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Lokalsport
Das Einmaleins der Selbstverteidigung

Geldern. Die Gelderner "Akademie für asiatische Kampfkunst" reagiert mit einem Kursus auf das Horror-Szenario von Köln. Einfache Mittel können helfen, gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen und Angreifer in die Flucht zu schlagen. Von Volker Himmelberg

Mehr als 100 Anzeigen wegen sexueller Belästigung und Diebstahl. Die schlimmen Ereignisse in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten haben viele Menschen aufgeschreckt. "Frauen helfen Frauen" - unter diesem Motto haben die Mitglieder der Thai-Box-Aerobic-Gruppe der "Akademie für asiatische Kampfkunst und Kultur" in Geldern jetzt sofort reagiert. "Sie sind zu mir gekommen und haben mich gefragt, ob wir nicht irgendetwas machen können", berichtet Vorsitzender Achim Wagener.

Gesagt, getan: Unter dem Titel "Frauen-Power - Keine Angst vor Karneval" bietet die Akademie am Wochenende, 30. und 31. Januar, einen Selbstverteidigungs-Kursus für Mädchen und Frauen an. An diesen beiden Tagen sollen die Teilnehmerinnen das Rüstzeug erhalten, um potenzielle Angreifer in die Flucht schlagen zu können. "Selbstverteidigung hat nichts mit Kampfsport zu tun. Vielfach geht's um Mimik, Gestik und das richtige Nähe-Distanz-Verhalten. Es gibt einfache Methoden, die in gefährlichen Situationen hilfreich sind", versichert Wagener, der als Trainer vor Ort ist und wertvolle Tipps gibt.

Im "Crash-Kurs", so Wagener, lernen die Frauen beispielsweise, einfache Alltagsgegenstände zur Verteidigung einzusetzen. Handtasche, Schlüsselbund, Kugelschreiber oder Scheckkarte können wertvolle Abwehrinstrumente sein - man (frau) muss nur wissen, wie's geht. Manchmal hilft auch die verbale Schlagfertigkeit. "Möglichkeiten zur Selbstverteidigung gibt's in jedem Alter. Wir können auch Senioren beibringen, ungebetenen Besuch an der Haustür abzuwimmeln", sagt der Chef der Gelderner Kampfkunst-Akademie.

Margot Olislagers, stellvertretende Vorsitzende des Kampfsportvereins Kwoon Kerken-Geldern, hält die Initiative des Nachbarvereins für sinnvoll. "Ich habe selbst einmal einen Selbstverteidigungs-Kursus besucht, weil mir häufig mulmig war, wenn ich mein Auto aus einer Tiefgarage holen musste. Das hat geholfen", erinnert sich die Kerkenerin, die inzwischen als Schwarzgurt-Trägerin eine erfahrene Kampfsportlerin ist.

Olislagers, die mit ihrem Mann Frank den Verein leitet, der sich auf chinesische Kampfkünste spezialisiert hat, vergleicht die kurze Einführung in Sachen Selbstverteidigung gerne mit einem Pannenkurs für Autofahrer: "Auch da geht's um Situationen, in die man nicht gerne gerät. Und dann doch froh ist, wenn man nachts auf einer einsamen Landstraße bei Regen einen Reifen wechseln kann."

Die Kerkenerin hat jedoch einen wichtigen Ratschlag für Frauen, die sich nach den jüngsten Vorfällen für den Ernstfall rüsten möchten. "Natürlich kann ein Einsteiger-Kursus helfen. Doch es wäre schon besser, anschließend auch in Sachen Kampfsport bei der Sache zu bleiben", sagt Margot Olislagers.

Die stellvertretende Kwoon-Chefin und Achim Wagener sind sich einig, dass das kleine Einmaleins der Selbstverteidigung auch bei Großereignissen wie Silvester oder Karneval hilfreich ist. "Man wird wachsamer und ist eher in der Lage, gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen", betonen die beiden Experten, die es wissen müssen.

Quelle: RP
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