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Issum
Second-Hand-Shop steht vor dem Aus

Issum. Der Abriss des Gebäudes ist beschlossene Sache. Der Issumer Laden hat sich allerdings zur wichtigen Kommunikationszentrale entwickelt. Deshalb sind viele von den Plänen zur Dorfgestaltung nicht begeistert. Von Bianca Mokwa

Die Uhr tickt, der Abriss wird bald dem Issumer Second-Hand-Laden Ki-IsS (Kindergarten Issum Sevelen) an der Gelderner Straße ein Ende bereiten. Er muss nach Ratsbeschluss weichen, um einen Durchbruch zum dahinterliegenden Brunnenplatz zu schaffen. Nicht alle sind von der geplanten Dorfkerngestaltung begeistert.

"Was soll sich viel ändern?", fragt sich Marlies Bornemann. "Das ist doch kein richtiger Dorfplatz." Stattdessen wäre der Second-Hand-Shop dann weg. Dort hat sie schon Spielsachen für die Enkelkinder gefunden, regelmäßig bringt sie ausgediente Sachen dort hin. "Der Laden wird supergut angenommen, auch von Auswärtigen", sagt die Issumerin. Ihrer Meinung nach hätte die Politik erst die Bürger fragen müssen, bevor der Abriss beschlossen wurde. Jürgen Schwartz ist ebenfalls für eine Einbindung der Bürger, anstatt dass "Gutachter von außen etwas aufdiktieren". "Natürlich wäre es schön, ein Platz mit offenen Cafés", sagt der Issumer. "Aber das Konzept ist altbacken, das hat man vor 20 Jahren vorgeschlagen." Bei einem Vakuum in der Gemeindekasse und einem aus der Hüfte geschossenen Konzept solle sich die Gemeinde überlegen, ob sie wirklich eine derartige Ortskerngestaltung angehen wolle. Er halte das für unverantwortlich. Das andere ist der Second-Hand-Shop, der deswegen verschwinden soll. "Was der Laden leistet, ist toll. Dass es in solchen Zeiten nicht so richtig anerkannt wird, tut mir weh", sagt Schwartz.

Der Second-Hand-Shop ist längst viel mehrn als eine Verkaufsstelle für gebrauchte Kleidung. "Kommunikationszentrum und Einkaufsstelle für Flüchtlinge", nennt es Ki-IsS-Organisatorin Regina Kampmann. Aus dem Erlös werden die örtlichen Kindergärten unterstützt, aber auch Deutsch-Kurse für Flüchtlinge finanziert. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Hilfe vermittelt wird, zum Beispiel Paten für Flüchtlinge. Mehr als 30 Frauen engagieren sich dort ehrenamtlich, Flüchtlinge werden in die Arbeit eingebunden. Das Konzept war Vorlage für den heute eröffnenden Second-Hand-Shop in Straelen. "Mich hat das Konzept und das Engagement von Regina Kampmann total fasziniert", sagt Doris Bonnes-Valkyser, die die Idee nach Straelen trug. "Issum ist recht ruhig, ab er da war Leben an der Stelle", schildert sie ihren Eindruck.

Dass der Gelderner Straße das Leben endgültig ausgehaucht werden könnte, befürchtet Peter Stachel, wenn die Ratsentscheidung umgesetzt wird. "Der Second-Hand-Shop ist die Perle Issums, auch für Migranten", sagt er. Seiner Meinung nach sollte die Straße ein geschlossenes Straßenbild behalten. Er spricht von "einem Verbrechen an der Architektur Issums", sollte die Straßenzeile unterbrochen werden, nur um einen weiteren Durchgang zum Brunnenplatz zu schaffen.

Denn zwei Durchgänge gibt es schon. Von der Rosenstraße und der Neustraße aus gelangt man auf den kleinen Platz, der neue Dorfmitte werden soll. Der Issumer Hans Cuypers sieht in weiteren Durchbrüchen zum Platz keinen Vorteil. "Der ist kaum von Leuten besucht, selbst bei bestem Wetter nicht. Um zu kommunizieren, finde ich da keine Leute." Der 88-Jährige kann sich nicht vorstellen, dass er demnächst dort für einen Plausch auf mehr Leute treffen wird, wenn der Durchbruch erst gemacht ist. "Ich sehe da keinen Sinn drin, auch wenn ich an die Kosten denke, die auf die Gemeinde zukommen. Was die Gemeinde vorhat, findet nicht meine Zustimmung."

Der Architekt im Ruhestand, Peter Stachel bedauert, dass auf die Meinung der Öffentlichkeit bei Abstimmungen im Rat bisher wenig Wert gelegt worden sei. Marlies Bornemann hofft, dass wenn sich genügend Bürger gegen den Abriss auflehnen, sie doch noch angehört werden.

Für den Second-Hand-Shop geht es ums Überleben. Einen alternativen Raum, der groß genug, mit Lager und barrierefrei ist, gebe es in Issum nicht, sagt Kampmann. Sie erhofft sich von der Politik zumindest einen Aufschub und möchte die Kommunikationszentrale der Issumer und Flüchtlinge erhalten, solange das Thema so aktuell ist. Auf die täglich an sie und die Mitarbeiter gestellte Frage: "Wie lange seid ihr noch hier?" kann sie leider keine Antwort geben.

Quelle: RP
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