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Geldern
Ticket-Schalter am Bahnhof macht dicht

Geldern: Ticket-Schalter am Bahnhof macht dicht
Noch kaufen Reisende am Schalter im Gelderner Bahnhof ihre Fahrkarten. Ende Oktober ist damit Schluss. FOTO: Zehrfeld
Geldern. Der Fahrkartenverkauf am Gelderner Bahnhof wird aufgegeben. Grund sind vor allem Änderungen beim VRR, die später noch mehr Standorte betreffen werden: Wo die Nachfrage zu gering ist, gibt es in Zukunft nur noch Automaten. Von Sina Zehrfeld

Ende Oktober geht die vorläufig letzte Karte über die Theke im Bahnhofsgebäude. Der Ticket-Schalter wird geschlossen. Privater Betreiber ist das Unternehmen "DB Agentur Niederrhein". Deren Chef, Udo Loock, bedauert den Schritt: "Wir sind seit 1999 in Geldern", sagt er. Aber aus seiner Sicht gibt es für die Gelderner Zweigstelle kaum langfristige Perspektiven.

Erstens hat - zu seinem Bedauern - der Mitarbeiter gekündigt, der für die Anlaufstelle zuständig ist. Zweitens hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) beschlossen, den Verkauf von Tickets überall dort, wo es nur eine geringe Nachfrage gibt, ab Ende 2019 nicht mehr über Personal, sondern nur noch über Automaten abzuwickeln. Und zwar: "An den Standorten, an denen pro Tag weniger als 30 VRR-Tickets verkauft werden", präzisiert VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik. Nach dem Stand der Dinge fällt Geldern darunter.

Der VRR hat nicht nur diese Entscheidung getroffen, es gibt eine weitere Neuerung. Bislang unterhält er für den Ticketverkauf eine Kooperation mit der Deutschen Bahn - die Fahrscheine gibt es darum am Bahn-Schalter und -Automaten. Nach einer europaweiten Ausschreibung ist damit ab Ende 2019 Schluss, dann ist das Unternehmen "Transdev" zuständig.

Für Udo Loock und die DB Agentur Niederrhein bedeutet das: Der Verkauf von Bahn-Tickets für den Fernverkehr und komplette Bahn-Reisen bliebe ihm in Geldern erhalten. "Aber das wären ungefähr 40 Prozent des Umsatzes, die für uns wegbrechen", schätzt er.

Und bis Ende 2019 ist es zwar noch ein gutes Jahr hin, aber für die Planung und den Verkauf von Reisen müsse das Personal eine ganze Menge Ahnung haben. Und jemanden auszubilden und einzustellen für eine so begrenzte Zeit: "Da weiß man nicht, ob das Sinn macht", sagt Loock. Zumal die Umsätze in der jüngeren Vergangenheit etwas zurückgegangen seien.

Die Deutsche Bahn sähe den Schalter gerne wieder besetzt. "Wir sind aktiv weiter auf der Suche nach einem Partner", heißt es dort. Aber bisher habe man keinen Unternehmer dafür gewinnen können. "Unseren Kunden stehen am Bahnhof aber weiterhin zwei Automaten zur Verfügung. Außerdem gibt es in der Innenstadt ein Reisebüro mit DB-Lizenz". Gemeint ist das Tui-Reisecenter in der Einkaufsstraße, Issumer Straße 56.

Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes ist die Gelderner Wohnungsgenossenschaft GWS. "Ärgerlich" findet deren Chef Paul Düllings das Aus für den Ticketschalter: "Ich finde, so was gehört in ein Bahnhofsgebäude rein. Deshalb versuchen wir, einen Nachmieter zu finden. Aber es sieht schwierig aus." Die Niag und die Stadt Geldern hat er schon angesprochen; beide betreiben schließlich Nahverkehrs-Angebote in Geldern. Bislang gab es noch keine Interessenbekundung.

Heinz-Theo Angenvoort vom Verkehrsbetrieb der Stadt bedauert, dass ein Beratungsangebot wegfällt. Fahrgäste sind aber nicht völlig verloren, betont er: "VRR-Tickets und NRW-Tickets können wir ohne Probleme auch im Bürgerbüro verkaufen." Ergo: "So ganz die Diaspora sind wir nicht." Der Verkauf über solche kommunalen Stellen soll durch die Neuregelung Ende 2019 nicht angetastet werden, versichert VRR-Sprecherin Tkatzik: Das Ende der Verträge betreffe allein den Verkauf durch die Deutsche Bahn.

Außerdem soll die Handhabung der neuen Automaten viel leichter und unkomplizierter sein, als der Fahrgast es bis jetzt gewöhnt ist. Tickets gibt es dann nach ein paar Klicks, dazu mehr Zahlmöglichkeiten, bessere Information - so ist jedenfalls der verkündete Plan.

Für Udo Loock ist vor allem noch unsicher, wie sich die Neuerungen beim VRR auf seine anderen Verkaufsstellen auswirken werde. Er betreibt auch die Kartenschalter an den Bahnhöfen in Goch und Kleve.

Quelle: RP
 
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