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Geldern
Stadtwerke klagen gegen vier Windräder

Geldern: Stadtwerke klagen gegen vier Windräder
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Geldern. Die Stadtwerke Geldern wollen den Bau von Anlagen stoppen. Die sollen nämlich im Wasserschutzgebiet stehen. Die Fundamente liegen schon. Die "Bürgerenergie Issum" hält die Klage für unsinnig. Es geht um viele Millionen Euro. Von Sina Zehrfeld

Die Genossenschaft "Bürgerenergie Issum" berichtet seit Monaten mit wachsender Freude vom Bau ihres Windparks im "Vorster Feld", etwa mittig zwischen den Orten Hartefeld und Sevelen. Die Fundamente der vier Windräder sind fertig, in den kommenden Wochen geht es an den Hochbau, bald sollen die Riesenspargel aus dem Feld sprießen. Aber nicht, wenn es nach den Gelderner Stadtwerken geht. Die wollen das ganze Projekt per Gericht stoppen.

Der Grund: Der Standort liegt im Wasserschutzgebiet des Gelderner Wasserwerks. "Jede Anlage beinhaltet 700 Liter wassergefährdende Stoffe", sagt der Technische Leiter der Stadtwerke, Claus van Vorst. "Das sind Öle, Fette, Schmiermittel, Kühlmittel, Sonderbetriebsmittel." Windräder sind nicht immun gegen Sturm, Feuer, Alter: "Die Dinger fallen schon mal um", so Claus van Vorst. Dann habe man es mit es mit einem Trümmerfeld und freigesetzten Flüssigkeiten zu tun. Ganz zu schweigen von Bränden: "Was dabei entsteht, läuft in aller Seelenruhe ins Grundwasser."

Der Zufluss zu den Förderpumpen kommt aus südlicher Richtung - also aus der Gegend, in der die Windräder gebaut werden sollen. Was immer dort ins Grundwasser sickern würde, wäre über den Daumen gepeilt etwa 200 Tage später im Trinkwasser, rechnen die Stadtwerke vor - je nach Regen- und Fördermenge und derlei Einflüssen. "Es gibt nur dieses eine Wasserwerk", sagt Claus van Vorst eindringlich. Würden die Brunnen kontaminiert, läge Geldern auf dem Trockenen.

Die Bürgerenergie Issum hält die Bedenken für Quatsch. Die Stadtwerke-Klage habe "sachlich keinen Hintergrund", sagt Werner Soika vom Vorstand der Genossenschaft: "Jeder moderne Traktor, der durch das Wasserschutzgebiet rollt, hat mehr wassergefährdende Stoffe an Bord." In so einem Windrad sei nicht mal ein Liter Material, das für das Wasser etwa so gefährlich sei wie Diesel. Die Menge schädlicher Substanzen in den hunderten Litern Kühlmitteln sei äußerst gering.

Man baue in der äußeren Zone des Wasserschutzgebietes - da seien Windräder "absolut üblich". Selbst wenn etwas passieren würde, hätte man dort viel Zeit, kontaminierte Erde abzuräumen. Die Stadtwerke kreierten "ein Katastrophenszenario, das so sicher noch niemals aufgetreten ist".

Die Stadtwerke sehen das keineswegs so. Man habe Experten hinzugezogen, mit den Wasserbehörden Kontakt gehalten, betont Claus van Vorst. "Die Antwort war aber immer die gleiche: Ja, es besteht ein Risiko." Eigentlich sei schon der Bau der Fundamente ein Problem, weil der Boden angegriffen wurde: "Dieser Eingriff mindert jetzt schon erheblich den Grundwasserschutz."

Fakt ist, dass direkt neben den neuen Standorten bereits zwei ältere Windräder ihre Flügel drehen. Die seien natürlich genau so problematisch, sagen die Stadtwerke dazu - aber daran lasse sich nichts ändern, sie seien nun mal schon da.

Die Stadtwerke sind im Januar vor Gericht gezogen, in erster Instanz gescheitert, jetzt läuft die Klage in der zweiten Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Münster.

Der Kreis Kleve hatte das Bürgerenergie-Projekt am 30. Dezember 2016 genehmigt. Das war buchstäblich auf den "letzten Drücker", denn seit Januar gilt eine Gesetzesänderung zum Nachteil kleiner Genossenschaften. Im Januar gab es auch das Okay zum sofortigen Baustart.

Die Stadtwerke glauben, dass der Kreis unter dem Zeitdruck beide Augen zugedrückt hat: "Manche Garage braucht länger zur Genehmigung als diese vier Windkraftanlagen", sagt Claus van Vorst flapsig.

Für die Bürgerenergie geht es bei dem Verfahren um nicht weniger als ihre Existenz. "Der gesamte Investitionsaufwand für diese vier Anlagen liegt bei 18 Millionen Euro", sagt Werner Soika. Viel Geld wurde schon investiert. Sollte die Genossenschaft vor Gericht unterliegen, würde man vom Kreis Schadensersatz verlangen.

Quelle: RP
 
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