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Geldern
Zeitzeugin spricht über den Holocaust

Geldern. GELDERN 94 Schüler der Jahrgangsstufe zehn der Liebfrauenschule wollten sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, persönlich mit der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl über ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus zu sprechen. Eva Weyl, die als junges Mädchen die Schreckenszeit in den Niederlanden erlebte, gab ihre Sicht auf die Verfolgung und systematische Ermordung der Juden Europas wieder. Schon sechs Jahre erzählt sie ihre Lebensgeschichte und die Geschichte der Judenverfolgung, seit zwei Jahren auch am Niederrhein, dem sie sich besonders verbunden fühlt, da ihr Vater Anselm Weyl ein großes Kaufhaus in der Klever Innenstadt besaß.

Bereits Anfang der 1930er Jahre entschloss sich die Familie Weyl, Deutschland zu verlassen, da die nationalsozialistische Propaganda unter der Parole "Die Juden sind unser Verderben" immer mehr Anklang in der Bevölkerung fand. Die Familie ließ sich in Arnheim nieder, wo die junge Eva ihre frühe Kindheit verbrachte. Doch schon bald musste sie mit ihren Eltern das Haus in Arnheim verlassen, denn sie wurde in das Lager Westerbork deportiert.

Voller Sorge um die Zukunft nähte Evas Mutter die Diamanten der Familie in die Knöpfe des Mantels ihrer Tochter ein. "Meine Geschichte hat ein Happy-End", sagt Eva Weyl, "ich habe es überlebt, meine Eltern haben es überlebt." Heute trägt die 78-Jährige einen der Diamanten, eingearbeitet in einen Ring zur Erinnerung an ihrem Finger. Das niederländische Lager Westerbork in der Nähe von Groningen, das heute eine Erinnerungsstätte ist und interessierten Besuchern offen steht, sei ein "grausiger Ort" gewesen.

Auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern waren bis zu 20.000 Menschen untergebracht, es war kalt, Männer und Frauen wurden voneinander getrennt, und geschlafen wurde in Baracken auf Stapelbetten. Montags wurde eine Liste mit Namen von denjenigen erstellt, die dienstags mit dem Zug nach Auschwitz abtransportiert wurden. Mehrmals riet die 80-Jährige den jungen Leuten, nicht müde zu werden, sich näher über Bücherverbrennungen, die Nürnberger Rassengesetze und die Reichspogromnacht zu informieren.

Quelle: RP
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