dazu setzen die Hygienefachkräfte unterschiedliche Mittel ein. "Zur Selbstprüfung der Händedesinfektion ist die Betrachtung der desinfizierten Hände unter Schwarzlicht optimal", erklärt Kouker. Ein fluoreszierendes Desinfektionsmittel weise hierbei selbst kleinste Unregelmäßigkeiten in der Durchführung nach.

Anregungen erfahren die Hygienefachkräfte unter anderem durch das Hygiene-Netzwerk Niederrhein, zu dem sich Experten aus den Krankenhäusern der Region auf Initiative des St.-Clemens-Hospitals zusammengeschlossen haben. "Optimierung, Wissen austauschen, konstruktiver Dialog, neue Strategien entwickeln", lauten die Eckpunkte. Schließlich sind MRE ein Thema, das alle gleichermaßen betrifft.

Quelle: RP
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