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Straelen
Schleuser nutzen Mitfahrzentralen im Internet

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Straelen. Die Bundespolizei hat am Sonntag auf der Autobahn 40 ein junges Pärchen gestoppt, in dessen Auto vier syrische Männer mit gefälschten Pässen saßen. Das irakische Paar gab an, die Reisenden über eine Mitfahrzentrale kennengelernt zu haben. Dennoch wurde gegen die beiden ein Strafverfahren wegen Verdachts der Schleusertätigkeit eingeleitet.

Die Beamten kontrollierten das Auto am Samstag gegen drei Uhr morgens an der Anschlussstelle Niederdorf. Dabei handelte es sich um einen Kleintransporter mit Hamburger Kurzzulassung. Die Reisenden kamen aus den Niederlanden. Laut Polizeiangaben befanden sich sechs Personen in dem Auto. Der Fahrer und die Beifahrerin waren in Belgien wohnende irakische Staatsangehörige im Alter von 28 und 22 Jahren. Die vier anderen waren männliche Syrer im Alter von 27 bis 38 Jahren.

Sie legten den Beamten belgische Identitätskarten vor. Bei der Überprüfung stellte sich jedoch heraus, dass die Lichtbilder in den Dokumenten nicht mit den Syrern übereinstimmten. Die weiteren Ermittlungen im Revier der Bundespolizei in Kempen ergaben, dass die Männer über einen Mittelsmann an eine Mitfahrzentrale herangetreten waren, um von Brüssel nach Hamburg zu reisen. Dafür zahlten sie pro Person 60 Euro an das irakische Pärchen. Die Bundespolizei hat die Syrer an die niederländischen Behörden übergeben. Gegen die Iraker wurde ein Strafverfahren wegen Verdachts der Schleusertätigkeit eingeleitet. Die Ermittlungen dauern an.

Die Polizei warnt: Wer in der Urlaubszeit mit dem Auto unterwegs ist und Mitfahrer mitnehmen will, sollte vorsichtig sein. Kriminelle würden vermehrt Online-Mitfahrzentralen nutzen, um Menschen illegal in Länder der Europäischen Union zu schleusen. Wer tatsächlich einen Geschleusten mitnimmt, kann in Verdacht geraten, Mitglied einer Schleuserbande zu sein.

Die Schleuser nehmen laut Polizeiangaben über Online-Mitfahrzentralen Kontakt zu Anbietern von Mitfahrgelegenheiten auf und vermitteln zu schleusende Personen als Mitfahrer. Diese würden sie beispielsweise als Freunde oder Bekannte ausgeben.

Folgende Anhaltspunkte, die die Polizei zusammengestellt hat, sollen helfen, einen möglichen Schleusungsversuch zu erkennen:

  • Die Kontaktaufnahme zum Fahrer erfolgt nicht durch die Mitfahrer selbst, sondern durch einen Vermittler.
  • Nicht der Mitfahrer, sondern eine andere Person bezahlt die Fahrtkosten.
  • Mitfahrer sind häufig nicht in der Lage, sich mit dem Fahrer zu verständigen, weil sie kein Deutsch sprechen.

Wer den Verdacht hat, dass eine Schleusung geplant sein könnte, sollten Sie darauf bestehen, dass sich die Mitfahrer vor Fahrtantritt mit einem Pass oder Personalausweis ausweisen. Können die Mitfahrer keine Pässe vorweisen, sollten die Fahrer davon absehen, sie mitzunehmen und die Polizei über den Notruf 110 oder die Bundespolizei unter Telefon 0800 6888000 informieren.

(ots)