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Zielscheibe
Ist die Drohne doch der bessere Betreuer?

Geldern. Kennen Sie das auch? Sie stehen als Zuschauer am Sportplatz, der Ball fliegt in hohem Bogen übers Stankett und schlägt weit hinter Ihnen irgendwo im Brennessel-Dickicht am Waldrand ein. Spieler und Schiedsrichter warten.

Bleibt man unbeteiligt und vertraut darauf, dass sich schon irgendein Balljunge aus dem Zuschauerkreis um einen herum opfern wird? Oder wagt man sich selbst ins dornenreiche Gestrüpp? Diese Fragen kann einen schon mal ein Spiel-Minütchen beschäftigen. Doch solche unplanmäßige Spielverzögerungen gehören der Vergangenheit an. Denn das Zeitalter der Drohnen ist auch für den Fußball gekommen. Zum ersten Mal lieferte kürzlich eine Drohne bei einem Fußballspiel den Ball an das Spielfeld.

Geschehen bei einem offiziellen FIFA-Match in Sao Paulo/Brasilien. Eine clevere Marketing-Agentur hatte die Idee zu dieser Aktion, die beim Finale von Brasiliens wichtigstem Fußballwettbewerb, der Paulista-Meisterschaft, ausgeführt wurde, und zwar im Auftrag ihres Kunden Federacao Paulista de Futebol ("Paulista Fußballbund"). Wenn man das nun einmal weiterdenkt, könnte allerdings nicht nur ein Heer bienenfleißiger Balljungen überflüssig werden, auch der Betreuer-Job könnte sang- und klanglos aussterben.

Im Wettstreit mit der Drohne bei der Klärung der Fragen, wer liefert schneller die Trinkflasche, wer flotter die Leibchen oder das Verbandsmaterial ans oder aufs Spielfeld, wäre das Gros der Betreuer tempo-technisch hoffnungslos unterlegen. Allerdings müsste dann noch eine wichtige Frage geklärt werden: Ist die Drohe auch so mitfühlend wie der vertraute Betreuer?

Hört sie sich an, wenn ich über meine aktuelle Verletzungsmisere, mein Problem mit dem Platz auf der Reservebank oder mein Unverständnis über die aktuelle Mannschaftstaktik klage? Wohl kaum! Es sein denn, das fliegende Ding ist auch emotional lernfähig.

MICHAEL MEENEN

Quelle: RP
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