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Geldern
Senioren-Wohnen im Dullstein-Park

Geldern: Senioren-Wohnen im Dullstein-Park
Viele Jahre wurden in der Villa Dullstein Kinder auf die Welt geholt. Künftig sollen auf diesem Grundstück alte Menschen wohnen und betreut werden. FOTO: Seybert
Geldern. Auf dem Park-Areal der Villa Dullstein am Harttor soll ein Wohn-Komplex für pflegebedürftige Senioren entstehen. Das Konzept: Betreute Wohngemeinschaften. Politiker empfinden den geplanten Neubau allerdings als zu wuchtig. Von Sina Zehrfeld

Der Straelener Investor Georg Müller plant den Bau einer außergewöhnlichen Senioren-Wohnanlage auf dem Park-Gelände hinter Villa Dullstein am Harttor. Angedacht ist ein dreistöckiger Neubau in L-Form. Die vorläufigen Planungen für den Bau und die Konzeption für den Betrieb der Einrichtung wurden jetzt der Politik präsentiert.

Das Konzept beschreibt ambulant betreute Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen. Berthold Dittmann, Geschäftsführer der "Pflege mit Plan"-Beratungsgesellschaft aus Stadtlohn, stellte es in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses vor.

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss des Neubaus könnten demnach jeweils eine solche Wohngemeinschaft für jeweils zwölf Pflegebedürftige entstehen. Man habe es dabei nicht mit einem Pflegeheim zu tun, betonte Dittmann, und verglich die Art des Zusammenleben in der Einrichtung mit einer "Studenten-WG".

Die Bewohner kämen in eigenen Zimmern von etwa 20 Quadratmetern Größe unter, immer mit Balkon oder Terrasse. Dazu gäbe es auf jeder Etage, also für jede "Wohngruppe", Gemeinschafts-Aufenthaltsbereiche.

Für die eigentliche Pflege würde ein ambulanter Dienst angeheuert. Zusätzlich würde es im Haus Personal für notwendige Betreuung und hauswirtschaftliche Versorgung geben, aber darüber hinaus kein "Unterhaltungsprogramm", keine Animation. Die Bewohner sollen für die Unterkunft feste, vom eigenen Pflegebedarf unabhängigen Eigenanteile zahlen.

Kooperationen für das Leben im Haus, etwa mit Vereinen, die Angebote machen könnten, oder Dienstleistern wie Friseuren, wären denkbar. Außerdem ist angedacht, im Erdgeschoss des Hauses eine Tagespflege einzurichten. Und die oberste Etage würde den Planungen nach zu 13 kleineren Wohnungen für betreutes Wohnen ausgebaut.

Aus den Reihen der Politik wurden schon in der Sitzung des Bauausschusses Bedenken laut, vor allem zu dem Neubau selbst, aber auch zum Konzept. Das geplante Bauwerk wurde - so der Tenor - als sehr massiv empfunden. Es fielen die Begriffe "bullig", "zu gewaltig", "wuchtig" und "einfach zu klobig". Die nördlich angrenzenden Nachbarn würden gegebenenfalls buchstäblich "beschattet".

Für die Idee einer Wohngemeinschaft für Pflegebedürftige gab es vereinzelt Lob, aber mehr Kritik. Zwölf Leute auf einer Etage, das sei keine Wohngemeinschaft, "das ist ein Wohnheim", merkte Katja Gräfin von und zu Hoensbroech (SPD) an. Berthold Dittmann stellte diesen Vorbehalten seine Erfahrungen aus anderen, nach dem gleichen Konzept geführten Häusern entgegen. "Wir bemerken bei uns, dass eine sehr große Dynamik und Gemeinschaft entsteht", sagte er. Die eigenen Zimmer nutzten die Bewohner eigentlich nur als Ruhe- und Rückzugszonen: "Wir merken im Alltag: Die Gemeinschaft sitzt eigentlich immer zusammen."

Was aus der Villa Dullstein wird, ist noch unklar. Es gebe Ideen für eine gastronomische "oder gastronomie-ähnliche Nutzung", so Dittmann. Damit sei man aber noch nicht sehr weit.

Investor Müller selbst wollte sich gegenüber der RP auf Anfrage nicht zu dem Projekt äußern: Die Politik solle sich zuerst damit befassen, sagte er. Müller ist in Geldern bekannt als nicht sehr auskunftsfreudiger Besitzer der Kapuziner-Kirche, deren Zukunft nach wie vor offen ist.

Quelle: RP
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