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Issum
Souveräne Monumentalität in der Issumer Kirche

Issum. Organist Lars Voorgang konzertierte mit Stücken von Bach und Vivaldi. Viel Anerkennung der Zuhörer. Von Udo Spelleken

Fachkundige Erläuterungen gab es zu Beginn seines Konzertes in der Evangelischen Kirche vom Organisten Lars Voorgang zu seinen beiden Stücken: "Präludium und Fuge a-Moll, BWV 543" von Johann Sebastian Bach und den "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi in einer Transkription für Orgel von Heinrich Grimm aus dem Jahr 2011.

Das zur klassischen Standardliteratur zählende Bach-Meisterwerk beeindruckte durch eine ausgewogene Synthese aus rezitativisch-improvisatorischen und maßvoll ordnenden Momenten. In sich steigernder Expressivität und gelassenem Atem, aus kunstvoll verästelter Kontrapunktik und konzertantem Musizieren war der imposante Klang der Orgel zu bewundern.

Voorgang, der in seinem Heimatdorf Issum zehn Jahre lang in der evangelischen Kirchengemeinde nebenamtlich Orgel gespielt hat, schöpfte bei der Registrierung gleich aus dem Vollen. Die stimmlichen Konturen erstrahlten in leuchtender Klarheit. Als Gesamteindruck entstand ein Bild souverän gestalteter Monumentalität voll vielfältigen und farbigen musikalischen Lebens. Vivaldi bezeichnete die vier Konzerte nicht nur in den Überschriften mit den vier Jahreszeiten, sondern stellte den Werken jeweils Gedichte (Sonette) voran. Diese stammen möglicherweise von ihm selbst und sollten das Verständnis der Musik erleichtern. In der Umsetzung der außermusikalischen Inhalte zeigt sich der Komponist als Kenner der barocken Lehre von der musikalischen Rhetorik. Ein Handwerk, dessen Beherrschung von jedem Komponisten dieser Zeit erwartet wurde.

Eine Transkription der Vier Jahreszeiten bot sich förmlich an, zumal sich die Orgel mit ihrem riesigen Tonumfang (größer als ein Sinfonieorchester) und ihren Millionen Möglichkeiten von Klangfarben geradezu ideal dafür eignet.

Bei der Bearbeitung durch Heinrich Grimm wurde der Transparenz des originalen Orchestersatzes durch einen weitgehenden Verzicht auf Füllstimmen Rechnung getragen. So wurde der in der Partitur bezifferte Generalbass in der Regel bewusst nur bei Solopartien sparsam eingesetzt und wirkte somit relativ leer und ungewohnt. Die von Vivaldi in seinen Gedichten geschilderten Naturszenen, sowie die von ihm in das Werk hinein komponierten Effekte wurden auf der Orgel deutlicher als mit einem Streichorchester. So erlebten die zahlreichen Zuhörer bewusst den Vogelgesang und die Dudelsackweisen im "Frühling", den Blitz und Donner im "Sommer", die Jagdhörner im "Herbst" und die Regentropfen und das klirrende Eis im "Winter".

Lars Voorgang, der diplomierter Kircvhenmusiker ist, zeigte sich in seiner Interpretation stets virtuos, führte die Mechanik der Orgel zuweilen an ihre Grenzen und ließ die "Vier Jahreszeiten" in ganz neuem Licht erscheinen, was ihm viel Anerkennung der Zuhörer brachte.

Quelle: RP
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