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Geldern
Stadtwerken drohen Millionenverluste

Geldern: Stadtwerken drohen Millionenverluste
Das Kraftwerk "Westfalen" in Hamm. FOTO: dpa
Geldern. Die Beteiligung an einem Kohlekraftwerk des Energiekonzerns RWE wird für zahlreiche Stadtwerke teuer. Wie teuer, das muss sich noch zeigen, aber es geht um Millionen. Wichtigste Botschaft für die Bürger: Sie sollen nichts davon merken. Von S. Zehrfeld und S. Latzel

In den mächtigen Kühltürmen des Kraftwerks "Westfalen" in Hamm-Uentrop könnten zahlreiche kleine Stadtwerke Millionen versenken. Sie sind mit unterschiedlich großen Anteilen an diesem Kohlekraftwerks-Neubau des Energiekonzerns RWE beteiligt (Projekt "Gekko"). Beteiligungen, die durch die Auswirkungen der Energiewende sowie Pannen und Verzögerungen beim Kraftwerksbau inzwischen wertlos sein sollen - das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel". RWE habe 23 betroffenen Stadtwerken angeboten, ihre Anteile für einen Euro abzukaufen.

"Wir sind mit etwa 4,2 Millionen Euro beteiligt", beziffert Gelderns Stadtwerke-Chef Heinz-Josef Freitag die Summe, um die es konkret in Geldern geht. "Wir sind darauf vorbereitet, über den Ausstieg nachzudenken", erläutert er: "Wir haben umfangreiche Rückstellungen gebildet, um nötigenfalls den Totalverlust verkraften zu können." Über zwei Millionen Euro habe man für diesen Fall auf der hohen Kante.

Auf die Stadtwerkekunden sollen mögliche Verluste nicht abgewälzt werden, versichert Freitag. Das habe man auch für die Rückstellungen in der Vergangenheit nicht getan: "Unsere Gesellschafter haben entsprechend weniger ausgeschüttet bekommen." Und so würde es auch gehandhabt, wenn man den ganzen finanziellen Einsatz als Verlust verbuchen müsste.

Ob das der Fall sein wird oder nicht, sei jetzt noch nicht abzuschätzen, denn tatsächlich lägen noch gar keine Angebote auf dem Tisch. Vielmehr verhandelten Vertreter von größeren Stadtwerken, die mit mehr Geld im Boot sitzen, derzeit mit RWE. "Umfangreiche Informationen, wie der Verhandlungsstand ist, liegen uns noch nicht vor", so Freitag.

Beim Kraftwerk in Hamm seien die Stadtwerke eingestiegen, um sich etwas von den Preisen an der Strombörse zu lösen und konkurrenzfähiger zu sein, erläutert Udo Jessner, Chef der Stadtwerke in Emmerich. Dummerweise seien die Preise an der Börse aber in den Keller gegangen: "Die Produktionskosten für den Strom waren höher als das, was es nachher dafür gab." Das sorgte für Verluste. Zur Sicherheit haben die Stadtwerke Emmerich daher bereits drei Millionen Euro an Rückstellungen gebildet.

Ob ein Ausstieg die beste Lösung sei, sei offen. "Wichtig wäre, dass wir auf Dauer das Risiko beschränken können und dass aus dieser unendlichen Geschichte eine planbare Sache wird." Das sei bislang nämlich nicht der Fall. Nicht nur wegen der Börsen-Preise: RWE habe auch schwere Fehler beim Kraftwerksbau gemacht, ein Block werde wohl gar nicht ans Netz gehen, ein zweiter bereite Probleme. "Das Ganze ist kein erfreuliches Thema." Auf den Strompreis für die Kunden werde sich das aber nicht auswirken.

Das sieht auch Carlo Marks, Chef der Stadtwerke Goch, so. "Die Sache werden wir nicht auf dem Rücken der Kunden austragen." Es werde bei den günstigen Preisen in Goch bleiben. "Einen Gekko-Zuschlag wird es nicht geben." Rücklagen für die Verluste hat man in Goch nicht gebildet, hier belasten die zusätzlichen Aufwendungen das laufende Geschäft.

Quelle: RP
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