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Sportschießen
Junge Bogenschützin träumt von Tokio 2020

Sportschießen: Junge Bogenschützin träumt von Tokio 2020
Mit voller Konzentration nimmt Michelle Kroppen große Ziele ins Visier. Im August kämpft sie bei den deutschen Junioren-Titelkämpfen um Gold. FOTO: Binn
Straelen. Die Straelenerin Michelle Kroppen hat nach ihrem Wechsel zum Sportgymnasium Jena einen Karrieresprung hingelegt. Die 19-Jährige belegte jetzt bei der Junioren-Weltmeisterschaft den fünften Platz. Von Bianca Mokwa

Ihren Koffer hat Michelle Kroppen noch gar nicht ausgepackt. Den Koffer, der sie schon auf Reisen rund um die halbe Weltkugel begleitet hat, der mit dem Bogen drin. Die 19-jährige Straelenerin ist eine überaus erfolgreiche Bogenschützin, gehört zum deutschen Nationalkader und hat bereits an drei Weltmeisterschaften teilgenommen.

Zuletzt stieg sie im Juni in den Flieger und machte sich auf den Weg zur Junioren-WM nach Yankton in South Dakota. "Und das alles wegen einem Kindergeburtstag", sagt Kroppen und schüttelt lachend den Kopf. Denn bei einer solchen Gelegenheit griff sie als Mädchen zu Pfeil und Bogen und kam auf den Geschmack. Im zarten Alter von acht Jahren schloss sie sich dem BSV Kevelaer an, es folgte intensives Training beim SBC Walbeck.

Nach mehreren erfolgreichen Starts bei Deutschen Meisterschaften brachte der Wechsel zum Sportgymnasium in Jena im Jahr 2012 den entscheidenden Schub. Vor zwei Jahren wurde Michelle Kroppen schließlich in den Nationalkader berufen.

Zurück nach South Dakota. "Die Qualifikation war nicht so gut", erinnert sich Michelle Kroppen an den holprigen Start bei der Weltmeisterschaft. "Am Ende reichte es für Platz 32 in der Qualifikation." Hinzu kamen miserable Wetterverhältnisse bei den Freiluft-Titelkämpfen. "Am Finaltag war extrem schlechtes Wetter, windig war es auch", erinnert sich die junge Bogenschützin.

Zunächst traf sie auf eine Koreanerin. "Ich hatte sehr viel Respekt vor dem Match. Die Koreaner sind immer vorne mit dabei", erklärt Michelle Kroppen. Mentale Unterstützung gab es von den deutschen Teamkollegen. "Mach dir keinen Kopf, Koreaner sind auch nur Menschen", gaben die Teamkollegen des Nationalkaders ihr mit auf den Weg. Die Worte wirkten. "Nach zwei Sätzen lag ich mit 4:0 vorne", erzählt die Straelenerin. "Dann hat meine Gegnerin zum 4:4 ausgeglichen." Spannend verlief das Stechen. "Jeder nur einen Pfeil", erklärt Kroppen. "Wer näher am X ist, hat gewonnen." Die Koreanerin erzielte eine 7, Kroppen schoss den Pfeil auf die 9, nahe der 10. Sie war weiter. "Ich war wie in Trance", erinnert sich die Bogenschützin. "Es gab nur noch mich und die Scheibe."

Wie sie ihre nächste Gegnerin aus Mexiko besiegte, weiß sie nicht mehr. Plötzlich stand es 6:0 für Kroppen, die damit das Viertelfinale erreicht hatte. Dort musste gegen eine Kontrahentin aus Russland erneut das Stechen die Entscheidung herbeiführen. Am Ende fehlte der jungen Straelenerin etwas die Kraft. Außerdem traf die Russin mit dem entscheidenden Pfeil exakt in die Mitte - in diesem Fall unschlagbar. "Klar bin ich traurig, dass ich so knapp das Halbfinale verpasst habe", sagt Kroppen, die mit Platz fünf aber das beste internationale Ergebnis ihrer Laufbahn erzielte.

"Mein coolster Wettkampf war bislang aber die Weltmeisterschaft in China." Dort hatte die Straelenerin ihre internationale Premiere gefeiert und auf Anhieb Platz neun erreicht. Ebenfalls Rang neun sprang für sie in diesem Monat beim Freiluft-Juniorencup in Rom heraus. Das nächste Ziel heißt Olympia. "Dafür trainiert man ein Leben lang", versichert Michelle Kroppen mit fester Stimme und gibt einen Einblick in ihren Schul- und vor allem Trainingsalltag. "Dafür bleibt man zu Hause, wenn andere feiern gehen."

Der unermüdliche Einsatz könnte mit einer Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio belohnt werden. Im nächsten Jahr wechselt Michelle Kroppen in den Seniorinnenbereich. "Wir haben extrem starke Schützinnen, die schon einige Male Weltmeister geworden sind", sagt Michelle Kroppen und nennt Karina Winter und Lisa Unruh. Letztere ist nicht nur ihr großes Vorbild, sondern auch eine gute Freundin. Mit ihr hat Kroppen noch vor kurzem telefoniert. "Du musst einen Quotenplatz holen. Ich will dich nächstes Jahr in Rio sehen", hat sie Lisa Unruh im Hinblick auf die nächsten Olympischen Spiele angespornt.

Für Michelle Kroppen geht's im August zunächst einmal mit der Deutschen Meisterschaft im bayrischen Raubing weiter. "Ein Treppchenplatz müsste auf jeden Fall drin sein", zeigt sie sich im Vorfeld optimistisch. Und setzt noch einen drauf: "Wenn es gut läuft, kann es Gold werden."

Quelle: RP
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