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Straelen
Staffelübergabe in Straelens Stadtarchiv

Straelen: Staffelübergabe in Straelens Stadtarchiv
Bernhard Keuck und der Freundeskreis Stadtarchiv wünschen Claudia Kurfürst - ins Hochdeutsche übersetzt - einen "guten Start" und "viel Spaß an der Freude/Arbeit". Eine Staffelübergabe gab es auch schon. Die Staffel war eine Staffelei. FOTO: gerhard seybert
Straelen. Bernhard Keuck geht nach fast einem Vierteljahrhundert als Stadtarchivar in Ruhestand. "Die Neue" ist Claudia Kurfürst. Vorher war das Kreisarchiv in Geldern ihr Wirkungskreis. "Die Freunde" sind als Unterstützer da. Der Zulauf ist rege. Von Bianca Mokwa

Bernhard Keuck schaut sich nach seinem Urlaub im Stadtarchiv Straelen um. "Im Augenblick ist es ein bisschen im Umbruch", sagt er, als er seinen Blick schweifen lässt. Ein neues Gefühl stellt sich beim ihm ein. Denn seit dem 1. August ist der Stadtarchivar offiziell Rentner.

Seine Nachfolgerin in dem historischen Haus auf der Kuhstraße ist Claudia Kurfürst. Eine Staffelübergabe gab es auch schon. Die Staffel war eine Staffelei. "Liebe Claudia, Dir einen guten Start, vööl Spass an de Freud/Eerbet" ist dort zu lesen. Unterschrieben hat das der Freundeskreis Stadtarchiv. Immer mittwochs ist jede Menge Leben im gemütlichen Haus mit Holzboden. "Die Vorstellung eines Durchgangszimmers im Keller mit Wollmäusen ist obsolet", warnt der langjährige Archivar Keuck vor falschen Vorstellungen über seinen Berufsstand. "Wir sind eine Art Agentur für die Vergangenheit und haben das Ohr am Volk. Keiner geht hier vom Platz, der nicht irgendeine Art von Antwort bekommen hat", sagt der ehemalige Stadtarchivar. "Wir sind eine moderne Einrichtung, ein Dienstleistungsunternehmen unter dem Dach der Stadt."

Dass eine Menge Leute das in Anspruch nehmen, hat "die Neue" schon gemerkt. "Vergangenen Mittwoch waren 20 Leute da, innerhalb von zweieinhalb Stunden", sagt Kurfürst. Bisher hat sie im Kreisarchiv in Geldern ihren Dienst versehen. 17 Jahre lang. Übrigens war das auch der Arbeitsplatz von Keuck, bevor er für fast 25 Jahre Stadtarchivar von Straelen wurde. Kurfürst ist sozusagen immer in seine Fußstapfen getreten. Und sie ist froh, dass er noch da ist und bleibt, als 450-Euro-Kraft. "Ich bin nicht der Typ, der einfach die Kelle zum Feierabend fallen lässt. Ich mache weiter. Es ist eine schöne Sache, als Rentner an seinem alten Arbeitsplatz zu sein", sagt Keuck.

Die Aufgabenverteilung ist allerdings klar. " Sie ist der Boss. Sie bestimmt die Richtlinie", sagt er über Claudia Kurfürst. Die ist im Gegenzug froh, dass Keuck ab und zu seinen Kopf durch die Tür steckt. Sie hatte sich für die Zeit nach Keucks Urlaub schon ein "Häufchen mit Fragen" zurechtgelegt. "Wer hat das schon, dass er seinen Vorgänger fragen kann? Ich finde das großartig", sagt die Straelenerin. Für Keuck hat sie damit schon eine Voraussetzung als Idealbesetzung für das Straelener Archiv, neben dem fachlichen Wissen. "Es ist von ganz großem Vorteil, dass Claudia von hier ist. Sie ist gesellschaftlich integriert und hat vom archivalischen Wissen schon einiges drauf", fasst er es zusammen.

Mit ihr gibt es auch einige Änderungen, zum Beispiel die Öffnungszeiten. Das kommt dadurch, dass sie zunächst eine halbe Stelle hat. "Ich habe aber die Option, aufzustocken", sagt Kurfürst, und das habe sie auch vor. Nicht alle halten sich an die neuen Öffnungszeiten. Die Straelener haben da ihren eigenen Kopf. "Ich habe versucht, das Archiv am Montag geschlossen zu halten, für Büroarbeiten", sagt Kurfürst lachend. Montags stehen dennoch regelmäßig vier bis sechs Leute im Archiv. "Täglich bringen Menschen Fotos", erzählt die Archivarin vom wichtigen Miteinander. "Es gibt immer noch neue, unentdeckte Sachen", sagt Keuck begeistert.

Der Arbeitsplatz der Archivarin gleicht ein bisschen einem Museum. "Die Umgebung ist sehr inspirierend", sagt Kurfürst. Ihre nächste Aufgabe ist es, die Daten in EDV einzupflegen. Zu ihrem Tagesgeschäft gehören auch Anfragen von Familienforschern und Erbenermittlern. Außerdem wird das historische Material gesichert. Eine Urkunde von 1328 vom Herzog von Geldern ("damals noch Graf", verbessert sich Keuck) muss in die Restaurierungswerkstatt. Warum das wichtig ist? "Die Urkunden bilden immer den Anfangspunkt eines Archivs", erklärt Keuck.

Er wusste zu begeistern für die Geschichte, vor allem die der Stadt Straelen. Der Freundeskreis Stadtarchiv ist entstanden, als die Politik das Archiv auslagern wollte. "Es sind im Laufe der knapp 25 Jahre auch fünf oder sechs junge Leute gewesen, die beschlossen haben, Archivar zu werden", erinnert sich Keuck. Die besuchten als Schüler der Katharinengrundschule zum ersten Mal das Archiv, und später als Praktikanten. Es ist das Erbe Keucks. Der schaut sich noch einmal um. "Es läuft bestens", sagt er mit Blick auf Kurfürst und die Freunde des Stadtarchivs, die langsam eintrudeln. "Ich genieß' das hier."

Quelle: RP
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