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Geldern
Streit um Kleider-Container

Geldern: Streit um Kleider-Container
Auf dem Haagschen Weg in Geldern steht seit Kurzem einer der dubios anmutenden Container, in denen Bürger ihre Altkleider entsorgen können. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Illegal oder nicht? Im Gelderner Stadtgebiet tauchen immer wieder teils dubios anmutende Sammelcontainer auf. Die Aufsteller waschen ihre Hände in Unschuld. Die Stadt interveniert. Und Hilfsdienste ärgern sich. Von Christian Breuer

Plötzlich stehen sie da, die weißen, beigefarbenen oder blauen Container, in die Passanten alte Kleidung oder Schuhe werfen sollen. Meist wird der Eindruck vermittelt, dass man damit ein Hilfswerk unterstützt. Oft aber wird die gespendete Kleidung nur zu Geld gemacht, an dem sich die Aufsteller bereichern.

Dass sein Verein solche Container ohne Genehmigung aufstellen lässt, weist Sadri Kacem von der "Babynotfallhilfe Deutschland" brüsk von sich. Mindestens drei Sammelboxen stehen derzeit in Geldern, einer an der Ecke Haagscher Weg/Schlossstraße. "Ein städtisches Grundstück", sagt Stadtsprecher Herbert van Stephoudt – "ein Privatgrundstück", entgegnet Kacem. Der tritt im Gespräch mit der RP selbstsicher auf, will Katasterpläne sehen, um die Grundstücksfrage zu klären. "Wir stellen unsere Container niemals auf öffentlichen Flächen auf", sagt er. Und: "Die Einverständniserklärung wurde uns mündlich gegeben."

Die Stadt jedenfalls betont, niemals ein Einverständnis gegeben zu haben und hat der "Babynotfallhilfe" auch gleich eine Frist gesetzt. Wenn die Container bis zum Wochenende nicht weg sind, lässt die Stadt sie entfernen. "Dieser Verein ist schon mehrfach aufgefallen und geht äußerst dreist vor", erklärt der Gelderner Stadtsprecher. Fakt ist auch: In Rheinland-Pfalz darf der Verein mit Sitz in Dortmund und einem Standort in Duisburg keine Spenden mehr sammeln. Dazu hat er sich selbst verpflichtet und ist damit wohl einem offiziellen Verbot zuvorgekommen.

Dass es keine Genehmigungen zum Aufstellen von Sammelcontainern gibt, gelte für das ganze Stadtgebiet, mit lediglicher einer Ausnahme, erklärt van Stephoudt: Die Kolpingsfamilie darf an bestimmten Stellen ihre orangen Metallcontainer aufstellen.

Bodo Polixa ist im Vorstand der Kolpingsfamilie. Ihm sind die fremden Container schon lange ein Dorn im Auge. "Die sind für uns ein echtes Problem", sagt er. Denn viele Leute wollen etwas Gutes tun, werfen ihre Kleidung dann aber in die Sammelbox eines kommerziellen Anbieters. "Unsere Container sind entsprechend leerer", klagt Polixa.

Er hat beobachtet, dass die "wilden" Container oft auf Baugrundstücken aufgestellt werden, die gerade brach liegen. Da stören sie zunächst niemanden, und auf privaten Grundstücken ist die Stadt machtlos. Polixa kann aus dem Stand viele Beispiele nennen.

Die Container der "Babynothilfe" jedenfalls werden bald entfernt – entweder von der Stadt, oder vom Verein. "Fünf Werktage" brauche man, sagt Kacem, die Stadt hat eine Frist bis zum Wochenende gesetzt. Verschwinden werden die Container wohl nicht. Kacem: "Wir suchen uns neue Plätze."

 

(RP/rl)
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