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Geldern
Streit um Teiche in Spettmanns Garten

Geldern: Streit um Teiche in Spettmanns Garten
Karl-Leo Spettmann am Rande seiner Seenlandschaft, die er auf seinem Grundstück angelegt hat. Die Teiche ergeben den aus der Luft gut zu erkennenden Schriftzug "K-L 210". FOTO: van Offern / Screenshot Google Earth
Geldern. Karl-Leo Spettmann, bekannt durch Schlüsseldienst und Immobiliengeschäfte, liegt über Kreuz mit dem Kreis. Er hat auf seinem Land Teiche in Buchstaben- und Zahlenform gegraben. Ein Biotop, sagt er. Weg damit, fordern die Behörden. Von Sina Zehrfeld

Wenn Karl-Leo Spettmann über das weitläufige Grundstück bei seinem Elternhaus streift, dann sieht er Rehspuren am Wasser, schwirrende Insekten, Wildkräuter am Wegesrand. Einen Hektar ehemaliges Ackerland an der Weseler Straße hat er umgestaltet. Er ließ Teiche ausbaggern, Erdwälle anhäufen, dann überließ er alles dem Wildwuchs. "Ich hab gesagt: Komm, ich will was für die Natur tun", begründet er: "Ich möchte da ein Biotop machen." Eine "Renaturierung" schwebte ihm vor.

Wobei seine Seen-Landschaft nicht gerade natürlich geformt ist: Spettmann hat nämlich seine Signatur in die Landschaft gefräst. Die Teiche ergeben den Schriftzug K-L 210. "K-L" steht für "Karl-Leo", 210 für die Hausnummer des erweiterten Grundstücks. Sehr eindrucksvoll ist das Werk von oben, es lässt sich zum Beispiel via Google Earth bewundern. Karl-Leo Spettmann ist in Geldern bislang weniger für Angelegenheiten rund um Grünzeug und Getier bekannt. Vielmehr ist er berühmt und, je nachdem, wen man fragt, berüchtigt für seine Rollen in der Schlüsseldienst- sowie in der Immobilienbranche.

FOTO: Google Earth / Screenshot

Die Behörden des Kreises Kleve jedenfalls sehen in seiner Anlage nun keineswegs ein Biotop, sondern eine Umweltsünde. Bis November soll Spettmann die Teiche wieder verfüllen, verlangt der Kreis.

Begründung: Die Gewässer wurden ohne jede Genehmigung angelegt, und man hätte dafür auch keine erteilt. "Durch das Abtragen der das Grundwasser schützenden oberen Deckschichten liegt der Grundwasserleiter offen. Verunreinigungen können ungehindert ins Grundwasser eindringen. Damit sind latent auch Beeinträchtigungen des Trinkwassers nicht ausgeschlossen", heißt es in einer Ordnungsverfügung, die zur Beseitigung der Seen auffordert. Es sei ein "konkreter Schaden für die Allgemeinheit zu befürchten". Auch könne Niederschlagswasser nicht normal abfließen, der Erdboden sei in seinen natürlichen Funktionen gestört.

Mit der ganzen Anlage werde "offensichtlich lediglich der Zweck verfolgt, Wasserflächen in Form von Buchstaben und Zahlen freizulegen, um eine von oben sichtbare Botschaft zu vermitteln", meint der Kreis. Und davon gehe die Gefahr einer "Breitenwirkung" aus: "Es wird eine Demonstration dafür geboten, dass sich hier, mit zumindest vorübergehendem Erfolg, über geltendes Recht hinweggesetzt wird."

Spettmann sieht das, wohlgemerkt, völlig anders. Er betont, dass er die Natur im Sinn habe. Und hinter der Form der Teiche stecke kein tieferer, demonstrativer Sinn. Ihm sei halt nichts anderes eingefallen. Gerade das Hauptargument, das Grundwasser sei gefährdet, kann er überhaupt nicht nachvollziehen, "weil rundherum zig Hektar freie Grundwasserflächen sind", erklärt er. Es gibt große Baggerseen gleich nebenan, mehrere weitere Seen in der nahen Umgebung.

Rund 20.000 Euro hat Spettmann seit dem Frühjahr 2012 in seine Landschaft gesteckt. Er zog auch vor das Verwaltungsgericht, um sie erhalten zu dürfen, verlor aber. "Ich bin einfach zu blöd rangegangen. Vielleicht hätte ich mir irgendwelche teuren Anwälte nehmen sollen", meint er. Wobei er rechtlich nicht mehr der Eigentümer der Flächen ist: Er hat das Land auf seinen Sohn überschrieben, der in Österreich lebt.

Die Stadt Geldern hatte Spettmann schon früh darüber informiert, dass sein Projekt nicht zulässig sei. Auf die Frage, warum er sich nicht im Vorfeld um Genehmigungen gekümmert habe, zuckt er mit den Schultern: "Unwissenheit", sagt er. "Ich dachte, ist ja mein Garten" - da dürfe er das.

Inzwischen sind die Wildtiere und -pflanzen nun mal angesiedelt. "Jetzt brauche ich Hilfe", sagt Spettmann

.Er hat bereits Besucher vom Bund für Umwelt- und Naturschutz über sein Grundstück geführt. Die seien ganz begeistert gewesen über Kröten, Graureiher, Eisvogel, Libellen und seltene Pflanzen. Jetzt hofft er, dass weitere Umweltschützer sich für sein Projekt begeistern, dass sie es unterstützen und auf der Ebene des Kreises ein Umdenken einsetzt. "Die Leute sollen sich das hier einfach mal ansehen" sagt er. Sein Wunsch: "Dass die Natur hier ihr Schauspiel vollziehen kann."

Quelle: RP
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