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Sportschießen
Triple geschafft, Tokio 2020 im Visier

Sportschießen: Triple geschafft, Tokio 2020 im Visier
Sport und Beruf miteinander verbunden: Michelle Kroppen ist nun Polizeimeisteranwärterin und kann ihrem Sport gleichzeitig viel Zeit widmen. FOTO: Sven Drese
Geldern. Die Bogenschützin Michelle Kroppen (20) aus Straelen konnte bei den Deutschen Meisterschaften glänzen. Nun wechselt sie von den Junioren in den Seniorenbereich. Der Fokus liegt auf Olympia 2020. Zum Tag der Deutschen Einheit kommt sie heim.

Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft! Und bei den Junioren-Europameisterschaften in Bukarest hast Du ebenfalls vorne mitgemischt, standest im Finale. Wie lautet Deine persönliche Einschätzung?

Michelle Kroppen Es ist mein letztes Jahr als Juniorin. Ich wollte auf jeden Fall noch einmal die Deutsche Meisterschaft gewinnen und ein i-Tüpfelchen setzen. Mein Ziel war das Triple, das habe ich geschafft.

Wie war es bei der Deutschen Meisterschaft?

Kroppen Es war warm, sehr sehr warm.

Auf den Fotos bist Du immer mit Hut zu sehen.

Kroppen (lacht) Ja, an den gewöhnt man sich. Ich trag' den einfach immer draußen. Es ist nicht die schönste Mütze, eher so ein blöder Anglerhut. Aber wenn Sonne oder Regen kommen, schützt er mich.

Wie war es denn bei der EM?

Kroppen Als Mixed-Team haben wir Silber geholt. Mixed-Team bedeutet, man schießt zu zweit, die beste Juniorin und der beste Junior nach der Quali. Im Einzel bin ich bei der EM Neunte geworden.

Wer war denn Dein Mixed-Partner bei der EM?

Kroppen Carlo Schmitz, den kenne ich bestimmt schon acht Jahre. Wir haben früher zusammen im Landeskader angefangen. Das war schon cool. Es ist auch besser, wenn man sich kennt, wenn man zusammen bei einem Turnier antritt. Man weiß, was der andere braucht, wenn es nicht so gut läuft, ob man ihn anfeuern soll oder besser gar nichts sagt.

Für Dich steht nun der Wechsel zu den Seniorinnen an. Wie sieht es damit aus?

Kroppen Bei den nächsten Deutschen Hallen-Meisterschaften im Februar werde ich erstmals in Konkurrenz zu den guten deutschen Damen antreten. Das ist eine kleines Reinschnuppern für die Draußen-Saison. Ziel ist es, einen guten Anschluss zu finden.

Was ändert sich? Auf wen wirst Du treffen?

Kroppen Die Olympia-Zweite, Lisa Unruh, ist ab sofort meine Konkurrentin, aber auch meine beste Freundin. Klar bleiben wir Freundinnen, aber natürlich will man auch immer gewinnen. Aber man freut sich trotzdem für den anderen. Und auch bei den Erwachsenen startet man als Mannschaft. Mit Freunden Weltmeister zu werden, was kann es Schöneres geben?

Welche Wettbewerbe stehen an?

Kroppen Es gibt einen Weltcup in Antalya, einen in Berlin. Das sind die Vorbereitungswettkämpfe für die Senioren-WM in Mexico-City. Es wird schwierig werden und ein harter Kampf, aber ich werde alles geben.

Für Dich hat sich nicht nur im Sport etwas geändert, sondern auch beruflich. Du hast das Glück, Sport und Beruf zu verbinden.

Kroppen Von der Sportschülerin in Jena bin ich nun Polizeimeisteranwärterin geworden. Seit dem 1. September habe ich meine Ausbildung im Bundesleistungszentrum in Kienbaum in der Nähe Berlins begonnen. Ich bin überglücklich, diese Chance bekommen zu haben und in der Sportfördergruppe zu sein.

Wie sieht Dein Alltag aus und wie läuft Deine Ausbildung ab?

Kroppen Unsere Ausbildung dauert vier Jahre. In den ersten drei Jahren haben wir nur vier Monate Unterricht. In der restlichen Zeit bekommen wir unser Gehalt weiter, doch dann ist unser Unterricht der Sport. Wir können und sollen jeden Tag trainieren. Ich habe mein Hobby für die nächsten Jahre zum Beruf gemacht.

Wie ist der Weg in diese Form der Ausbildung und Förderung?

Kroppen Der erste Weg war, dass ich mit meinem Bundestrainer darüber gesprochen habe, dass ich Interesse habe, mich für die Bundespolizei und das Sportleistungsprogramm zu bewerben. Der Nationaltrainer meldet das an den Dachverband der Sportschützen und setzt sich für einen ein. Was zählt, sind die Ergebnisse bei Wettbewerben und die Chancen, bei Olympia teilnehmen zu können, um in die Spitzensportförderung der Bundespolizei hineinzukommen. 12 von 30 Bewerbern sind angenommen worden, davon acht Frauen. Das ist schon sehr ungewöhnlich.

Momentan hast Du eine viermonatige Unterrichtsphase. Wie sieht Deine Woche dann aus?

Kroppen Von kurz nach 7 bis 16 Uhr haben wir Unterricht. Von 17 bis 19 Uhr ist Training, dann Abendessen und Lernen. Dadurch, dass wir so wenig Schulzeit haben, muss alles viel schneller gehen, wir müssen auch schneller lernen. Am Freitag ist bereits um 12.15 Uhr Schulschluss, um nach Hause oder zu Wettkämpfen fahren zu können. Demnächst steht das Schießen in der Bundesliga wieder an. Zum Tag der Deutschen Einheit komme ich nach Hause, sonst lohnt sich das für mich kaum.

Wenn Du keinen Unterricht hast, sondern reine Sportmonate, wie sehen diese aus?

Kroppen Ich fahre zum Sportforum Hohenschönhausen. Das ist das Zentrum des Berliner Leistungssports. Dort trainieren die ganzen guten Schützen. Ich trainiere jeden Tag vier bis fünf Stunden inklusive Physio und Mentaltraining. Danach ist Feierabend oder Wettkampf. Ein ganz normaler Alltag, das ist bei mir der Sport.

Hast Du etwas verändert beim Training, jetzt, wo Du für die Seniorinnen startest?

Kroppen Ich habe einen neuen Bundestrainer. Ohne ihn wäre ich nicht in das Sportförderprogramm der Bundespolizei hineingekommen. Die Trainingsinhalte sind nun auch viel höher gesetzt. Statt drei bis vier Maßnahmen im Jahr im Juniorinnenbereich ist jeden Monat eine besondere Trainingsmaßnahme geplant. Die Schusszahlen werden auf 200 bis 300 pro Woche gesteigert. Früher war einmal in der Woche Laufen und einmal in der Woche Krafttraining, das kann und sollte ich nun einmal am Tag ans Training anschließen.

Wie geht es Dir damit?

Kroppen Ich bin Leistungssportlerin und das ist mein Job. Bei den Seniorinnen möchte ich mir einen Platz sichern und nicht das fünfte Rad am Wagen sein. Ausdauer ist eine wichtiges Thema, weil unsere Wettkämpfe auch schon mal zehn Stunden dauern. Ich muss bei all dem ein gutes Gleichgewicht finden und hoffe, das ist die richtige Richtung.

Die geht wohin?

Kroppen Die ist für jeden Leistungssportler natürlich Olympia. Wenn ich Glück habe, ist 2020 nicht meine einzige Chance, vielleicht kann ich auch 2024 dabei sein. Ich werde natürlich alles geben, denn mit meiner Ausbildung habe ich eine Chance, die nicht jeder Sportler hat.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
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