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Sportpolitik
Sportlern fällt die Decke auf den Kopf

Geldern. Trainingseinheiten fallen aus, Meisterschaftsspiele sind gefährdet: Viele Gelderner Sportler und Sportlerinnen müssen zurzeit auf ihre Lieblingsbeschäftigung verzichten. Noch steht nicht fest, wie lange die Turnhallen gesperrt bleiben. Von Volker Himmelberg

Die Zumbatänzerinnen des TTC Geldern-Veert konnten gestern Abend ihrem Hobby nachgehen. Schauplatz der schweißtreibenden Übungen war ausnahmsweise die Gaststätte "Zur Niersbrücke". Denn die Zweifach-Sporthalle der Sekundarschule an der Anne-Frank-Straße, in der sich die Frauen ansonsten austoben, gehört zu jenen acht der insgesamt 15 Gelderner Turnhallen, die zurzeit gesperrt sind. Die Zahl könnte sich in den nächsten Tagen auf elf erhöhen, da die Sachverständigen der Dekra die Deckenkonstruktionen der beiden Hallen des Lise-Meitner-Gymnasiums sowie die Gymnastikhalle der Franziskusschule noch gar nicht geprüft haben. Weiterer Wackelkandidat: das Parkbad Gelderland. Für alle Gelderner Sportler und Sportlerinnen, die ein Dach über dem Kopf benötigen, kommt's momentan knüppeldick.

"Das ist eine Situation, wie wir sie in unserer Stadt noch nicht erlebt haben", sagt Eugen Brück. Der Vorsitzende des TTC Geldern-Veert ist ein Meister des schnellen Handelns und hatte für "seine" Zumba-Frauen im Handumdrehen eine Ausweichstätte organisiert. Doch der Improvisation sind Grenzen gesetzt. Die Tischtennisspieler des TTC müssen eventuell bis zum Saisonende sämtliche Meisterschaftsspiele auswärts austragen. Betroffen sind sie alle. Kampfsportler, Volleyballer, Basketballer, Badmintonspieler, Turner oder Gesundheitssportler - alle sind gespannt auf die Informationen, mit denen Bürgermeister Sven Kaiser wahrscheinlich am kommenden Montag rausrückt.

Eine Tendenz ist noch nicht absehbar. Eventuell sind die Schäden halb so schlimm. Wenn beispielsweise die bemängelten Nägel nur durch Schrauben ersetzt werden müssen, sollte dies halbwegs schnell und günstig über die Bühne gehen können. "Aber wehe, wenn auch die Unterkonstruktion etwa durch Feuchtigkeit beschädigt ist. Dann geht das erst einmal durch alle Gremien, bevor ein Handwerker rausrückt. Gute Nacht, Maria", warnt Brück.

Die finanziellen Unterschiede sind in der Tat immens. Den Stein ins Rollen hatten im vergangenen Sommer heruntergefallene Deckenplatten in einer Bochumer Sporthalle gebracht. Seitdem müssen sämtliche Turnhallen in NRW auf den Prüfstand. Die Stadt Bochum sperrte nach dem Vorfall insgesamt 34 Hallen, der zuständige Schuldezernent Michael Townsend bezifferte die Reparaturkosten auf 3,5 Millionen Euro - rund 100 000 Euro pro Halle. Die Stadt Moers hatte bereits vor einigen Jahren die Decken untersuchen lassen und 13 Turnhallen gesperrt. Reparaturkosten für das Gesamtpaket: gerade einmal 170 000 Euro (rund 13 000 Euro) pro Halle.

Geldern hat es offensichtlich besonders krass getroffen. Doch es ist recht wahrscheinlich, dass auch noch andere Städte und Kommunen im Kreis Kleve in nächster Zeit Turnhallen wegen schadhafter Deckenkonstruktionen schließen müssen. Lutz Stermann, Vorsitzender des Kreissportbundes Kleve, fordert die Gemeinden zum schnellen Handeln auf: "Fürsorge ist richtig. Schließlich möchte niemand, dass etwas passiert. Aber falls Reparaturen erforderlich sind, dürfen diese nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag hinausgeschoben werden."

Eugen Brück kann dem ganzen Theater immerhin eine positive Seite abgewinnen: "Jetzt sehen die Politiker wenigstens einmal, dass es wichtig ist, sich um die Substanzerhaltung öffentlicher Gebäude zu kümmern." Und hat noch einen Ratschlag parat, falls es für die Stadt Geldern teuer kommen sollte: "Man denkt ja schon wieder über einen neuen Kunstrasenplatz nach. Vielleicht ist das Geld besser angelegt, wenn es in die Sanierung der Turnhallen gesteckt wird."

Eine Lösung muss jedenfalls her. Denn den Sportlern fällt momentan angesichts der unfreiwilligen Zwangspause in anderer Hinsicht die Decke auf den Kopf. . .

Quelle: RP
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