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Lokalsport
Spannung, Kampf und Rudelbildung

Aldekerk. Im vorletzten Heimspiel der laufenden Saison musste der TV Aldekerk dem vom Abstieg bedrohten Weidener TV einen Punkt überlassen. Die Partie endete 30:30 (17:16). Zwei Sekunden vor Schluss vergab der Gast einen Strafwurf. Von Reinhard Pösel

In der Handball-Regionalliga Nordrhein mussten die Männer des TV Aldekerk gegen den abstiegsgefährdeten Weidener TV den fünften Punktverlust auf heimischem Parkett in dieser Saison hinnehmen. Die insbesondere von den Gästen kämpferisch geführte Begegnung endete in der Vogteihalle 30:30 (17:16).

Als sich beide Mannschaften das letzte Mal am Nieukerker Slousenweg gegenüber standen, ging es nach der Saison 2009/10 zwischen den Meistern der Oberliga Nieder- und Mittelrhein um den Aufstieg in die 3. Liga West. Unter Trainer Burkhard Heesen legten die Aldekerker seinerzeit in heimischer Umgebung mit einem 33:25-Sieg die Grundlage für ihren Aufstieg, den sie sich beim 32:32 im Rückspiel nicht mehr nehmen ließen. Der ATV feierte den Aufstieg in die dritthöchste Handball-Liga, wo er damals mit einer der jüngsten Mannschaften der Liga eine ordentliche Saison absolvierte - auch wenn am Ende der Abstieg nicht zu vermeiden war. Das Prädikat "bester Absteiger" tat gut, war aber nur ein kleines Trostpflaster.

Am vergangenen Samstag hätte nicht viel gefehlt, und das Pendel wäre diesmal zu Gunsten des Weidener Turnvereins ausgeschlagen. Den vorletzten Wurf des Spiels hatte Aldekerks Keeper Florian Lindenau mit dem reaktionsschnell nach oben gerissenen rechten Fuß bravourös gehalten. Doch die dem Wurf vorausgegangene Abwehraktion der Aldekerker meinten die Schiedsrichter unter heftigen Protesten aus dem Aldekerker Lager mit einem Strafwurf ahnden zu müssen.

30:30 lautete zu diesem Zeitpunkt der Spielstand, auf der Uhr war die 60-minütige Spielzeit bis auf zwei Sekunden aufgebraucht. Showdown eines vom Kampf bestimmten Spiels, in dem die Führung einige Male wechselte. "Ein typisches Spiel gegen einen Mittelrheinligisten", befand ATV-Rechtsaußen Tobias Dickel. Mit seiner Aussage verwies er darauf, dass Mannschaften aus dem Mittelrhein eher vom Kampf und weniger von der Technik leben. Insbesondere dann, wenn sie wie der Weidener TV sich fast eine Saison lang mit Vehemenz gegen den Abstieg stemmen.

Showdown also. Und die Frage stand im Raum, ob der ATV im Kampf um den zweiten Tabellenplatz gleich beide Punkte einbüßen wird. Exakt vermessene sieben Meter lagen zwischen ATV-Keeper Janik Schoemackers und dem bis dahin eiskalt auftretenden Siebenmeter-Schützen Jan Antons. Doch als es drauf ankam, spielten die Nerven dem Weidener einen Streich. Der Ball ging nicht ins Tor, verfehlte es sogar und sprang mit dumpfem Widerhall von der Hallenwand zurück.

Konsterniert und enttäuscht verharrte Antons an der Siebenmeterlinie, wurde womöglich erst durch die ihm von Seiten Aldekerker Spieler entgegen gebrachte Häme in die Wirklichkeit zurückgeholt. Und da sich seine Mitspieler die wenig sportliche Reaktion des Gegners nicht gefallen lassen wollten, kam es zu einer massiven Rudelbildung von Spielern beider Mannschaften. Doch die daran beteiligten Akteure beruhigten sich recht schnell wieder, ehe die Situation aus dem Ruder lief.

Vielleicht stand die letzte Aktion symbolisch dafür, dass an diesem Abend kämpferische Mittel gefragt waren, vor denen die Aldekerker wie vorher schon einige Male in der Saison respektvoll zurücksteckten. Trainer Achim Schürmann ärgerte das Verhalten seiner Spieler, kritisierte aber auch die Leistung der Schiedsrichter Malte Brinkmann und Björn Tekolf. "Die haben so gepfiffen, wie man es in der 1. oder 2. Bundesliga macht. Wir jedoch spielen in der vierten Liga und da sollte bei Regelwidrigkeiten ein anderer Maßstab angelegt werden. Tut man das nicht und lässt zu viel durchgehen, dann entsteht ein Spiel wie heute, bei dem der Gegner unbestraft auf alles einschlagen kann, was sich bewegt."

Das Ergebnis sei Männer-Handball, wie er in den Profiligen und auf europäischer Ebene gespielt würde. Wenn seine Spieler das könnten, würden sie nicht in der vierten Liga spielen.

So konnten auf gegnerischer Seite Kampf, Einsatz und Härte zum gebilligten Stilmittel werden, von dem sich die Aldekerker beeindrucken ließen und gegen das sie kaum Antworten fanden. Trotzdem schaffte es die Schürmann-Truppe, in der Schlussphase einen schon spielentscheidend aussehenden Rückstand von drei Toren zu egalisieren. Das lag an zwei Umständen. Zum einen an der Manndeckung von zunächst einem, später dann zwei Weidener Angreifern, mit dem der Gegner nicht zurecht kam. Und zum anderen an Matome Rampyapedi, der mit feinen Würfen von der rechten Seite und Strafwurflinie traf.

Am Ende stand ein 30:30-Unentschieden, das nur mit viel Dusel nicht zu einer Aldekerker Niederlage wurde.

Quelle: RP
 
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