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Lokalsport
Phil Taylor lässt Hexenkessel brodeln

Lokalsport: Phil Taylor lässt Hexenkessel brodeln
Hatten sichtlich ihren Spaß bei ihrem Auftritt im Gelderland: Phil "The Power" Taylor (l.), Profi-Caller John Fowler (4.v.l.) und Weltklassespieler Terry "The Bull" Jenkins (6.v.l.) - hier mit den Gelderner "Dart-Königen" Daniel Timmermann und Wolfgang Hoffmann (v.l.) und zwei weiblichen Fans. FOTO: Heinz Spütz
Geldern. Der Superstar des Dartsports gab sich im Gelderner Barbara-Gebiet die Ehre. Rund 200 Fans durften in der neuen Halle des Dart-Clubs ihr Idol hautnah erleben. Einige nutzten die Gelegenheit, gegen den Rekord-Weltmeister anzutreten. Von Heinz Spütz

Rund 200 Leute füllen frühzeitig die Arena des Gelderner Dart Clubs im Barbara-Gebiet bis in den letzten Winkel. Sie wollen den Superstar des Darts hautnah erleben, den englischen Rekordweltmeister Phil "The Power" Taylor. Bis die Legende die Bühne betritt, sind noch knapp drei Stunden zu überbrücken.

Zeit genug, um Schaukämpfe mit Taylor und seinem Tourbegleiter, dem Weltklassespieler Terry Jenkins, meistbietend zu versteigern. Aber auch, um die Fans mit den gängigen Hits aus dem "Alexandra Palace" in London und einem simulierten "Walk on" unter Echtbedingungen einzuheizen und auf Betriebstemperatur zu bringen. Dann ist es endlich soweit. Profi-Caller John Fowler betritt die Bühne und peitscht das Publikum mit seiner Reibeisenstimme ein. Die Arena findet sich bereits im Ausnahmezustand.

Dann wird's dunkel. Und merkwürdig still. Die Spannung steigt bis zum Siedepunkt. "Wooly Bully", ein Nonsens-Song aus dem Jahr 1965, dröhnt aus den Lautsprechern. Sekunden später marschiert Terry "The Bull" Jenkins unter tosendem Applaus durch das Menschenspalier bis zur Bühne. Dann geht wieder das Licht aus. Aus den Boxen knallt "I got the power" von "Snap". Und endlich bahnt sich, von zahlreichen Spots begleitet, Phil "The Power" Taylor den Weg durch die Menge.

Jetzt ist die Gelderner Arena endgültig ein Hexenkessel. Die Fans rasten aus, als sich "The Power" mit beeindruckender Gelassenheit und bemerkenswerter Freundlichkeit seiner Dart-Gemeinde zeigt. "Record breaking, history making, 16-time the champion of the world. It's Phil ,The Power' Taylor", stellt John Fowler in lang gezogenen Worten die Legende vor. Längst hält es die Dartsportfans nicht mehr auf den Sitzen. Zwischen den Tischreihen und auf den Stühlen wird getanzt, und gefeiert. Immer wieder ertönt die Hymne "There is only one Phil Taylor, one Phil Taylor, walking along, singing this song, walking in a Taylor wonderland". Der Superstar lässt die Zeremonie in lässiger und sympathischer Art, gespickt mit freundlichen und wohlwollenden Gesten, über sich ergehen.

Dann wird auch Dart gespielt. Erst Taylor gegen Jenkins. "One hundred and eightyyyyyyyyyyy...", hallt es durch den Saal. Sensationell, mit welcher Selbstverständlichkeit die Profis die Minifelder auf der Dartscheibe treffen.

"Game on !" Jetzt sind die Zuschauer an der Reihe und dürfen ihre ersteigerten Matches mit Taylor und Jenkins auf der Bühne austragen. Zum Beispiel der neun Jahre alte Jonas aus Wachtendonk, dessen Papi für 45 Euro ein Match mit Terry Jenkins erworben hat. Caller Fowler hat die Lacher auf seiner Seite, als er sich einen Stuhl reichen lässt, damit der blonde Junge einen zu hoch platzierten Pfeil aus der Scheibe ziehen kann.

" Das ist ein ganz besonderes Ereignis für mich", sprudelt es nach der Partie aus dem Knirps heraus. "Sonst spiele ich ja immer nur gegen meinen Vater. Und manchmal auch mit Mama. Aber jetzt habe ich gegen einen richtigen Superstar gespielt." Oder die hübsche Frau, die aus Brüggen angereist ist und für 170 Euro den Zuschlag für ein Spiel mit Phil Taylor erhalten hat. "Auf der Bühne hat er mir gesagt, dass er noch nie einen Schaukampf gegen eine Frau gemacht hat", erzählt die Glückliche. Ich bin ein absoluter Fan von ihm und verfolge seine Spiele regelmäßig im Fernsehen. Ich habe mir gerade einen Traum erfüllt."

Im letzten Schaukampf des Abends sind die "local heroes" Wolfgang "Wolle" Hoffmann und Daniel "T-Man" Timmermann gefordert. Die Dart-Könige von Geldern müssen gegen "The Power" und "The Bull" ran - und verlieren jeweils nur knapp mit 1:2. Allerdings gehen die beiden Superstars auch sehr gnädig mit ihren Kontrahenten um, lassen aber immer wieder ihre absolute Weltklasse durchschimmern.

Für Missstimmung sorgt lediglich ein englisches Fotografenteam, das den Zuschauern ein "professionelles Fotoshooting" mit den Stars zum Preis von 20 Euro inklusive Autogramm anbietet. Selfies mit Taylor und Jenkins sind streng verboten. Äußerungen wie "Nepp" und "alles reine Geldmacherei" machen die Runde.

Rundum zufrieden zeigt sich Robert Schoppmann, Geschäftsführer des Gelderner Dart-Clubs: "Ich denke, wir haben als Veranstalter verdammt viel richtig gemacht. Von den Besuchern habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Das macht mich stolz. Kleine Pannen lassen sich leider nicht vermeiden."

Das Spektakel endet mit einer Autogrammstunde kurz nach Mitternacht. Wenig später entschwinden die "Künstler an den Pfeilen" in einem pechschwarzen Party-Bus in die gleichfarbige Nacht in Richtung Sauerland.

Quelle: RP
 
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