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Lokalsport
"Football ist endlich mal was Anderes"

Lokalsport: "Football ist endlich mal was Anderes"
Taktikbesprechung: Coach Günter Bielawny (r.) erläutert den größtenteils neuen Teammitgliedern der Kevelaer Kings (v.l.) Sven Janhsen, Jan Trampe, Mario Werner und Matthias Simon, welche Rolle sie auf dem Feld übernehmen sollen. FOTO: seyb
Kevelaer. Vier Kevelaerer Jugendliche erzählen, warum der amerikanische Nationalsport für sie die Nummer eins ist. Neben Ausdauer, Kraft und Ehrgeiz wird auch der Kopf geschult. Nicht umsonst werde Football auch Rasenschach genannt. Von Bianca Mokwa

Ein heftiger Wind fegt über den Sportplatz und es regnet. Das hält die Spieler der Kevelaer Kings aber nicht davon ab, unter freiem Himmel Liegestütze zu machen. Aufwärmtraining des 1. American Football Clubs Kevelaer, der kontinuierlich wächst. Sollten sich noch mehr junge Footballer anmelden, überlegt der Verein zudem eine U19-Mannschaft zu gründen. Neu dabei sind auch Matthias Simon und Sven Janhsen. Sie schnuppern erstmalig in die Sportart. Mitgenommen wurde Sven von Kumpel Jan Trampe aus Twistenden.

Der 14-Jährige ist zwar erst zum zweiten Mal dabei, weiß aber schon jetzt, dass es sein Sport ist. Ihn nervt beim Basketball, dass Berührungen bereits als Foul gelten. Das ist beim Football anders. Viele haben sofort Bilder vor Augen, bei denen sich Spieler aufeinander werfen. "Filme beeinflussen einen schon ziemlich", gibt Jan zu. Allerdings ist das "echte" Football nicht so wie im Film. Wer wildes Drauflosgekloppe erwartet, der wird enttäuscht sein. Es gibt Regeln. Nicht alles ist erlaubt. Und ohne Taktik funktioniert im Spiel gar nichts.

Football wird nicht umsonst Rasenschach genannt", stellt der Vorsitzende der Kevelaer Kings, Michael Preuss klar. Die einzelnen Spielzüge stehen im "Playbook" und werden von den Spielern gelernt. "Es ist mehr Taktik, als im Film oft wahrgenommen wird", bestätigt Mario Werner. Der 16-Jährige weiß, wovon er spricht. Der Gelderner ist seit sieben Monaten dabei. Er hat bewusst nach einer Footballmannschaft in der Nähe gesucht. "Ich mag keinen Fußball und auch die meisten anderen Sportarten nicht. So bin ich auf Football gekommen", sagt Mario. Fündig wurde er durch die Facebook-Seite des Vereins.

Mittlerweile hat Mario schon viel Krafttraining hinter sich, Ausdauertraining und natürlich auch schon Erfahrung gemacht mit den Tackles. Gemeint ist damit das Umwerfen des Gegners. "Es sieht brutaler aus, als es sich anfühlt", sagt der 16-Jährige. "Ich bin auch schon einmal umgehauen worden. In dem Moment fühlt man aber nichts, weil man so viel Adrenalin im Blut hat." Außerdem sind die Spieler durch Helm, Mundschutz und Pads (die Schulter- und Beinpolster) geschützt. Eine eigene Ausrüstung ist so etwas wie der Ritterschlag für die Spieler. Diese Woche bekommt Mario seine eigene, verkündet er stolz. Die Kosten müssen die Spieler zurzeit noch selber tragen.

Bevor die Spieler aber auf harten Körperkontakt treffen, werden sie gründlich vorbereitet. Sven, Jan und Matthias brauchen nicht fürchten, in eine Übung wie "Pulling in the Ring" geworfen zu werden. Dabei steht ein Spieler in der Mitte, die anderen bilden einen Ring um ihn, aus dem er versuchen muss, sich zu befreien. Eine Situation, die durchaus im Spiel vorkommt. "Wir machen eine solche Übung nur, wenn wir sicher sind, dass die Spieler sich nicht verletzen", sagt Preuss. Bis dahin müssen die Jungs jede Menge Technik lernen, wie etwa richtig geblockt wird. Minimiert wird das Verletzungsrisiko auch durch ein hohes Maß an körperlicher Fitness. Bis zu 200 Liegestütze pro Training sind da schon drin. Da sind alle gleich, der Anfänger genauso wie Spieler, die schon länger dabei sind, der 14-Jährige genauso, wie der 40-Jährige.

Denn in Alter und Körperbau sind die Spieler sehr unterschiedlich. Das macht aber nichts. Was den Körperbau betrifft, so sind die schnellen, wendigen Spieler im Angriff (Offense) genauso wichtig, wie die bulligen, schweren Typen in der Abwehr (Defense). Und was Alter, Herkunft oder Hautfarbe betrifft, da wird auf dem Spielfeld kein Unterschied gemacht. "Wir haben genau eine soziale Schicht – das Wir", sagt Preuss. Und vielleicht ist es dieser Zusammenhalt, der dem Sport, neben seiner Exotik am Niederrhein, seine ganz besondere Note gibt.

Quelle: RP
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