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Leichtathletik
Zwei Rekorde und eine müde Königin

Leichtathletik: Zwei Rekorde und eine müde Königin
Moralische Unterstützung: Viele Twistedener spendeten den Läufern gestern entlang der Strecke Beifall. Mehr als die Hälfte der Sportler hatten eine weite Anreise in Kauf genommen, um den Kevelaer-Marathon in Angriff nehmen zu können. FOTO: Markus van Offern
Kevelaer. 433 Läufer und Läuferinnen sorgten gestern beim "Kevelaer-Marathon" für eine Bestmarke. Eva Offermann aus der Eifel blieb als erste Frau in Twisteden unter drei Stunden. Und Sigrid Eichner aus Berlin sammelte Marathon Nummer 1951. Von Volker Himmelberg

"Da kommt unsere Sigrid, die Queen of Marathon. Geht's Dir gut?", rief Moderator Laurenz Thissen launig ins Mikrofon, als Sigrid Eichner in Sichtweite kam und am Sportplatz der DJK Twisteden vorbeilief. Die nonverbale Antwort: ein müdes, fast schon etwas resigniertes Kopfschütteln. Kein Wunder. Die 75-jährige Dame aus Berlin, die Marathonläufe sammelt wie andere Leute Briefmarken, hatte bereits am Samstag in Waldniel die Königsdistanz absolviert - Nummer 1950. Gestern kam Nummer 1951 hinzu. Die Weltrekordhalterin in Sachen 42,195 Kilometer ließ es sich wie in jedem Jahr nicht nehmen, in Kevelaer an den Start zu gehen. Die gertenschlanke Seniorin, die schließlich nach knapp sechseinhalb Stunden das Ziel erreichte, befand sich in guter Gesellschaft.

Denn bei nahezu idealem Läuferwetter - nur der eisige Wind bereitete etwas Probleme - gingen exakt 433 Sportler und Sportlerinnen an den Start: Teilnehmerrekord. "Es freut uns sehr, dass wir noch Jahr für Jahr eine Steigerung verzeichnen können. Denn damit steuern wir gegen den bundesweiten Trend", sagte Peter Wasser, Vorsitzender des Ausrichter Langlauf-Gemeinschaft (LLG) Kevelaer. Da einige Langstreckler recht spät in Twisteden eintrafen, schickte Ortsvorsteher Josef Kopsch den Tross mit einer Viertelstunde Verzögerung auf den sechs Kilometer langen Rundkurs.

So geht's auch: Der eine oder andere Läufer schützte sich gestern gegen den eisigen Wind. FOTO: van Offern, Markus (mvo)

Und schon nach kurzer Zeit zeichnete sich ab, dass ein "Uralt-Rekord" fallen sollte. Denn Eva Offermann vom TV Konzen aus der Eifel war von Anfang äußerst schnell unterwegs und blieb bis zum Schluss den stärksten Männern dicht auf den Fersen. Sie traf schließlich nach 2:57,59 Stunden im Ziel ein - erstmals blieb damit eine Frau beim Kevelaer-Marathon unter der Drei-Stunden-Marke. Die bisherige Bestzeit (3:04,32 Stunden) hatte Annette Neinhüs-Janssen bei der Premiere im Jahr 2003 aufgestellt. Bei der Siegerehrung nahm Eva Offermann neben dem Pokal auch noch 250 Euro in Empfang - diese Prämie vergibt die LLG Kevelaer für eine Bestzeit.

Bei den Männern konnte sich der Gastgeber das Geld sparen. Der Rekord (2:36,31 Stunden), den Maciek Miereczko im vergangenen Jahr aufgestellt hatte, geriet gestern zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Am Ende siegte Bernd Diekmann von den Lauffreunden "HADI" Wesel, der unter dem Jubel der Zuschauer nach 2:53,38 Stunden im Ziel eintraf, vor einem Duo von der LG Alpen. Sascha Hubbert und Fernando Concha überschritten in 2:56,14 Stunden "brüderlich" die Ziellinie.

Zu diesem Zeitpunkt war das große Verpflegungszelt auf dem Sportplatz bereits gut gefüllt. Auffällig viele Dorfbewohner verfolgten das Geschehen und ließen sich anschließend Kaffee und Kuchen schmecken. "Die Twistedener bilden eine starke Dorfgemeinschaft. Wenn hier etwas geboten wird, sind auch fast alle auf den Beinen", lobte Brigitte Middeldorf, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Kevelaer, die mit Peter Wasser die Siegerehrung vornahm.

Der LLG-Vorsitzende konnte zuvor bereits ein überaus zufriedenes Fazit ziehen. "Mit der Unterstützung unserer Helfer hat alles reibungslos funktioniert. Es hat sich auch niemand verletzt. Und mich persönlich freut es ganz besonders, dass wir eine neue Rekordhalterin haben", sagte Wasser.

Doppelten Grund zur Freude hatte der gestrige Sieger. Bernd Diekmann entschied mit seinen Teamgefährten Michael Peters und Simon Schlebusch von den Weseler Lauffreunden auch noch die Mannschaftswertung für sich. Der erstmals vergebene Sonderpreis für den Verein, der die meisten Läufer und Läuferinnen ins Rennen schickte, ging an den LC Duisburg. "Wir möchten damit auch den Breitensport belohnen. Es soll schließlich nicht immer nur um Zeiten gehen", erklärte Wasser.

Und die "Queen of Marathon" ? Sigrid Eichner ließ immerhin noch zwei jüngere Männer hinter sich. Die Lauflegende aus Berlin konzentriert sich mittlerweile darauf, mit 2000 Wettbewerben in die Sportgeschichte einzugehen. Vielleicht klappt's ja nächstes Jahr in Kevelaer - der Marathon der LLG zählt zu ihren Lieblingsläufen.

Quelle: RP
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