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Fünf wunderbare Jahre in Aldekerk

Lokalsport: Fünf wunderbare Jahre in Aldekerk
Was sollte das, bitte? Nicht mit jeder Schiedsrichter-Entscheidung war Schürmann einverstanden. FOTO: Spütz Heinz
Aldekerk. Achim Schürmann trainiert seit Beginn der Saison 2012/13 die ATV-Handballer. Höhepunkte waren die Niederrhein-Meisterschaft und der Aufstieg in die Nordrheinliga. Am Samstag sitzt er zum letzten Mal für den ATV auf der Bank. Von Reinhard Pösel

Mit der Vorbereitung der Saison 2012/13 übernahm Achim Schürmann als Trainer die Verantwortung beim Handball-Oberligisten TV Aldekerk. Während gefühlt knapp 200 Liga-, Pokal- und Relegationsspielen coachte er den Viertligisten. Hinzu kamen zahlreiche Stunden Videostudium des kommenden Gegners. Nahezu mundgerecht servierte der ehemalige Nationalspieler in der Schlussbesprechung vor einer Begegnung seinen Spielern die Stärken und Schwächen des Gegners sowie die dazu passende Strategie.

Schürmann bevorzugte Handballer, die ehrgeizig sind und intelligent, um auf mehreren Positionen spielen zu können. Wer das nicht schon mitbrachte, den machte Schürmann mit viel Training besser. Es brauchte nur die Bereitschaft des Spielers, auch tatsächlich besser werden zu wollen. Alles andere regelte der Aldekerker Cheftrainer, der den Handball liebt. Diesen Männersport, den er mit so viel Hingabe betreibt. Schürmann ist ein "Gambler". Einer, den Niederlagen ärgern. Erst recht dann, wenn seine Spieler meinen, die vorher gemachten Absprachen während eines Spiels mit lockerer Hand in den Wind schreiben zu können.

Nur schwer verlieren zu können, ist aber nicht gleichbedeutend damit, die Leistung eines Gegners nicht anzuerkennen. Die Relegationsspiele gegen den Longericher SC gehören beispielsweise dazu. "Wenn man jetzt sieht, was der LSC in der 3. Liga veranstaltet, ist schon die richtige Mannschaft aufgestiegen", sagt Schürmann. Er weiß allerdings nicht, was passiert wäre, "wenn uns in der Relegation ein gesunder Fabian Schneider zur Verfügung gestanden hätte".

Wie kam Schürmann vor fünf Jahren in die Vogteihalle? In eine Sportstätte, in der er sich nach wenigen Wochen bereits wie zu Hause fühlte, weil er die fantastische Unterstützung der Zuschauer liebte, die aus vermeintlich normalen Spielen besondere machten. Frank Fünders, der seinerzeit verantwortlich für den Männer-Handball beim ATV war, verpflichtete Schürmann als Nachfolger von Burkhard Heesen, der während seiner Trainerjahre beim ATV feine Erfolge gefeiert hatte. Darunter immerhin den Aufstieg in die 3. Liga West. Zudem ließ Heesen einen mit viel Tempo aufgepumpten Handball spielen, der bei den Anhängern ausgezeichnet ankam. In solchen Fällen spricht man gerne von großen Fußstapfen, die der Vorgänger seinem Nachfolger hinterlässt.

Rückblickend betrachtet darf man feststellen, dass Schürmann diese von Anfang an ausfüllte. Abgänge von Stammspielern waren für den ehrgeizigen Trainer niemals ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und mit dem Schicksal zu hadern. Vielmehr schienen das Situationen zu sein, die Schürmann auf ganz besondere Betriebstemperatur brachten. Die Wochen der Saisonvorbereitung mit dem neu zusammengestellten Kader waren dann dazu da, um sich neben der Konditionsarbeit, was zu den Pflichtaufgaben der Spieler gehörte, der Kür zu widmen. Spielzüge und Konzepte zu erarbeiten und einzustudieren, die den Gegner überraschen sollten. Die gewissermaßen zum Faustpfand im Ärmel werden sollten. Ausgerichtet war das alles stets auf die Möglichkeiten seiner Spieler, die nicht über die Statur und Kraft verfügen, um die gegnerischen Angriffsreihen zu beeindrucken. Die Aldekerker Handballer leben vielmehr in der Mehrzahl von Athletik und Technik. Zudem wurde der vorher schon praktizierte Tempo-Handball durch Achim Schürmann auf eine andere Ebene gehoben. Aus Tempo wurde Hochgeschwindigkeit.

Auf dem Weg dorthin profitierte Schürmann von überlegt getätigten Neuverpflichtungen. Der gerade der Jugend entwachsene Lukas Hüller war einer davon, die erfahrenen Fabian Schneider oder Tobias Dickel zwei andere. Ergänzt durch Christoph Kleinelützum und Tobias Culm, die seit Jahren zum Aldekerker Stammpersonal gehörten, sollten sie einer jungen Mannschaft in schwierigen Situationen eines Spiels die Ruhe geben, nicht den Kopf und damit das Spiel zu verlieren. Im Rückblick betrachtet ein gelungener Schachzug.

Im Windschatten der älteren Spieler konnten andere reifen und besser werden. Thomas Jentjens nennt Schürmann beispielhaft. Scherzhaft meint er: "Der Junge wusste lange gar nicht, dass es im Handball einen Rechtsaußen gibt." Von seiner Entwicklung profitierte wiederum Matome Rampyapedi, der auf der Außenbahn nicht versauerte, sondern über Jentjens mit Bällen versorgt wurde. Schürmanns Urteil über seinen Rechtsaußen: "Er ist zu einem der besten Spieler auf seiner Position in der Liga geworden." Viele andere Namen von Spielern nennt Schürmann, solche die jetzt im Kader stehen, andere, die im Laufe seiner ATV-Zeit den Verein verlassen haben.

"Ich bin froh, dass sich das alles so entwickelt hat", resümierte Schürmann und äußerte sich anschließend in lobenden Worten über den Verein und dessen Führung. So etwas habe er noch nirgends erlebt. Die Stimmung sei immer gut gewesen, auch die Zusammenarbeit mit der zweiten Mannschaft und der fachliche Austausch mit Trainer Nils Wallrath. Die Trainingsbeteiligung seiner Mannschaft ließ Schürmann nicht unerwähnt. "Fast immer war jeder da, es sei denn, es gab einen wirklich triftigen Grund. Einen Strafenkatalog brauchte es nicht."

Gab es denn wirklich nichts, was Schürmann in den fünf Jahren beim TV Aldekerk gegen den Strich gegangen ist? Kurzes Nachdenken, dann die Antwort. "Dass die Bahnschranke bei der Einfahrt in den Slousenweg so oft geschlossen war." Und besonders ärgere es ihn, dass erst nach vier Jahren und zehn Monaten Jonas Mumme mit dem Tip eines Ausweichweges um die Ecke kam. "Vielen Dank."

Quelle: RP
 
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