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Geldern
Sozialhilfeempfänger befürchten Mietpreis-Chaos

Geldern. Der Kreis Kleve hat gemeinsam mit dem Empirica-Institut ein "schlüssiges Konzept" erstellt, das zu der Einsicht kam, dass bei Sozialhilfe- und Hartz-4-Empfängern eine Reduzierung des Mietgeldes möglich sei. Da drei Viertel der Unterbringungskosten für Sozialhilfeempfänger beim Kreis hängen bleiben, hatte dieser nach einer Möglichkeit gesorgt, um die Kosten zu senken. Von Christoph Kellerbach

Nun treten die ersten Folgen auf. "Bei den 10.000 betroffenen Haushalten ist davon auszugehen, dass rund 40 Prozent mit einer Mietgeldreduktion rechnen müssen", sagte Herbert Looschelders, Geschäftsführer der "Selbsthilfe e.V.", dem Verein für Sozialberatung, der im gesamten Kreis insgesamt an sechs Treffpunkten aktiv ist.

So etwa auch bei der "Bürgerinitiative Barbaraviertel" an der Vernumer Straße. Dort traf er sich am Mittwochnachmittag zusammen mit Kollegen, um über die weitere Vorgehensweise zu diskutieren. "Grundsätzlich halten wir die vom Kreis Kleve ermittelten Werte für falsch", erklärte Vereinsmitglied und ehrenamtlicher Berater Norbert Hayduk. "Da wird ohne vorläufige Ankündigung den Leuten das Mietgeld gekürzt, und es kommt noch zu anderen Problemen."

So führte Looschelders weiter aus, dass "sich im schlimmsten Fall 4000 Haushalte eine neue Wohnung suchen müssen. Zusätzlich wurden manche Orte bei dem Konzept zusammengelegt, etwa Kevelaer und Weeze. Doch in Weeze sind die Mietpreise geringer, so dass es schlicht zu einer Armutswanderung kommen kann."

Rechtsanwältin Ricarda Lambertz engagiert sich ebenfalls im Verein. Sie sagte: "Die Mietgeldkürzungen reichen von drei bis über 100 Euro. Je nach Größe der Bedarfsgemeinschaft, wobei davon deshalb gerade Familien mit Kindern betroffen sind." Gleichzeitig sind neue Wohnungen durch ihre Ausrichtung auf eine Barrierefreiheit teurer geworden, und "durch die Zuwanderung ist es noch angespannter geworden, eine Wohnung zu finden", so Hayduk. "Zusätzlich wurde bei den Berechnungen nicht berücksichtigt, dass manche Wohnungen gar nicht für Hartz-4-Bezieher zu bekommen sind."

Was können die Betroffenen also tun? "Wir müssen den Menschen Mut machen, dagegen vorzugehen, denn es wehren sich nur drei bis fünf Prozent der Betroffenen", wusste Looschelders. "Wenn wir allein schon gut 16 Prozent oder mehr aufrütteln können, dann wäre schon viel geschafft, und es würde klar zeigen, dass hier umgedacht werden muss."

Abschließend meinte Hayduk: "Unser Ziel ist: Beratung, Begleitung, Stärkung und Orientierung. Wir sind jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr hier an der Vernumer Straße 25 und stehen natürlich kostenlos für jede Frage und Hilfestellung zur Verfügung."

Quelle: RP
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