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Handball
ATV rettet einen Punkt ins Ziel

Aldekerk. Handball-Regionalliga Nordrhein: Die Männer des TV Aldekerk bleiben ungeschlagen und übernehmen die Tabellenspitze. Allerdings gaben sie als Gast des Bergischen HC II den ersten Punkt ab. Endergebnis 27:27, Halbzeit 13:16. Von Reinhard Pösel

Aldekerks Trainer Achim Schürmann beschlich im Vorfeld des vierten Spieltags schon das unbestimmte Gefühl, dass seine Mannschaft in Solingen gegen die Zweitvertretung der Bergischen Löwen vor einer schwierigen Hürde stehen werden. Niemand seiner Spieler solle glauben, dass sich die Waage wie zuletzt in Köln-Wahn und anschließend gegen Pulheim trotz Durchgänger am Ende wie selbstverständlich zu Gunsten des ATV senken würde. Das schrieb der ehemalige Nationalspieler seiner Mannschaft trotz der bis dahin erreichten maximalen Punkteausbeute ins Stammbuch. Selbstgefälligkeit mag Schürmann gar nicht, insbesondere dann nicht, wenn seine Spieler mit ihrem Potenzial schlampig umgehen.

Der Samstagabend in der Sporthalle des nordrhein-westfälischen Fecht-Leistungszentrum in Solingen bestätigte Schürmann. Im Gegensatz zu den vorherigen Auftritten schwächelte die Aldekerker Abwehr über weite Strecken der ersten Halbzeit. Die 16 Gegentreffer bis zum Seitenwechsel sind dafür ein Beleg, zumal die Solinger Angreifer in zu vielen Situationen unbedrängt zum Abschluss kommen konnten.

Zudem machte sich der ATV das Leben schwer, indem er zu viele Bälle im Angriff durch ungenaue Pässe oder technische Fehler weggab. Geschenke, die die Solinger mit ihren technisch feinen Handballern gerne annahmen. Die Konsequenz daraus: In der siebten Spielminute lag der ATV mit 3:7 hinten, was Schürmann dazu veranlasste, die erste Auszeit zu nehmen. Mit klaren Ansagen nahm er sich seine Spieler zur Brust. Lautstark sprach er an, was alles nach den getroffenen Absprachen nicht hätte sein dürfen.

Die Brandrede des Aldekerker Trainers zeigte Wirkung. Mit einer 5:0-Serie, basierend auf einer deutlichen Leistungssteigerung in der Abwehr und konzentriert abgeschlossenen Angriffen, drehte der ATV den Rückstand bis zur 16. Minute in eine 8:7-Führung um. Doch die Aldekerker verfielen schnell wieder in ihren alten Trott, so dass der Bergische HC beim Seitenwechsel wieder eine 16:13-Führung herausgeschossen hatte.

Beide Mannschaften begannen den zweiten Durchgang hektisch. Als erstes Team befreiten sich die Gastgeber davon, indem Linksaußen Pascal Hermann den Ball über ATV-Keeper Lindeau ins lange Toreck legte. Ein zweites Mal in diesem Spiel lagen die Solinger mit vier Toren vorne. Und wie schon im ersten Durchgang rissen sich die Aldekerker ein weiteres Mal am Riemen und zogen sich mit eigenem Können aus dem Schlamassel. Mit einer 4:0-Serie glichen die Handballer aus der Vogteihalle das Spiel zum 17:17 (38.) aus. Die Aldekerker überzeugten immer dann, wenn sie in der Abwehr gegen den ballführenden Spieler arbeiteten, sich gegenseitig unterstützten und die Spielzüge im Angriff geduldig zu Ende brachten. "Wenn wir unseren Stiefel herunterspielen, entstehen früher oder später schon die Lücken, um den Angriff erfolgreich abzuschließen", sagte Schürmann, der sich nach Spielschluss mit der Leistung seiner Mannschaft nach der Pause insgesamt einverstanden erklärte.

Bis zum 22:22 (47.) wogte das Spiel hin und her. Doch im Anschluss daran gelang es den Solingern, die Gäste noch einmal auf Distanz zu bringen: 25:22 (50.) und 27:24 (53.) lauteten die Spielstände. Und da aus Sicht des ATV aller guten Dinge am Samstagabend drei waren, rafften sich die Schürmann-Handballer in der Schlussphase ein drittes Mal auf. Ihr großer Rückhalt war Keeper Florian Lindeau, der drei freie Bälle zum Teil geradezu artistisch mit dem Fuß aus dem Torwinkel holte. Im Gegenzug trafen Jonas Mumme per Siebenmeter, Thomas Jentjens und Lukas Hüller. Dreieinhalb Minuten vor dem Abpfiff stand es 27:27. In der spannenden Schlussphase hatte der ATV durch Fabian Schwartz, Jentjens und Hüller noch die Möglichkeit, als Sieger die Platte zu verlassen. Das allerdings wäre nach der Achterbahnfahrt des ATV an diesem Abend zu viel des Guten gewesen.

"Über 60 Minuten betrachtet, haben wir einen Punkt verloren", sagte ATV-Coach Schürmann, der jedoch mit dem ausschließlichen Blick auf die Aufholjagd gegen Ende des Spiels den erreichten Punkt als Gewinn verbucht sehen wollte. Auf jeden Fall war der Punkt so viel wert, dass der ATV dadurch nach der überraschenden Niederlage der Düsseldorfer bei TuS Opladen die Tabellenführung übernahm.

Quelle: RP
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