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Handball
"Talent" aus der Vierten des ATV hilft aus

Aldekerk. Handball-Oberliga: Der TV Aldekerk schlug ART Düsseldorf 28:23 (15:10). Nach zehn Minuten schien das Spiel den Mannen von Trainer Schürmann zu entgleiten. Dass es nicht so weit kam, daran hatte auch Simon Welzel seinen Anteil. Von Reinhard Pösel

Mit einer feinen Siegesserie vor der Winterpause hatte sich der ART Düsseldorf aus dem Stadtteil Rath ins obere Drittel der Tabelle geschoben. Respekt vor dem Gegner war dann auch im Lager des TV Aldekerk zu hören, dessen Spielern die Leistungen der Landeshauptstädter nicht verborgen geblieben waren. Und fragte man genauer nach, dann bestanden die Antworten zumeist aus Spielernamen: die Ex-Bundesligaspieler Timo Heuft und Bastian Arnaud, die im Laufe der Saison beim Allgemeinen Turnverein anheuerten, wurden genannt, aber auch Marco Bauer, Simon Wohlrabe, Patrik Ranftler und der junge Philippe d'Avoine. "Das sind alles Spieler, die in jeder Situation torgefährlich sind und uns dadurch bereits im Hinspiel Ende September das Leben schwer gemacht haben", schrieb ATV-Akteur Karsten Wefers im Hallenheft. Trainer Achim Schürmann hatte sich diesbezüglich ebenfalls geäußert, indem er den Düsseldorfern das Potenzial zuschrieb, um die Titelvergabe ein gewichtiges Wort mitsprechen zu können. In dem Bereich der Liga allerdings, wo die Luft dünner und die sportlichen Träume süßer werden, sieht Schürmann momentan aber auch die eigene Mannschaft. "Wir wollen uns jetzt um die Plätze oben kümmern", lautete seine Absichtserklärung.

Mit anderen Worten: In der Vogteihalle trafen zwei Mannschaften aufeinander, die der Güteklasse der höchsten Liga des Handballverbandes Niederrhein angehören. Und da gilt es, dem Gegner von Anfang an klar zu machen, was Sache ist. Das gelang den Aldekerkern in der Anfangsphase des Spiels einigermaßen gut, jedenfalls lagen sie mit 3:1 in Front und schienen gut in die Begegnung zu kommen. Doch fünf Minuten später lautete das Ergebnis 3:5. Als Timo Heuft von der linken Rückraumposition kurz darauf mit zwei recht einfach erzielten Tore die Aldekerker weiter ins Hintertreffen gebracht hatte, riss Trainer Schürmann der Geduldsfaden. Mit der Grünen Karte unterbrach er erst einmal den Abwärtstrend seiner Mannschaft. Anschließend sah man ihn wild gestikulierend und mit bitterbösem Gesichtsausdruck inmitten seiner Spieler. "Ich glaube, ich habe alles an Schimpfworten rausgehauen, was mir so einfiel", erklärte Schürmann später. Da spreche er bei jeder Gelegenheit von einem Spitzenspiel und dann fehle es an der Einstellung der eigenen Mannschaft, die sich "blutleer und viel zu lieb" zeige.

Schürmanns Worte müssen eine Menge von Explosivkraft enthalten haben. Kaum war das Spiel von den Schiedsrichtern wieder angepfiffen worden, entlud sich der von Schürmann gelegte Sprengstoff in schnell herausgespielten Toren und einer jetzt endlich zupackenden Abwehr. Dabei galt es, neben Rechtsaußen Patrick Ranftler dem wurfstarken Düsseldorfer Rückraum beizukommen.

Die Aufholjagd begann, nach 15 Minuten war der 7:7-Ausgleich geschafft, nach 22 Minuten stand es immer noch remis, diesmal 10:10. Die Aldekerker hatten die Augenhöhe wieder hergestellt, die gegnerische Abwehr suchte nach den richtigen Mitteln. Es gelang nicht immer. Ein Leidtragender im Eifer des Gefechts war der Aldekerker Janis Kempmann, der eine Schulterverletzung davontrug und anschließend nicht mehr weitermachen konnte. Der Mitverursacher auf Düsseldorfer Seite, Rene Wagner, wurde daraufhin disqualifiziert.

Das Spiel des ATV blieb in der Spur, wenn gleich man von Düsseldorfer Fehlwürfen profitierte. Bisweilen allerdings waren diese auch die Konsequenz einer körperbetonteren ATV-Abwehr. Die Aldekerker fanden immer besser die richtige Distanz zu ihren Gegenspielern, während sie im Angriff gegen die kompakte Düsseldorfer Abwehr geduldig den Ball kreiseln ließen, bis ihnen die Wahrscheinlichkeit groß genug schien, dass die Lücke zum erfolgreichen Torwurf ausreichte.

Mit einer 10:2-Serie zwischen der 25. und 37. Minute setzte sich der ATV auf 20:12 ab. Als der Düsseldorfer Ranftler bei einem Gegenstoß Fabian Schneider in der Luft attackierte, blieben die Schiedsrichter bei ihrer Linie und disqualifizierten in der 43. Spielminute auch den Düsseldorfer Rechtsaußen. Vielleicht eine, wenn nicht die Vorentscheidung im Spiel. Düsseldorf fehlte nun die linke Hand, experimentierte daraufhin im Angriff, ohne aber den Stein des Weisen zu finden. Vielmehr trafen sie auf eine beherzt agierende Aldekerker Abwehrreihe, in der sich Simon Welzel "aus dem Talentschuppen der Vierten", wie er nach dem Spiel spitzbübisch anmerkte, ein um das andere Mal auszeichnete. Es passte ins Bild, dass ausgerechnet Welzel es war, der nach eigener Balleroberung mit dem vorletzten Treffer des Spiels den Sack endgültig zumachte.

Quelle: RP
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