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Gelderland
So kommen die Altäre an die Straße

Gelderland: So kommen die Altäre an die Straße
Hans-Dieter Lippe, Joachim Fuchs und Arnold Teuwsen (v.l.) zeigen einige der Gegenstände, mit denen der Fronleichnams-Altar in Issum geschmückt wird. FOTO: see
Gelderland. Heute setzen sich vielerorts im Gelderland die Fronleichnamsprozessionen in Bewegung. Im Vorfeld haben Helfer dafür die Außenaltäre aufgebaut und geschmückt. In Wetten übernimmt die Petrusbruderschaft einen Altar. Von Bianca Mokwa und Antje Seemann

Viele Katholiken sind heute schon besonders früh aufgestanden. Denn in vielen Städten und Gemeinden ziehen im Laufe des Tages die Fronleichnamsprozessionen durch die Straßen. Damit die Gläubigen einen Startpunkt und Zwischenziele haben, laufen die Vorbereitungen dafür oft schon seit spätestens gestern.

Zum Beispiel in Issum. Dort gibt es einen Festzug zu Fronleichnam in Issum und einen in Sevelen. Der in Issum startet am Ehrenmal. Wenn die Katholiken hier heute ab 10.30 Uhr mit einer Heiligen Messe beginnen, haben im Vorfeld die Issumer Hans-Dieter Lippe, Arnold Teuwsen und Joachim Fuchs mit einigen Helfern zusammen den Altar wie auch das Drumherum vorbereitet. Darum kümmert sich das Trio seit vielen Jahren, sagt Lippes Ehefrau Petra: "Meistens fangen sie schon am Mittwoch an, holen die Sachen mit einem Hänger beim Pastor ab, bauen den Tisch auf und die Bänke." Je nach Wetter geht es dann an Fronleichnam gegen acht Uhr morgens weiter: "Dann stellen sie den Altar hin, bringen ein Hungertuch zwischen den Bäumen an und schmücken den Altar mit Blumen." Ein langer, roter Läufer führt zum Altar.

Laut Petra Lippe ist die Prozession in Issum nicht so groß, deshalb versuche man auch, den Aufwand und die Kosten möglichst gering zu halten: "Die Blumen sind zum Beispiel aus unseren Gärten. Die bringen wir in Töpfen mit." Eine lange Lebensdauer hat der Altar übrigens nicht: Wenn die Messe vorbei ist und die Katholiken weiter zum Nikolaus-Häuschen ziehen und sich schließlich ihren Schlusssegen in der St.-Nikolaus-Kirche abholen, bauen die Helfer ihn wieder ab. Erwartet werden bis zu 150 Teilnehmer.

In Sevelen kümmert sich hauptsächlich das Antonius-Haus um den Altar. "Weil der Gottesdienst hier in der Parkanlage stattfindet", sagt Rainer Jacobs aus der Verwaltung. Die Heimleitung bereitet das "Grundgerüst" aus Bänken, Stühlen und Lautsprechern zusammen mit dem Hausmeister vor. Das Schmücken mit Blumen, Kelchen und Kerzen übernimmt dann der Küster beziehungsweise in diesem Jahr die Küsterin. Die Sevelener beginnen dann hier um 9 Uhr, ziehen weiter zur Isidor-Kapelle und zum Florian-Bildstock. Den Schlusssegen gibt es in der St.-Antonius-Kirche.

Auch in Wetten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Auf dem Schränkchen im Flur von Adele Heyer liegen die weiße Decke für den Altar, eine Spitzendecke und die Fahnen. 51 Jahre lang hat sich die 76-Jährige gemeinsam mit den Nachbarn darum gekümmert, dass zu Fronleichnam der Altar auf dem Friedensplatz steht und genügend Blumenschmuck vorhanden ist. "Das erste Jahr war nicht so doll. Da hatte jeder noch Hausaltäre", erinnert sich Adele Heyer. In diesem Jahr ist es noch einmal ganz anders. Die Wettener Petrusbruderschaft übernimmt das Arbeit, aus Altersgründen. "Ich merke, die Kräfte lassen nach", sagt Adele Heyer. Früher hat sie noch zwei Vasen aus dem Keller nach oben geschleppt, heute nur noch eine nach der anderen. Die Vasen wurden mit Blumen aus dem eigenen Garten, den Nachbargärten und der Umgebung bestückt. In diesem Jahr ist alles zu früh. Die Pfingstrosen blühen noch nicht, und auch der "stolze Heinrich" hat bisher nur Knospen.

Bereits Tage vor dem großen Ereignis fuhr Adele Heyer mit ihrem Mann umher, immer auf der Suche nach den schönsten Blumen, mit langen Stängeln, damit sie die hohen Bodenvasen ganz ausfüllten. "Wir brauchten keinen Wecker, da war alles wach", sagt Adele Heyer über die Nachbarschaft, die am Fronleichnamsmorgen in den Startlöchern stand, um Altar und Blumenschmuck herzurichten. Natürlich sei sie auch immer mit der Prozession mitgezogen. Nur die Messe, die hat sie aus Zeitgründen nie besuchen können. Das ist in diesem Jahr anders.

Die Messe beginnt um 9 Uhr in der Wettener Kirche. Danach zieht die Prozession zu vier Altären. Die Landjugend gestaltet den am Pfarrheim, Familie Schraven den am Hagelkreuzweg, dritte Station ist das Heiligenhäuschen gegenüber dem Hospiz. Letzte Station ist auf dem Friedensplatz. Es klingelt. "Adele, soll ich helfen kommen?", will eine Dame aus der Nachbarschaft wissen. Der Altar auf dem Friedensplatz, der ist den Wettenern wichtig. Aus Tradition.

Quelle: RP
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