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Handball
Verkorkster Auftritt des ATV in Opladen

Aldekerk. Handball-Regionalliga: Weite Phasen des Spiels zeigte Grün-Weiß eine sehr schwache Leistung. Am Ende hieß es aber nur 32:34 (12:16). Von Reinhard Pösel

Dem Mond werden immer mal wieder geheimnisvolle Kräfte angedichtet, die auf unerklärliche Weise das Leben auf diesem Planeten beeinflussen und auf nicht geplante Bahnen führen sollen. War am vergangenen Samstag etwa so ein Tag? Einen Abend vor dem ersten Adventssonntag leuchtete jedenfalls der Himmelskörper in voller Pracht. Er konkurrierte gewissermaßen mit dem illuminierten Bayer-Kreuz ganz in der Nähe.

Zum Greifen nah war der Mond, als sich im Leverkusener Stadtteil Opladen die Zuschauer auf den Weg in die Sporthalle am Wiembach aufmachten. Sofern die Anhänger mit dem Tabellenvierten TuS Opladen sympathisierten, waren sie guter Dinge. Hatten die Handballer von Trainer Fabrice Voigt, der früher als Mittelmann das Opladener Spiel inspirierte und dies als verantwortlicher Coach aus anderer Position heraus jetzt wieder tut, in dieser Saison noch keines ihrer fünf Heimspiele verloren. Nur die SG Langenfeld entführte einen Punkt - in Anbetracht deren Klasse war das aber zu verschmerzen. Und da die Opladener auch in fremden Hallen in dieser Saison eine ordentliche Figur abgegeben hatten, konnten sie dem TV Aldekerk selbstbewusst gegenübertreten.

Das allerdings war kein Grund dafür, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn auch bis an den vor der Sporthalle dahinplätschernden Wiembach war die Kunde gedrungen, dass die Mannschaft von Aldekerks Coach Matthias Sommer mit der von Bonn, wo sie vor noch nicht langer Zeit einen leblosen Eindruck hinterlassen hatte, nicht mehr zu vergleichen ist. Siege gegen Köln-Wahn, Rheinbach und eine starke Leistung bei der Niederlage in Ratingen deuteten beim ATV auf eine Wende zum Besseren hin. Vor dem Anpfiff stand er auf Platz fünf, auf Augenhöhe mit Opladen, eigentlich eine feine Konstellation für ein offenes Duell.

Dann lief schließlich das Spiel in der Regionalliga Nordrhein. Doch mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit und Willen schien nur eine Seite bei der Sache zu sein - in der Abwehr gleichermaßen wie im Angriff. Die daraus folgende Konsequenz: Opladen versenkte den Ball in einer für den TV Aldekerk nicht sehr angenehmen Regelmäßigkeit in dessen Kasten. Der zuletzt mit Recht so gelobte Aldekerker Torwart, Janik Schoemackers, musste sich an diesem Abend vorgekommen sein wie in einem falschen Film. Ein Streifen, in dem seine Vorderleute die Devise verfolgten, den Opladener Angreifern mit möglichst wenig Körperkontakt zu begegnen. Marius Anger und Joshua Rinke, die zusammen für die Hälfte der Opladener Tore verantwortlich zeichneten, dürften sich über den ihnen gewährten Freiraum gefreut haben. Sie nutzten diesen reichlich aus und wagten sich bei ihren Abschlüssen immer näher an den Wurfkreis der Aldekerker heran.

Als ATV-Coach Sommer der Auftritt seiner Handballer zu bunt wurde und er daraufhin mit dem grünen Karton um eine Auszeit bat, waren erst zehneinhalb Minuten vorüber. Seine Mannschaft lag mit 4:9 hinten, ohne auch nur die leisesten Anzeichen auszusenden, dass sich der Negativtrend in absehbarer Zeit zum Besseren wenden könnte. Am ehesten hätte das noch in der Defensive passieren können.

In der Offensive jedoch mussten die Aldekerker erkennen, dass sich Opladen perfekt auf die jüngsten Abläufe im Aldekerker Spiel eingestellt hatte. Thomas Jentjens zogen die Gastgeber mit entsprechender Gegenwehr ganz früh im Spiel den Zahn - Bälle, die trotzdem den Weg durch die Opladener Deckung fanden, hatten allenfalls die Qualität besserer Rückgaben. Den anderen Schlüssel im Aldekerker Offensivspiel hatte Opladen bei der Vorbereitung auf das Spiel in den Spielmacher-Qualitäten von Can Greven ausgemacht. Das durch ihn zuletzt aufgezogene Kombinationsspiel ließen sie zunächst überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Durchaus gelegen kam Opladen zudem der Umstand, dass sie der halblinken Rückraumposition der Aldekerker - immerhin die Königsposition im Handball - kaum Beachtung schenken mussten. Bis auf einige zugebenermaßen gescheite Pässe von Richard Pasch auf Jonas Mumme tat sich dort wenig.

So waren die Aldekerker nach dem klaren Rückstand aus der Anfangsphase des Spiels über weite Strecken des Spiels gezwungen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Ein zweites Mal wie jüngst in Bonn wollten sie nicht unter die Räder geraten. Das spürte man. Und obwohl das Spiel deutlich gegen sie lief, rissen sich die Aldekerker zusammen, nahmen die Umstellungen ihres Trainers bereitwillig an und widersetzten sich, so gut es an diesem verkorksten Abend eben ging, der Überlegenheit des Gegners.

12:16 lautete das Ergebnis beim Seitenwechsel, gut zehn Minuten später stand es sogar 16:26. Entnervt nahm daraufhin Aldekerks Christian Thommessen, der nach zehn Minuten den Platz von Schoemackers eingenommen hatte, wieder auf der Bank Platz. Doch plötzlich ließen die Opladener die Konzentration schleifen und nahmen sich 18 Minuten vor dem Ende eine längere Auszeit. Und weil die Moral - anders als in Bonn - bei Aldekerk zumindest noch glimmte, zogen sie durch entschlossen zuende gebrachte Einzelaktionen von Can Greven, Benedikt Liedtke und Matome Rampyapedi daraus schnell Kapital - in einer Weise, die man nach dem bis dahin zu beobachtenden Spielverlauf nicht für möglich gehalten hätte.

Kontinuierlich verkürzte der ATV den Rückstand und war 90 Sekunden vor Schluss beim Stand von 32:33 tatsächlich bis auf ein Tor an Opladen herangekommen. Aus der Belohnung für die Aufholjagd, die bei der Betrachtung der kompletten 60 Minuten unangemessen groß ausgefallen wäre, wurde jedoch nichts. Denn statt bei einem Wurfversuch von Liedtke auf Foulspiel und Freiwurf für den ATV zu entscheiden, ließen die Schiedsrichter Kolk/Fechtner die Partie mit Ballbesitz für Opladen weiterlaufen. Kurze Zeit später erhöhte Aaron Ellmann auf den 34:32-Endstand.

Ein denkwürdiges Spiel war damit zuende. "Maachtet joot", verabschiedete sich der Hallensprecher und entließ Spieler und Besucher in die mondhelle Nacht - eine, die beim Verlierer einigen Gesprächsstoff bereitgehalten haben dürfte.

Quelle: RP
 
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