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Geldern
Stadt erstattet Anzeige wegen Facebook-Hetze gegen Mitarbeiter

Geldern: Stadt erstattet Anzeige wegen Facebook-Hetze gegen Mitarbeiter
Mit Knöllchen machen sich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht beliebt. Anfeindungen im Internet will die Stadt aber nicht hinnehmen. FOTO: Stade
Geldern. Ein Angestellter des Ordnungsamtes notiert einen Falschparker. Dafür wird er an den Facebook-Pranger gestellt. Hunderte vor Verachtung triefender Kommentare sammeln sich, Beleidigungen und Schlimmeres. Von Sina Zehrfeld

Am Pfingstmontag machte eine Frau ihrem Ärger über einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Internet Luft. In einer Gelderner Facebook-Gruppe schrieb sie: "Ist es doch schön wie Geldern Geld verdient. Man läuft zur Kirmes und sieht, wie ,Stadt Geldern' privat unterwegs ist mit Frau und Kind und schön Knollen verteilt." Der betreffende Wagen hatte, wie die Stadt auf RP-Anfrage erklärt, in einer Haltezone für Taxis gestanden.

Unter dem Posting der Kirmesbesucherin sammelten sich rasch hunderte Kommentare, viele davon zynisch und herabsetzend. Der städtische Angestellte wolle wohl auf dem Weg zum Volksfest "noch mal eben ein wenig Kirmesgeld (Provision) verdienen", heißt es etwa. Andere Beiträge waren offen feindselig und bedrohlich. Schimpfwörter fielen. Solchen Leuten müsse man mal eine Lektion verpassen, schlug ein Schreiber vor.

Zeitweise war offenbar sogar ein Foto des Mannes vom Ordnungsamt online. Dieses wurde, ebenso wie einige Beleidigungen, nach einer Weile wieder gelöscht, wohl nach Kritik von anderen Nutzern.

Bürgermeister Sven Kaiser ist empört. "Wir werden eine Strafanzeige stellen wegen Bedrohung, Beleidigung und Aufruf zur Gewalt", kündigt er an. Dabei werde es um verschiedene Personen gehen, die sich einschlägig geäußert hätten. Ein Beispiel: "Es ging darum, dass man ihm mal in einer dunklen Ecke begegnen müsste." Seine Bewertung des ganzen Vorgangs: "Das geht gar nicht. Das lassen wir als Verwaltung nicht mit uns machen, und mit einem Mitarbeiter schon gar nicht."

Viel Verachtung entlud sich über den Knöllchenschreiber, weil er scheinbar in seiner Freizeit, quasi aus Leidenschaft, Autofahrer drangsaliere - das meinten jedenfalls die "Kritiker". Schließlich habe er keine Dienstkleidung getragen. Der Betreffende sei aber durchaus bei der Arbeit gewesen, erklärt Kaiser dazu: "Im Rahmen der Kirmes waren die Kollegen vom Ordnungsamt die ganze Zeit über im Dienst." Wobei das prinzipiell keine Rolle spiele. Jeder Bürger könne Falschparker melden. Und jeder, der ein Bußgeld für ungerechtfertigt halte, könne sich damit an die Stadtverwaltung wenden.

Man habe über Pfingsten übrigens wirklich alles andere als Jagd auf Falschparker gemacht. "Wenn wir alles aufgeschrieben hätten, was sich im Rahmen der Kirmes ereignet hat - wir hätten die Turnhallendächer bezahlt", sagt Kaiser. Im vorliegenden Fall sollte der zugeparkte Bereich aber freibleiben, damit die Taxis nahe an die Kirmes herankonnten, ohne im Fußgängerbereich zu rangieren.

Die hasserfüllten Kommentare blieben übrigens bereits im Internet nicht ohne Widerrede. Der Administrator der Facebook-Gruppe stellte fest, dass "Beleidigungen und Gewaltandrohungen" nicht als - zulässige - "Meinung" gelten. Zahlreiche weitere Nutzer verurteilten die Beleidigungen, mahnten zur Mäßigung, bezogen Position gegen Hetzer und rieten dazu, vernünftig zu parken - und sich andernfalls zumindest nicht über Bußgelder zu beschweren.

Quelle: RP
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