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Erst kurz vor Schluss befreien sich die Löwen

Handball: Erst kurz vor Schluss befreien sich die Löwen
FOTO: Venn J.
Aldekerk. Handball-Nordrheinliga Männer: Der ATV unterliegt der ambitionierten SG Ratingen mit 30:31 (13:16) und überzeugt nach der Pause. Von Reinhard Pösel

Später Samstagabend in der Höhle der Löwen, wie die Handballer der 2011 gegründeten SG Ratingen ihre Spielstätte an der Gothaer Straße nennen. Mit einer großen Spur Erleichterung tanzen die Gastgeber um ihren Spielmacher Simon Breuer im Kreis und feiern den 31:30 (16:13)-Erfolg über den TV Aldekerk. Verständlicherweise sieht die Emotionslage bei der unterlegenen Mannschaft aus Aldekerk anders aus. Trainer Matthias Sommer weiß im ersten Moment nicht so richtig, wie er die hauchdünne Niederlage nach einer guten Leistung seiner Mannschaft einordnen soll. Noch überlagert die Enttäuschung über einen möglich gewesenen Sieg die Freude über die Leistung seiner Handballer, die besonders nach dem Seitenwechsel die Ratinger Löwen in deren Reich nicht nur gebändigt, sondern sie an den Rand einer Niederlage gebracht hatten.

Wie groß zwischenzeitlich die Nervosität bei den Gastgebern war, ließ sich gut an deren erfahrenem Trainer Khalid Khan beobachten, der bei einem Rückstand von zwei Toren, zuletzt beim Spielstand von 26:28 (54.), zuerst mit den Offensiv-Aktionen seiner Handballer und später mit dem nicht streng genug ausgelegtem Regelwerk haderte. Auch Khan wird ein Stein von den Schultern gefallen sein, als er mitansehen durfte, wie seine individuell starken Handballer auf der Zielgeraden des Spiels noch einmal die Kurve bekamen und dem sich tapfer wehrenden Gegner in den letzten fünf Minuten des Spiels mit einer 5:3-Serie den Sieg oder wenigstens das verdiente Unentschieden aus den Händen nahm.

"In dieser Phase wollten wir die Entscheidung erzwingen, anstatt sie geduldiger zu suchen", sagte ATV-Coach Sommer, der die Leistungen von Jonas Mumme, Fabian Schwartz und Torwart Janik Schoemackers besonders erwähnte, die aus dem mannschaftlich guten Niveau herausragten. Ob die vom Trainer genannten Aldekerker Spieler oder deren Mannschaftskollegen, jeder von ihnen verarbeitete nach dem Schlusspfiff die vorangegangenen 60 Minuten auf seine Art. "Ich bin einfach nur platt", meinte Jonas Mumme, vor dessen geistigem Auge auch nach Spielschluss noch der baumlange und körperlich robuste Ratinger Abwehrchef Ace Jovaneski aufgetaucht sein dürfte, der den Aldekerker Kreisläufer gewissermaßen durch die Mangel gedreht hatte. Und trotzdem setzte sich Mumme am gegnerischen Kreis immer wieder durch, brachte den Ball entweder selber im Tor unter oder konnte daran nur auf Kosten eines Strafwurfs gehindert werden. Um sich gegen die beherzt zupackende Ratinger 5:1-Abwehr durchzusetzen, dazu mussten die Aldekerker Handballer ihr Herz von Anfang an in beide Hände nehmen - insbesondere das Tempo hochhalten, was ihnen über weite Strecken des Spiels prima gelang.

Dass die individuelle Klasse und die Abgezocktheit in Reihen der Ratinger am Ende den Ausschlag für deren Sieg gab, zeigt die Aussage von Thomas Plhak: "Wir haben eben keinen Simon Breuer." Der Spielmacher der SG war im ersten Durchgang Ausgangspunkt vieler, erfolgreich abgeschlossener Ratinger Offensivaktionen und letzten Endes auch der Grund dafür, dass die Aldekerker beim Seitenwechsel mit 13:16 hinten lagen.

Dass der Aldekerker Rückstand nicht höher ausfiel, dafür sorgte ATV-Keeper Janik Schoemackers, dem es mit seinem Können und seiner Unaufgeregtheit immer wieder gelang, mit feinen Reaktionen dem Gegner freie Würfe wegzunehmen - darunter zwei Strafwürfe. Während der gesamten 60 Minuten sah sein Trainer deshalb keinen Grund, über die Auswechslung seiner Nummer eins, die der Keeper mit Recht auf der Rückseite seines Trikots trug, auch nur nachzudenken.

Ähnliches traf auf Fabian Schwartz zu. Er kam nach 20 Minuten für Can Greven ins Spiel und nahm dessen Part auf der Spielmacherpostion und Spitze der Abwehr ein. Je länger das Spiel dauerte, umso dominanter erledigte der 25-Jährige seine Aufgaben. Motiviert durch zwei blitzsauber vollendete Tempogegenstöße spielte sich Schwarz regelrecht in einen Flow und fühlte sich später auch stark genug, um sich dem Ratinger Spielmacher Breuer zu widmen, ihn Mann zu decken und aus dem Spiel zu nehmen, was dessen Mitspielern überhaupt nicht schmeckte.

"Schade, dass es am Ende nicht wenigstens zu einem Teilerfolg gereicht hat", meinte Thomas Plhak, dem es nach Spielschluss genauso ging wie seinen Mannschaftskollegen. "Jetzt gucken wir erst einmal, dass wir Jannis wieder auf die Beine bekommen." Jannis Kempmann war bei einem erfolgreich abgeschlossenen Gegenstoß zum 27:25 in der 52. Spielminute mit dem gegnerischen Torwart zusammengeprallt und hatte sich am Knie verletzt. Wie schwer die böse sehende Verletzung ist, sollen heute oder morgen weitere Untersuchungen zeigen.

ATV: Schoemackers, Thommessen - Mumme (6/1), Plhak (5/4), Schwartz (5), Jentjens (4), Greven (3), Kempmann (2), Pasch (2), Liedtke (1), Rampyapedi (1), Kleinelützum (1), Reich.

Quelle: RP
 
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