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Handball
Etwas Wasser trübt den Sekt des Siegers

Aldekerk. Handball-Regionalliga Nordrhein: Das Spiel der beiden niederrheinischen Kontrahenten nahm einen überraschend einseitigen Verlauf. Nach 20 Minuten bekam der TV Aldekerk das Spiel in die Hand und dominierte es bis zum Ende. Von Reinhard Pösel

In der gut besetzten Vogteihalle dürften wohl die wenigsten Beobachter damit gerechnet haben, dass es der TV Aldekerk gegen die schlecht in die Saison gestartete Gladbacher Borussia im Vergleich zu den Vorjahren verhältnismäßig einfach haben würde, das Feld nach 60 Minuten mit 27:23 (14:9) als souveräner Sieger zu verlassen. Die Gäste aus der Gladbacher Jahnhalle war die Verunsicherung nach den zuvor kassierten vier Saisonniederlagen besonders in der Offensive anzumerken. Und sie hätten sich auch nicht darüber beklagen dürfen, wenn beim Schlusspfiff ihr Rückstand sogar in zweistelliger Dimension ausgefallen wäre.

Lediglich in der ersten Viertelstunde, in der zahlreiche Angriffe auf beiden Seiten wirkungslos verpufften, schafften es die Gäste, das Duell der beiden stark besetzten Viertliga-Mannschaften vom Niederrhein ausgeglichen zu gestalten. "Wir haben nicht die Leistung gebracht, die man in der Nordrheinliga braucht", sagte Gladbachs Trainer Tobias Elis, der aktiv auf dem Feld an schon viel engeren Spiele zwischen beiden Mannschaften beteiligt war. Doch sein jetziges Team war am Samstag nicht in der Verfassung, um den ATV, der mit Christoph Kleinelützum und Can Greven auf zwei seiner etatmäßigen Rückraumlinken verzichten musste, in Schwierigkeiten zu bringen.

Als die Gladbacher in der 15. Spielminute durch ihren Kapitän Daniel Panitz mit 7:6 zum vierten Mal in diesem Spiel in Führung gingen, riss ATV-Coach Achim Schürmann der Geduldsfaden. Im Angriff blieb seine Mannschaft unter ihren Möglichkeiten und in der Defensive wurde auf die Gladbacher Angreifer kaum Druck ausgeübt. Grund genug, um das alles während einer einminütigen Auszeit ohne Umschweife anzusprechen.

Mit dem dann eingewechselten Karsten Wefers, der gleich zwei Treffer in Folge erzielte und auch in der Abwehr seinen Mann stand, kam die Wende ins Aldekerker Spiel. Der ATV glich aus, ging mit einem Treffer in Führung, wenig später betrug der Abstand schon drei Tore und man konnte beobachten, wie sich die Aldekerker Spieler an den eigenen Haaren aus dem Tief der Anfangsviertelstunde herauszogen: Lukas Hüller mit feinen und überraschenden Pässen, Richard Pasch zauberte aus dem linken Rückraum die Bälle ins gegnerische Tor, sein Pendant auf der gegenüberliegenden Rückraumseite fand er in Thomas Jentjens und im Aldekerker Kasten ließ Florian Lindenau mit minimalistischen Bewegungen eine Glanztat nach der anderen folgen.

Beim Seitenwechsel hatten die Gastgeber das Ergebnis bereits auf 14:9 gestellt und bauten es bis zur 50. Spielminute auf schließlich 24:15 beziehungsweise kurz darauf 25:16 aus. "Und hätten die Schiedsrichter mit zum Teil unberechtigten Zeitstrafen unseren Rhythmus nicht zerstört, wären wir auch noch weiter weggezogen", meinte Schürmann, der bei der über weite Strecken beeindruckenden Leistung seiner Mannschaft allerdings ein dickes Haar in der Siegersuppe ausgemacht hatte. "Keine Frage, vieles war heute Abend gut. Doch von den Außenpositionen gingen zu viele Würfe ins Leere", sagte Schürmann und hatte dann auch gleich die entsprechenden Zahlen zur Hand. "Von 16 Würfen von Außen fanden nur fünf ihren Weg ins Tor. Das ist ein krasses Missverhältnis." Nur Tobias Dickel wollte er von der Kritik ausgenommen wissen.

Schürmann konnte am Samstagabend über diese Schwachstelle im Spiel seiner Mannschaft hinwegsehen, weil der Gegner sich zu Beginn der zweiten Halbzeit schon aufgegeben hatte und er es im weiteren Verlauf des Spiels zunehmend an der mentalen Frische fehlen ließ. Dagegen bemühten sich die Aldekerker, die Konzentration hoch zu halten. Was angesichts der auch für die Spieler überraschend hohen und nie gefährdeten Führung gar nicht so einfach war.

Von daher spiegelt sich in dem Aldekerker Erfolg von 27:23-Toren nicht die ganze Wahrheit des Spiels wider.

Quelle: RP
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