| 00.00 Uhr

Wachtendonk
St. Anno war "eine gute Schule"

Wachtendonk: St. Anno war "eine gute Schule"
Mit Bällen hat Hardy Renner in den Sport-AGs weiterhin zu tun. Auf die 42 Jahre als Lehrer an der St.-Anno-Hauptschule Straelen blickt er mit gemischten Gefühlen. FOTO: Gerhard Seybert
Wachtendonk. Nach 49 Jahren läuft die Hauptschule in Straelen aus. Zu einer Abschiedsfeier versammeln sich heute 50 aktuelle und ehemalige Lehrer. Einer von ihnen ist Hardy Renner. Er blickt auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurück. Von Michael Klatt

Seit fünf Jahren ist Hardy Renner Pensionär. Eigentlich. Doch von "seiner" Schule kann er nicht lassen. Schließlich hat er sein ganzes Berufsleben dort verbracht. 42 Jahre unterrichtete der Wachtendonker an der St.-Anno-Hauptschule Straelen Mathematik und Sport. Nur sieben Jahre weniger, als es sie gibt. Und bis heute leitet er dort Sport-AGs. Bei so viel Verbundenheit verwundert es nicht, dass Renner, gemeinsam mit Josef Mailänder, die Feier organisiert hat, bei der sich heute 50 aktuelle und ehemalige Lehrer anlässlich des Auslaufens der Hauptschule zum Ende dieses Schuljahres treffen. Renners Rückblick ist nicht frei von Trauer.

"Das war eine gute Schule", sagt der 68-Jährige im Brustton der Überzeugung. Er erinnert sich daran, wie er 1972 als 23-jähriger Junglehrer vor Schülern stand, die gerade mal sechs, sieben Jahre weniger auf dem Buckel hatten als er. "Ein Drittel der Schüler in den ersten Jahrgängen damals hätte auch das Abitur geschafft", meint Renner. Auf Klassentreffen hat er immer wieder erfahren, dass Ehemalige tolle Berufe ergriffen und sich zum Teil sogar selbstständig machten.

Ab den 90er Jahren musste der Pädagoge erleben, wie die Hauptschule allgemein, und damit auch die an der Fontanestraße, unter der Politik zu leiden hatte. "Die Ideologie hat Gymnasien und Realschulen bevorteilt", urteilt Renner. Mit einem Hauptschulabschluss hätten Jugendliche keine Perspektiven, lautete das Credo. Der Abstieg der Hauptschule zur "Restschule" wurde eingeleitet.

Diese Entwicklung sieht er auch aus der Warte des Pensionärs mit Bitterkeit. Er erwähnt frustrierte Gespräche innerhalb des Kollegiums angesichts der Anordnungen aus Düsseldorf, die das Berufsleben zusehends erschwert hätten. "Zuletzt ging es nicht mehr um die Schüler, sondern um das Abarbeiten von Vorschriften." Im Sport fand Renner einen gewissen Ausgleich für die ernüchternden Erlebnisse des Schulalltags. "Vielleicht ging es mir deshalb nicht so an die Nieren wie manch anderem Kollegen", mutmaßt er.

Alles in allem könnten die Lehrer der Straelener Hauptschule stolz auf ihre Arbeit sein, meint der Ex-Kollege. Er habe ganze Generationen von Familien durch die Hauptschule geführt, schwelgt er in der Vergangenheit. Zum Schluss sei das abgebrochen. "Mein Junge geht aufs Gymnasium", bekam er immer öfter zu hören.

Durch seine Sport-AGs hat Renner immer noch Kontakt zur St.-Anno-Schule. "Es ist weniger bodenständig und anstrengender geworden", sagt er über die Anforderungen für die Unterrichtenden. Der Ganztag ist Standard, die Inklusion kommt hinzu, bei der er längst nicht alles so geordnet sieht, wie es sein müsste. Das gemütliche Treffen der Lehrer heute hält er für wichtig. "Sonst wäre das Ende der Hauptschule sang- und klanglos erfolgt." Dass der Übergang zur Sekundarschule Schritt für Schritt geschah, hält er für die in Straelen bestmögliche Lösung.

Nach der Abschiedsfeier für die Hauptschule will Renner weiterhin in Straelen aktiv bleiben. "Ich mache die Sport-AGs so lange, bis die Schüler oder ich nicht mehr wollen." In den vergangenen fünf Jahren seien die ein Selbstläufer gewesen.

An der Wichtigkeit solcher Angebote, oder beispielsweise an Initiativen wie der Akrobatik-Gruppe "Anno-Jumpers", lässt Renner keinen Zweifel. "Da können Jugendliche, die ansonsten in der Schule eher nicht glänzen, ihre Fähigkeiten zum Tragen bringen." Und das, so der lang gediente Lehrer, sei ein unschätzbarer Beitrag zum Aufbau von Selbstbewusstsein.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wachtendonk: St. Anno war "eine gute Schule"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.