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Handball
Unnötige, aber nicht unverdiente Niederlage

Aldekerk. Handball-Regionalliga: Erste Saisonpleite des TV Aldekerk im siebten Spiel. Bei der TSV Bonn verlor er mit 30:33 (17:17) die Tabellenführung. Von Reinhard Pösel

Am Samstagabend trafen im rechtsrheinischen Bonner Stadtteil Beuel der Tabellenführer TV Aldekerk auf die um zwei Punkte schlechter gestellte Bonner Turn- und Spielvereinigung. So jedenfalls sah die Tabellenkonstellation vor dem Duell der beiden derzeit besten Mannschaften der Regionalliga Nordrhein aus. Anderthalb Stunden später hatten die ehemaligen Bundeshauptstädter die Schürmann-Truppe an der Tabellenspitze abgelöst. Mit 33:30 wiesen sie ihren Gegner in die Schranken, nachdem es beim Seitenwechsel noch 17:17 gestanden hatte.

"Wir waren aber keine drei Tore besser", relativierte TSV-Coach Trainer David Röhrig das Ergebnis. An dem verdienten Sieg seiner Mannschaft in einem emotional geführten Spiel wollte der 26-Jährige jedoch keinen Zweifel lassen. Das sei "eine schöne Momentaufnahme, wenn man weiß, wo wir herkamen", fand Röhrig. Mit dieser Aussage nahm er Bezug darauf, dass sich seine Mannschaft in der vergangenen Saison als letztes Team aus dem Mittelrhein für die vierthöchste Handballklasse qualifizieren konnte. Von daher müsse man alles richtig einordnen. "Wir haben einen Lauf und genießen diesen Zustand", sagte Röhrig. Auf eine Frage nach den möglichen Aufstiegsaspiranten ließ der junge Coach seine Mannschaft dann auch bewusst außen vor. "Da kommen andere infrage", ist Röhrig überzeugt. "Düsseldorf, Aldekerk und nicht zu vergessen die Panther."

Derweil hatten sich die meisten Aldekerker Spieler und Verantwortliche vor die Sporthalle verzogen. Eine eng gebaute Spielstätte im Übrigen, die den Charme der 60er und 70er Jahre versprühte. Im Laufe der Zeit hatte man nachträglich vor dem Kabinentrakt im oberen Teil der Halle zwei, drei Sitzreihen eingezogen, so dass wenigstens einige Zuschauer Augenzeuge der Handballspiele in dieser Halle werden können.

In frischer Luft bei frühwinterlichen Temperaturen verarbeiteten die Aldekerker ihren Frust über die Niederlage, die ATV-Trainer Achim Schürmann "ärgerlich und unnötig" nannte. Er haderte mit der schwachen Leistung des Schiedsrichtergespanns, das gegen ihn kurz vor Ende des Spiels eine Zwei-Minuten-Strafe verhängte. Schürmann war sich aber mit seinem Co-Trainer Tobias Dickel darin einig, das nicht die Leistung der Schiedsrichter der Grund für die erste Saisonniederlage seines Teams war, sondern "die haben wir uns schon selber zuzuschreiben", wie es Dickel ausdrückte. "Männer-Handball" sei in diesem Spiel von Aldekerk verlangt gewesen, sagte Schürmann, und den hätten die meisten seiner Akteure im Gegensatz zum Gegner nicht geboten. Die meisten Torwürfe des Gegners seien aus sechs, sieben Metern gekommen, da sei Körperkontakt gefragt, wenn man Tore verhindern möchte. "Das tut weh, aber so sieht nun mal Männer-Handball aus."

"Die Bonner haben uns nicht überrascht", versicherte Schürmann, "sie haben genauso gespielt, wie wir das erwartet und worauf wir uns auch im Training eingestellt hatten." So wussten die Aldekerker um die Wurfqualität des Bonners Thomas Onnebrink, auf den man in der Abwehr trotzdem keinen Zugriff bekam und der schließlich zum Bonner Sieg ein Drittel der Tore beisteuerte. Dagegen gelang es den Gastgebern, sich auf Thomas Jentjens, den Top-Scorer auf Aldekerker Seite, gut einzustellen.

Die Aldekerker legten los wie die Feuerwehr. Trainer Schürmann fühlte sich an die starken 40 Minuten seiner Mannschaft beim Sieg in Opladen erinnert. Mit Tempo- und Kombinationshandball fieselte der ATV in den ersten Minuten seinen Gegner auseinander: 3:1, 4:2, 6:3, 8:4 lauteten die Zwischenstände bis zur 10. Minute. Und weitere Chancen waren da, die Führung auszubauen. Erreicht wurde das mit zwei Torleuten, die einen rabenschwarzen Tag erwischten und kaum eine Hand an den Ball bekamen. "Uns war aber klar, dass Aldekerk das nicht 60 Minuten lang durchhalten wird", gestand hinterher Bonns Trainer Röhrig, dessen Mannschaft auf der Basis einer gut funktionierenden 3:2:1-Deckung mit zunehmender Spieldauer die Oberhand über das Geschehen bekam und sich am Ende verdient als Sieger und neuer Tabellenführer feiern lassen durfte.

Schürmann: "Jetzt müssen wir uns schütteln, und es gegen Düsseldorf besser machen." Denn auch in diesem Spiel werde wieder "Männer-Handball" gefragt sein.

Quelle: RP
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