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Golf
Volkssport Golf in der Niederrhein-Idylle

Golf: Volkssport Golf in der Niederrhein-Idylle
Brückenposten: Platzwart Oliver Hendrix hat vom kleinen Steg aus, der über die Fleuth führt, einen guten Blick über die Golfanlage. Der 51-jährige Architekt sieht regelmäßig nach dem Rechten und hat ein offenes Ohr für die Wünsche und Anregungen der Mitglieder. FOTO: Gerhard Seybert
Issum. Platzwart Oliver Hendrix kennt auf der 18-Loch-Anlage am Pauenweg einen Eisvogel und jeden Grashalm. Und der 51-Jährige hat mit seinen Vorstandskollegen einen Imagewandel hin zum sympathischen Golf-Club Issum eingeleitet. Von Volker Himmelberg

Clemens Brüx ist ein echter Issumer Junge. Dennoch musste er erst einmal 55 Jahre alt und Bürgermeister seines Heimatortes werden, ehe er vor einigen Wochen erstmals den Golfplatz am Pauenweg betrat. Brüx war schwer beeindruckt, als er die Sieger der ersten Gemeinde-Meisterschaft ehrte. Auch der erste Issumer Bürger hatte vorher nicht gewusst, welches Naturparadies direkt vor der Haustür liegt.

"Das ist symptomatisch. Wir arbeiten immer noch die Fehler auf, die in den Anfängen unseres Vereins gemacht worden sind", sagt Dirk Dratsdrummer, der als "Beisitzer Marketing" zum zehnköpfigen Vorstand des GC Issum gehört. Aller Anfang war 1973, als einen Steinwurf vom Pauenhof entfernt einer der ersten Golfplätze am Niederrhein entstand - seinerzeit noch als Neun-Loch-Anlage. Die Gründer kamen in erster Linie aus den Nachbarstädten Moers und Xanten und blieben mehr oder weniger unter sich. Für Issum interessierten sich die ersten Golfer nicht - und umgekehrt die Issumer für den neuen Club auch nicht.

Weiterer Nachteil: Der GC Issum galt lange Zeit als "Club der Reichen" und ziemlich elitäre Angelegenheit. Kein Vorurteil, sondern durchaus Realität. "Als ich 1992 Mitglied werden wollte, musste ich vorher noch ein Gespräch mit einer älteren Dame führen. Die hat erst einmal getestet, ob ich auch die erforderlichen Manieren mitbringe", erzählt Oliver Hendrix. Der 51-jährige Architekt ist mittlerweile Platzwart des Vereins und kümmert sich darum, dass die Golfer nicht nur ihren Sport, sondern auch ein einmaliges Naturerlebnis genießen können.

Doch die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Anno 2017 ist Golf fast schon so etwas wie ein Volkssport. Das hat sich mittlerweile auch bei vielen Issumern herumgesprochen - Clemens Brüx ist das jüngste Beispiel. Und Dirk Dratsdrummer, Oliver Hendrix und ihre Vorstandskollegen feilen unermüdlich am neuen, sympathischen Image.

Mit Erfolg: Der Golf-Club Issum zählt aktuell rund 600 Mitglieder. In der Regel ganz normale Menschen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft, die ein tolles und durchaus erschwingliches Hobby für sich entdeckt haben. Die einmalige Aufnahmegebühr beträgt 500 Euro - zum Vergleich: zu Beginn der 90er Jahre waren noch 10 000 Mark fällig. Die Jahresgebühr kostet 1470 Euro für Erwachsene. Klingt zunächst teuer, ist es aber nicht. Denn im Gegenzug dürfen die Golferinnen und Golfer die Anlage so oft nutzen, wie sie möchten. Und bekommen die Garantie, dass sie ein natürliches Idyll in der ursprünglichen Niederrhein-Landschaft vorfinden. Dafür sorgen Chef-Greenkeeper Andrew Harrison und seine Kollegen. Und selbstverständlich Oliver Hendrix.

Der Platzwart kennt jeden Grashalm auf dem weitläufigen Gelände. Und weiß beispielsweise ganz genau, aus welchem Teich sich nicht nur verloren gegangene Bälle, sondern auch beeindruckende Süßwasser-Muscheln fischen lassen. Oder sich mit etwas Glück der Eisvogel blicken lässt, der in der Nähe von "Loch 12" sein Zuhause hat. Dann wäre da auch noch eine seltene Bienenart. Hendrix verrät das nächste Projekt der sportlichen Naturfreunde: "Wir möchten hier die niederrheinische Orchidee ansiedeln. Die gibt's wirklich."

Damit auch Anfänger möglichst schnell in den Genuss solcher Eindrücke kommen, hat der Golf-Club Issum ein Paten-System entwickelt. "Unsere Golflehrer vergeben zunächst eine eingeschränkte Platzreife. Die Neulinge werden auf ihren Runden von erfahrenen Spielern begleitet. Diese Regelung kommt sehr gut an", sagt Dratsdrummer.

Ohnehin hat der Issumer Vorstand immer wieder gute Ideen auf Lager, um die Golfer bei Laune zu halten. Jüngstes Beispiel: Eine Zusammenarbeit mit sieben Vereinen aus den Niederlanden und Belgien. Die Mitglieder der beteiligten Clubs dürfen die jeweiligen Plätze für kleines Geld nutzen.

Fazit: Snobs in Karohosen waren gestern, Volkssport ist heute. Der Golf-Club Issum liegt mit seinem Wandlungsprozess in den vergangenen Jahren voll im Soll - oder im Par, um in der Golfersprache zu bleiben.

Quelle: RP
 
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