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Geldern
Siemes-Häuser: 2,7 Millionen für Kirche

Geldern: Siemes-Häuser: 2,7 Millionen für Kirche
Pfarrer Arndt Thielen, Verwaltungsreferentin Kerstin Nolte und Franz Roeling vom Kirchenvorstand (v.l.) im Pfarrgarten. FOTO: szf
Geldern. 330.000 Euro aus dem Erbe der Ponterin Christel Siemes hat die Kirchengemeinde St. Maria Magdalena ausgegeben. Der Erlös aus dem Verkauf der Immobilien geht in eine Stiftung, die Gewinn abwirft. Außerdem fließen Pachteinnahmen. Von Sina Zehrfeld

Beim Siemes-Erbe geht es um Zahlen - ziemlich große Zahlen sogar. Aber auch um ein Zuhause für inzwischen 18 Familien in der Siedlung "In der Schanz". Um Kinder, die in Pont aufwachsen. "Aus der Wüste sind Blumen gewachsen", sagt Karl-Franz Roeling vom Kirchenvorstand, "und sie werden hoffentlich noch 100 Jahre weiter wachsen." Er ist glücklich: "Aus dem Geld wird was Gutes gemacht.

Die Ponterin Christel Siemes hat der Gemeinde St. Maria Magdalena bekanntlich bei ihrem Tod im Jahr 2015 ihr gesamtes Vermögen vermacht: eine ganze Siedlung leerstehender Einfamilienhäuser, weitere verstreute Immobilien, Ackerflächen, ein Bauernhof und Geld.

Die Wohnhäuser sind veräußert. Beim Verkauf des Gehöftes, das zu Wohnzwecken wieder hergerichtet werden soll, stehen letzte Formalitäten aus, aber der Preis steht fest. Somit haben sämtliche Siemes-Immobilien der Kirchengemeinde insgesamt 2,7 Millionen Euro eingebracht. Für diese Summe wurde eine Stiftung gegründet, die "St.-Maria-Magdalena-Stiftung".

Die Gemeinde erhofft sich daraus eine Rendite von etwa zwei Prozent, und der Kirchenvorstand entscheidet einmal im Jahr, was mit diesem Ertrag passiert. Das Stiftungsvermögen selbst darf nicht mehr angetastet werden. "So eine Stiftung ist ja praktisch für die Ewigkeit", so Roeling. "Unsere Idee ist, dass das Ganze für eine lange Zeit sozialen und caritativen Zwecken zufließt." Zum Beispiel zugunsten von denen, die wenig Geld haben: "Wir legen viel Wert auf die Betreuung der ärmeren Familien hier in Geldern."

Die rund 330.000 Euro aus dem Erbe, die die Gemeinde bereits ausgegeben hat, stammen nicht aus den Immobilienverkäufen. Das waren die finanziellen Rücklagen von Christel Siemes - das, was sie sozusagen auf dem Konto hatte. "Das ist jetzt so gut wie weg", sagt Pfarrer Arndt Thielen.

Für 50.000 Euro wurden die Spielplätze des Kinderhauses St. Adelheid gestaltet, 280.000 Euro fließen in die Sanierung der Ponter Kirche.

Die laufende Verwaltung der Stiftung erledigt die Bank nach Vorgaben der Gemeinde. Mindestens ein Viertel des Vermögens soll demnach stets in einem "Mikrofinanz"-Fonds stecken. Darüber werden in Entwicklungsländern Kleinst-Kredite vergeben. "Das passt ja voll in die Struktur dieses Erbes, dass man kleine Leute damit unterstützt", sagt Karl-Franz Roeling.

Der Anteil von Aktien liegt bei ein paar Prozent, ein Großteil wird in Rentenpapiere angelegt. Immer "risikoarm" und nach moralischen Bedingungen, versichert Roeling: "Ist das sozial? Ist das nach ethischen Gesichtspunkten zu vertreten, dass wir da Geld reintun?" Kerstin Nolte, die als Verwaltungsreferentin der Gemeinde im Boot ist, ergänzt: "Ökologisch, sozial und nachhaltig - so ist die gesamte Geldanlage aufgebaut." Das gesamte Erbe blieb und bleibt komplett in der Gemeinde. Nichts davon wurde an Bistum abgegeben: "Kein einzelner Cent", betont Arndt Thielen.

Anders ist das bei den Erlösen aus den Ackerflächen, die nicht verkauft wurden, sondern im Besitz der Gemeinde bleiben. "Die Hälfte der Pachteinnahmen geht nach Münster in den Solidarausgleich", erklärt Thielen. Durch diesen geht Geld an Gemeinden verteilt, die nicht über eigene Einkünfte verfügen. Ein System, von dem die Gemeinde St. Maria Magdalena in der Vergangenheit profitiert hat.

Zwei Jahre hat es gedauert, die Gebäude zu vermarkten, alles zu organisieren. Und es wurde "fast alles ehrenamtlich geschultert", betont Thielen. "Das war schon eine Mammutaufgabe." Die tragenden Säulen dabei waren - mit weiteren Helfern - Karl-Franz Roeling und, neben seinem Job, der ehemalige Rendant Karl-Heinz Gastens.

Quelle: RP
 
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