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Handball
Zwischenbilanz eines Tabellenführers

Handball: Zwischenbilanz eines Tabellenführers
Der Aldekerker Thomas Jentjens (Mitte) lässt sich auch von zwei Gegenspielern nicht aufhalten. FOTO: Spütz
Aldekerk. Die Handball-Männer des TV Aldekerk sind in der Regionalliga Nordrhein nach sechs Spieltagen noch ohne Niederlage. Von Reinhard Pösel

Nach der Sommer-Vorbereitung trafen sich Spieler und Trainer des Handball-Regionalligisten TV Aldekerk auf dem Betriebsgelände eines ihrer Sponsoren. In der Kulisse eines Kieswerkes stellten sie sich zum Mannschaftsfoto auf - mal im dunklen Outfit, mal in frechem Pink. Ein Motiv zeigt die Handballer des TV Aldekerk zu einer V-Form aufgestellt. Mit vor der Brust verschränkten Armen drehen die Akteure ihre muskelbepackten Oberkörper in die Kamera. Entschlossen wirken die in Pose Gestellten. Ganz so, als wollten sie der Konkurrenz bedeuten: "Mit uns könnt ihr rechnen!"

Zum damaligen Zeitpunkt schwang bei allem zur Schau getragenen Optimismus die Hoffnung mit, dass sich das Saison-Auftaktprogramm in der neu geschaffenen Handballklasse nicht als zu schwer erweist. Denn der Abschied von Fabian Schneider, der pro Saison für 100 Treffer gut war, brachte eine große Unwägbarkeit mit sich. Verteilt werden musste die Last auf die übrig gebliebenen Spieler inklusive des einzigen Neuzugangs Richard Pasch, der mit der vakant gewordenen Schneider-Position nun gar nichts am Hut hat.

Doch alles das schien ATV-Trainer Achim Schürmann, der bestens weiß, wie dieser Mannschaftssport funktioniert, nicht zu beunruhigen. Er kennt genau die Tricks und Kniffe, wie man auf die Stellschrauben des auf Schnelligkeit und Kombinationshandball gepolten Aldekerker Spiels Einfluss nehmen kann - im Training, aber auch während eines Spiels in der verbalen, nicht unwichtigen Kommunikation mit den Schiedsrichtern.

Die Überzeugung, dass man das auch in dieser Saison hinbekommt, ist die eine Seite der Medaille. Der Lackmustest findet allerdings nicht im Plauderton am Tresen einer Kneipe statt, sondern Woche für Woche auf dem Handballfeld. Gegen Gegner, die in der Vergangenheit zu den spielstärksten Mannschaften in den Oberligen der Verbände Nord- und Mittelrhein gehörten - angesiedelt zwischen Bonn, Aachen, Essen und dem Gelderland.

Nach knapp der Hälfte der Hinrundenspiele, genau nach sechs von 13 Begegnungen, und vor den beiden jetzt anstehenden "Krachern" beim TSV Bonn am Samstag und gegen ART Düsseldorf eine Woche später in der Vogteihalle ist die Zeit für eine Zwischenbilanz gekommen. Ergebnis: Sehr viel besser hätte es für die Schürmann-Truppe nicht laufen können. Es begann mit dem Sieg auf heimischer Platte gegen die hoch gehandelten Bergischen Panther, anschließend folgte der Auswärtserfolg beim Turnverein Köln-Wahn. Die Mannschaft erfasste eine Erfolgsspirale, bei der der Trend zu einem ihrer größten Freunde wurde.

Die ATV-Handballer funktionieren gut, teilweise sogar sehr gut. "Was die Jungs 40 Minuten lang gezeigt haben, war Handball aus einem Guss", meinte Trainer Schürmann nach dem Sieg in Opladen. Es gibt in einem Spiel nicht häufig solche Phasen, an denen der anspruchsvolle ATV-Coach "nichts, aber rein gar nichts", wie er sich ausdrückte, auszusetzen hat. Die Aldekerker unter der Regie des klug und mittlerweile weniger sprunghaft Regie führenden Lukas Hüller sind in der Lage, während eines Spiels den Hebel umzulegen und sich mit den im Training erworbenen Spielsystemen aus kniffligen Situationen zu befreien.

Die Aldekerker Regionalliga-Handballer haben in der gut vierjährigen Schürmann-Ära an Qualität dazu gewonnen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich konsequenter als früher an Absprachen halten. In jedem bisherigen Spiel sind es andere Akteure gewesen, die sich in die vorderste Front geschoben haben. Zuletzt der Südafrikaner Matome Rampyapedi mit acht aus dem Spiel erzielten Toren und zusätzlich vier verwandelten Siebenmetern. Keeper Florian Lindenau ist ein weiteres Beispiel dafür. Thomas Jentjens könnte man ebenfalls nennen, auch Jonas Mumme als Chef der eigenen Abwehr und Unruheherd an der gegnerischen Kreislinie. Und jetzt sehnen sich die Anhänger danach, dass bei Janis Kempmann der Knoten platzt. Der für einen Außenspieler mit seiner Schnelligkeit, Sprungkraft und Athletik viele Voraussetzungen mitbringt, um die letzten Hemmnisse auf dem Weg zu noch Größerem zu überwinden.

All das führte dazu, dass der ATV nach sechs Begegnungen Tabellenführer ist und bei fünf Siegen und einem Remis als einzige Mannschaft der Liga noch ohne Niederlage dasteht. Überraschend dabei: Den Rückzug von Fabian Schneider und die Langzeit-Verletzung von Can-Pierre Greven schlugen erfreulicherweise nicht negativ zu Buche.

Nur einmal drohte der ATV auf die Schattenseite zu geraten, als sich der immer stärker gewordene Fabian Schwartz mit einem Kahnbeinbruch verabschiedete und zeitgleich Christoph Kleinelützum mit einem kleineren Knieschaden unters Messer legte. Für einen Moment sah es so aus, als ginge das mit viel Leidenschaft Erreichte den Bach herunter. Der Vorstand half und gab grünes Licht für eine Aufstockung des laut Schürmann eigentlich ausgereizten Etats. So konnten innerhalb weniger Tage mit Julian Mumme, Erwin Reinacher und Christian Welzel drei Spieler gewonnen werden, die mindestens stark genug sind, die Lücken zu schließen. Doch auf Sicht dürfte Aldekerk dadurch an Qualität zugelegt haben, da die verletzten Spieler in absehbarer Zeit wieder zur Verfügung stehen sollten.

Die ATV-Anhänger trauen jedenfalls ihrer Mannschaft einiges zu. So auch am Samstag beim Gipfeltreffen in Bonn (Anwurf um 19.30 Uhr). "Der Erste trifft auf den Zweiten. Darauf freuen wir uns", beschreibt Trainer Schürmann zunächst ganz sachlich die Situation. Dann jedoch schiebt er einen Satz hinterher: Es solle bloß keiner meinen, dass "wir nicht alles versuchen werden, um auch dieses Spiel zu gewinnen". Kann Selbstbewusstsein schöner klingen?

Quelle: RP
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