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Radsport
Gerd Bloemens Lebenstraum wird wahr

Geldern. Der Gelderner hat am kommenden Samstag eine besondere Aufgabe. Er wird als freiwilliger Helfer Teil der Tour de France sein, die in Düsseldorf beginnt. Für den 70-Jährigen war es ein langer Traum, einmal hautnah dabei zu sein. Von Christian Cadel

In genau einer Woche beginnt die 104. Tour de France. Insgesamt 21 Etappen stehen auf dem Plan, ehe dann der Sieger auf den Champs-Élysées in Paris gekürt wird. Viele Zuschauer werden die Strecken säumen, um ihre Favoriten anzufeuern. Auch der Gelderner Gerd Bloemen wird dabei sein. Doch anders als diejenigen, die ihren Lieblingen zujubeln, wird er dafür sorgen, dass alles reibungslos ablaufen kann.

Bloemen gehört zu den rund 1500 Freiwilligen, die am ersten Tag für Recht und Ordnung sorgen und die Besucher über die wichtigsten Dinge informieren. Das Besondere in diesem Jahr: Der Prolog steigt diesmal in Deutschland, besser gesagt in Düsseldorf.

Am kommenden Samstag werden die Fahrer die ersten Ausrufezeichen beim Zeitfahren durch die Düsseldorfer City setzen. Als passionierter Rennradfahrer interessiert Bloemen sich selbstverständlich für die Tour de France. Als er dann davon hörte, dass man nach Freiwilligen für den Prolog suche und man sich dafür bewerben könne, fackelte er nicht lange. "Das ist eine ganz tolle Geschichte, dass ein so großes Sportevent in Deutschland startet. Ich wollte unbedingt dabei sein - so nah wie möglich", sagt er. Gesagt, getan. Bloemen bewarb sich und erhielt kurze Zeit später eine E-Mail mit den Worten "Hallo Gerd, Deine Teilnahme ist bestätigt. Du bist als Tour Maker beim Grand Départ am 1. Juli mit dabei."

"Ich kann es noch immer nicht ganz fassen. Meine Vorfreude ist riesengroß und steigert sich von Tag zu Tag." Genau eine Woche lang muss er sich noch gedulden, ehe es am nächsten Samstag mit der ersten Etappe losgeht. Wie eine Tour de France abläuft, weiß der Gelderner aber schon. Vor ein paar Jahren war er als Zuschauer in Frankreich und konnte die legendäre Etappe rauf nach Alpe d'Huez verfolgen.

"Schon morgens um 10 Uhr sitzen die Leute da, essen Baguette und trinken Rotwein, bis die Fahrer dann endlich kommen. Die Stimmung an der Strecke ist einfach wunderbar." Ähnliches erwartet Bloemen auch für den Prolog in Düsseldorf. "Ich denke dass die Etappe in Düsseldorf und die zweite von Düsseldorf nach Lüttich ein echter Erfolg werden wird. Schließlich ist das ja auch eine tolle Werbung für unsere Region."

Doch sich so einfach an die Strecke stellen und helfen, ist nicht. Zuvor hatten die Organisatoren die Freiwilligen zum sogenannten "Kick-Off" eingeladen, um ihnen zu erklären, was Sache ist.

Bloemen weiß auch ganz genau, an welcher Stelle er stehen wird. "Ich habe meinen Posten an der Oberkasseler Brücke auf der linken Rheinseite. An meinem Standort ist auch ein Wendepunkt. Das bedeutet, dass die Fahrer mehr als nur einmal an mir vorbeikommen", erklärt er. "Da sie an dieser Stelle auch langsamer fahren müssen, habe ich vielleicht die Gelegenheit, einige Fahrer ganz nah zu erleben."

Seine Aufgabe als Helfer wird er dabei aber auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren. "Schließlich hat man ja eine große Verantwortung." An bestimmten Punkten gibt es zudem Teamleiter, die die einzelnen Helfer koordinieren. Als eine seiner Hauptaufgaben sieht Bloemen die Information der Zuschauer. So wird er beispielsweise Wege erklären müssen oder Zuschauer an bestimmte Punkte begleiten. Zwei Tage vorher wird es nochmal ein großes Treffen aller Helfer geben. Dann bekommt Bloemen sein Ausstattungspaket mit eigenem Namensschild.

Wenn Gerd Bloemen über seine bevorstehende Aufgabe erzählt, dann schwingt in seinen Worten sehr viel Leidenschaft mit. "Schon als Jugendlicher hatte ich Spaß am Radfahren." Irgendwann hat er den Sport dann aber aus den Augen verloren. Später konzentrierte er sich auf Handball und vor allem auf den Laufsport. 26 Marathons hat er schon absolviert. Seine Bestzeit steht immerhin bei 2:45 Minuten. "Irgendwann habe ich meine alte Leidenschaft, das Radfahren, wiederentdeckt. Ich habe gemerkt, dass ich trotz meines Alters noch gut unterwegs bin. Und so kam in mir auch wieder ein Leistungsgedanke auf", sagt der 70-Jährige. "Sport kann man auch mit 70 Jahren noch machen. Das ist überhaupt kein Problem, wenn alle Faktoren stimmen. Viele wissen gar nicht, welches Wohlbefinden man hat, wenn man Sport macht. Das Gefühl ist gigantisch. Ich höre erst auf, wenn ich merke, dass es nicht mehr geht", sagt er stolz. Fünf oder sechs Mal in der Woche trainiert Bloemen und ist seit einiger Zeit auch Mitglied bei der RRG Kleverland.

In diesem Jahr hat er schon 6.500 Kilometer in den Beinen. Seine Fortschritte und eigentlich jeden einzelnen Meter hält er in einer speziellen Smartphone-App fest. "Mit 60 Jahren habe ich erstmals beim 'German Cycling Cup' in Münster mitgemacht", sagt er. Nach einer langwierigen Krankheit und einer Zwangspause von fast zwei Jahren startete Bloemen in diesem Jahr wieder in Göttingen bei der "Tour d'Energie' und kam nach 100 Kilometern als Erster seiner Altersklasse ins Ziel. Ursprünglich hatte er auch einen Start bei der Deutschen Meisterschaft in Görlitz vorgesehen. Doch daraus wird nichts. "Bei einer Trainingseinheit als Vorbereitung zur DM wurde ich von einem Vereinskollegen abgeräumt und habe seitdem schwere Prellungen in der Thorax-Seite. Somit ist ein Start bei der DM unmöglich geworden. Meine Tätigkeit als Freiwilliger bei der Tour de France ist davon aber nicht betroffen", versichert er. Soll heißen: Sein Lebenstraum, Teil der Tour de France zu sein, kann am kommenden Samstag endlich wahr werden.

Quelle: RP
 
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