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Kampfsport
Alles hört auf das Meister-Kommando

Kampfsport: Alles hört auf das Meister-Kommando
Japanischer Meister mit Köln-Wappen: Hayasaki, Träger des siebten Dan, brachte den angehenden Kendo-Kämpfern in Kevelaer beispielsweise die Grundlagen in Sachen Schwerthaltung bei. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Früher bildeten Sakai und Hayasaka Polizeischüler in Tokio aus. Jetzt waren die professionellen Kampfsport-Lehrer zu Gast beim Kendo-Verein Kevelaer, der sein Goldjubiläum feiert. Neben Schnelligkeit und Präzision ist Lautstärke gefragt. Von Paul Foreman

Wer am Samstag an der St.-Hubertus-Grundschule in Kevelaer vorbei lief, konnte ungewöhnliche Geräusche wahrnehmen. Aus der Turnhalle der Grundschule drangen Kampflaute und Geschrei. Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens hatte sich der Kendo-Verein Kevelaer etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Kendo bezeichnet die japanische Art des Fechtens, das traditionell mit Rüstung ausgeübt wird. In der Kevelaerer Halle waren jetzt mehr als 30 Kendokämpfer im Einsatz, die teilweise aus Mönchengladbach, Köln und Wuppertal angereist waren. Das Niveau der Teilnehmer reichte vom Anfänger bis zum NRW-Meister Liam Lesch. Im Mittelpunkt standen die japanischen Meister namens Sakai und Hayasaka. Beide waren professionelle Kendolehrer der Polizei in Tokio und besitzen den siebten Dan. Dahinter verbirgt sich der Meistergrad und die höchste Gradierung in Deutschland. Aus Köln war Roland Niewerth angereist, der ebenfalls den siebten Dan besitzt. Niewerth und Sakai sind schon seit langem befreundet, der Japaner war anfangs sogar der persönliche Lehrer des Rheinländers. Beide lernten sich kennen, als Sakai ein Jahr lang als Trainer der "Alljapanischen Kendo-Föderation" in Deutschland tätig war.

Für ihr Engagement in fremden Ländern haben japanische Kendomeister gute Gründe. Die Männer aus dem Mutterland dieser Kampfsportart achten mit Argusaugen darauf, dass die Regeln nicht verwässert werden. Darauf legen auch die Verfechter aus der Marienstadt großen Wert. "Kendo sieht bei uns nicht anders aus als in Japan", versichert der Kevelaerer Vorsitzende Herbert Cürvers. Mit Unterstützung von Roland Niewerth kam der Verein anlässlich seines goldenen Jubiläums in den Genuss eines besonderen Lehrgangs. Dieser begann zunächst ohne Rüstungen und mit "Bokutos", wie die Holzschwerter genannt werden. Später kämpften die Teilnehmer mit Bambusschwertern und legten sich dafür auch die traditionelle Rüstung an.

Viele der Übungen wurden mit Partnern absolviert und von Sakai geleitet. Derweil kümmerte sich Hayasaki um die Anfänger und brachte ihnen die Grundlagen in Sachen Schwerthaltung und Schritt-Technik bei. Die geübten Kampfsportler lernten beispielsweise "Kakari geiko" kennen. Dahinter verbirgt sich die Idee, den Gegner ununterbrochen anzugreifen - Fußballtrainer sprechen in solchen Fällen von "Pressing". Diese Form der Dauer-Attacke soll Herz und Willen stärken. Auf dem Lehrplan stand auch "Ji-Gaiko", ein freier Kampf zwischen zwei Personen. Die Meister stellten sich zur Verfügung und passten sich dem Niveau des jeweiligen Gegners an. Für Kendokämpfer sind nicht nur Disziplin, Schnelligkeit und Präzision von Bedeutung. Unverzichtbar ist auch das Kampfgebrüll. Der Lautstärkepegel in Kevelaer konnte sich hören lassen - was der eine oder andere Teilnehmer mit Heiserkeit bezahlte. Macht nichts - die Gelegenheit, mit echten Meistern zu trainieren, gibt's schließlich nicht alle Tage.

Quelle: RP
 
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